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Individuelle Charaktere beeinflussen ein Team

Die Bedeutung des Beziehungsgeflechts zwischen Teammitgliedern untereinander und zum Teamleiter für die Effektivität des Teams wird oftmals unterschätzt. Diese Beziehungen werden natürlich von den individuellen Charakteren der beteiligten Personen geprägt, von individuellen beruflichen Motivationen, Einstellungen zu Karriere und Freizeit, zu Konkurrenz und Kooperation.

Kulturelle Unterschiede beeinflussen das Team zusätzlich

Bei interkulturellen Teams können kulturelle Unterschiede als beeinflussende Kriterien hinzukommen. Man sollte kulturelle Unterschiede zwischen den Menschen nicht überschätzen, da auch ein Kulturraum letztlich aus vielen individuellen Menschen besteht. Auf der anderen Seite darf man den Einfluss aber auch nicht unterschätzen. Ein Kulturraum definiert für sich Regeln, denen das Individuum folgen oder sich widersetzen kann: Sie prägen ihn in beiden Fällen. Und bei aller Vorsicht der Interpretation können sie bisweilen auch Hinweise darauf geben, wie unterschiedliche Verhaltensweisen in derselben Situation entstehen. Schauen wir uns einmal kulturelle Unterschiede an, die für Arbeitsteams, Abteilungen und Projektgruppen interessant sein können.

Unterschiedliche Einstellungen zu Beruf und Karriere

Im Rahmen einer internationalen Mitarbeiterbefragung zum Thema „Arbeitszufriedenheit und Führungsstile“ hat die Münchner psychologische Unternehmensberatung geva-institut GmbH in 25 Ländern insgesamt 11.000 Berufstätige befragt und Ergebnisse in Länderportraits veröffentlicht. Dabei sind teils deutliche und interessante Unterschiede zutage gekommen:

  • So gaben etwa nur 22 Prozent der befragten Tschechen an, dass sie möglichst schnell Karriere machen möchten. Für 55 Prozent sind die Familie und Freizeit wichtiger als Karriere. Dagegen stimmten 59 Prozent der befragten Chinesen der Aussage zu, sie würden alles tun, „um beruflich möglichst schnell voranzukommen“. In Deutschland lag die Zustimmung zu dieser Aussage bei 28 Prozent.
  • Jeder zweite Deutsche möchte von seinem Vorgesetzten klare Vorgaben, denen er folgen kann. Führungskräfte mit klaren Vorgaben wurden jedoch nur von jedem sechsten Schweden geschätzt. In Japan stimmten 48 Prozent der Befragten der Aussage zu, eine Führungskraft sollte „Mitarbeitern nur grundlegende Handlungsrichtlinien vorgeben und auch abweichende Vorstellungen zulassen“. 39 Prozent waren dagegen der Ansicht, dass eine Führungskraft „Mitarbeitern eindeutige Anweisungen geben und sich in ihrem Handeln nicht von abweichenden Vorstellungen beeinflussen lassen sollte“.
  • Nur etwa 50 Prozent der befragten Chinesen sind der Ansicht, die Leistung eines Mitarbeiters solle für einen Chef mehr zählen als seine persönliche Beziehung zum Mitarbeiter. Diese Ansicht vertreten dagegen 74 Prozent der befragten Deutschen.

Deutsche sind ihrem Unternehmen treu, Japaner wollen keine Frau als Chef

In den Länderportraits finden sich noch weitere Aussagen über kulturspezifische Einstellungen zu Job und Arbeit. So bescheinigen die Autoren der Befragung den Deutschen eine überdurchschnittliche Treue zum Unternehmen, in dem sie arbeiten. Nur 31 Prozent der befragten Deutschen würden das Unternehmen wechseln, sobald sich aus ihrer Sicht eine bessere Chance ergibt. Gleiches würden 58 Prozent der befragten Inder machen. Bei den befragten Japanern fiel den Autoren eine geringe Bereitschaft auf, unter weiblichen oder ausländischen Vorgesetzten zu arbeiten.

Was sagen diese Ergebnisse aus?

Um es nochmals zu betonen: Die Ergebnisse solch einer Befragung dürfen nicht dazu verführen, allzu stark zu pauschalisieren. Aber sie zeigen mögliche kulturbedingte Konfliktpotenziale auf, wenn etwa eher an Karriere orientiere Chinesen mit Tschechen zusammenarbeiten, denen Karriere tendenziell weniger wichtig ist. Mögliche Konflikte ergeben sich eventuell auch in der Zusammenarbeit, wenn es um bevorzugte Führungsstile bei Schweden und Deutschen geht. Bei interkulturellen Teams sollte man so etwas zumindest im Hinterkopf halten.

Kulturelle Unterschiede in der Kommunikation

Das Wort „nein“ bei einer Ablehnung wird von vielen Deutschen als klare Aussage und als positiv eingestuft. In Japan gilt soviel Direktheit tendenziell als unhöflich und eine Ablehnung wird eher indirekt ausgesprochen. Hier besteht schnell die Gefahr, dass eine Kommunikation scheitert, weil der eine klare Aussagen vermisst, während der andere sich durch klare Aussagen brüskiert fühlt. Auch in der nonverbalen Kommunikation gibt es relevante Unterschiede. So ist etwa der Abstand von Gesprächspartnern zueinander in verschiedenen Kulturräumen tendenziell unterschiedlich groß. Da kann es dann geschehen, dass der eine Gesprächspartner das Gefühl bekommt, man „rücke ihm auf die Pelle“, während der andere den Eindruck gewinnt, sein Gesprächspartner wolle vor ihm flüchten.

„Normales“ Verhalten? Etwas Vorsicht mit diesem Begriff!

Wie geht man mit solchen Dingen um? Letztlich hilft wohl nur, all das, was man selbst als „normal“ definiert hat, bei der Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturräumen nicht vorauszusetzen und daher auch nicht zwangsläufig einzufordern. Möglicherweise treffen verschiedene Auffassungen von „Normalität“ aufeinander und man wird schauen müssen, wie man einen gemeinsamen neuen Weg des Umgangs miteinander findet. Das ist gewiss nicht immer einfach. Spannend ist es in jedem Fall und zugleich eine Chance, sich neue Perspektiven zu erschließen. Nur so bewegt man sich. Nur so bleibt Raum für eigene Entwicklung.


Über den Autor: Christian Arno ist der Gründer und Geschäftsführer des Übersetzungsunternehmens Lingo24. Er begann den Geschäftsbetrieb in seinem Elternhaus in Aberdeen im Jahre 2001. Heute, zehn Jahre später, operiert Lingo24 global, mit Niederlassungen auf vier Kontinenten und über 170 fest angestellten Mitarbeitern. Des Weiteren arbeitet Lingo24 mittlerweile mit einem Netzwerk von ungefähr 4000 freiberuflichen Übersetzern. Bildquelle: © Monkey Business Images – Veer.com

1 Kommentar

  1. Habe mich diese Woche ebenfalls mit den Themen Karriere befasst und den Artikel „Bist du ein Teil der Lösung oder ein Teil des Problems?“ Vielleicht können dir meine Ideen als Ergänzung dienen … (Link siehe oben)

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