Ziele setzen: Nehmen Sie sich ruhig ein bisschen mehr vor

Same procedure as every year: Pünktlich zum Jahresbeginn sind wir fest entschlossen, unser Leben umzukrempeln, schlechte Gewohnheiten über Bord zu werfen und die Metamorphose zum besseren, erfolgreicherem Ich endlich einzuläuten. Spätestens nach drei, vier Monaten weicht der Enthusiasmus dann der Frustration. Warum es dennoch gut ist, sich immer wieder möglichst hohe Ziele zu setzen und wie sich diese auch erreichen lassen, lesen Sie hier.

„Der Mensch muss ein Ziel vor Augen haben…“

Sich Ziele zu setzen, ist ein Neujahrsphänomen, über das vor allem im Dezember und Januar viel und gern diskutiert wird. Die wenigsten nehmen es wirklich ernst, denn gute Vorsätze – das belegt die Statistik – halten meist nicht länger als vier Monate. Immerhin hat sich jeder fünfte Deutsche für das kommende Jahr neue Ziele gesteckt. Sinnlos ist das ganz und gar nicht. Ob privat oder im Job: Wer nicht nur Statist in seinem Leben sein möchte, muss das Drehbuch mitgestalten. „Der Mensch muss ein Ziel vor Augen haben und die Vorstellung, wie er es erreicht“, schrieb der Autor Tschingis Aitmatov einst. Die Kunst dabei ist es, das Ziel richtig zu formulieren und auf dem Weg dorthin nicht den Fokus zu verlieren.

Alles neu macht der… Januar

Woran liegt es, dass wir uns hauptsächlich zum Jahreswechsel mit persönlichen und beruflichen Zielen auseinandersetzen? „Psychologen sprechen vom ‚fresh start effect‘, der durch den Jahreswechsel ausgelöst wird“, erklärt Jan Guldner, Redakteur der Wirtschaftswoche. Erwiesener Maßen steige nach solchen zeitlichen Meilensteinen die Motivation, ein Ziel zu erreichen, deutlich an. Das neue Jahr sei so gesehen ein unbeschriebenes Blatt. Fehlschläge liegen in der Vergangenheit, man startet bei null und der alte Misserfolg drückt die Motivation nicht mehr. Diesen psychologischen Effekt des Neustarts könnten wir aber viel häufiger nutzen. Auch der eigene Geburtstag, der Beginn eines Quartals oder einer neuen Jahreszeit geben Anlass, um sich bewusst neue Ziele zu setzen.

Aufgeschrieben ist halb erreicht

Ein einfacher aber wirkungsvoller Trick dabei: Schreiben Sie Ihre Ziele auf! Der Soziologe und Reichtumsforscher Dr. Dr. Rainer Zitelmann stellte in zahlreichen Gesprächen und Interviews mit extrem erfolgreichen Menschen fest, dass das schriftliche Fixieren von Zielen für viele seiner Interviewpartner eine große Rolle spielt. Denn wenn man Ziele möglichst präzise schriftlich definiert, habe man auch die größte Möglichkeit, instinktiv darauf hinzuarbeiten. „Ich selbst schreibe mir seit 25 Jahren an jedem Silvester meine Ziele in einem Buch auf“, so Zitelmann. „Meine Erfahrung: die Sache funktioniert. […] Natürlich erreiche ich nicht stets alle Ziele – das wäre sogar ein Zeichen dafür, dass ich die Ziele nicht hoch genug gesetzt hätte.“

Bringen Sie Struktur in Ihre Ziele

Träume lassen sich nur verwirklichen, wenn sie in möglichst konkrete Ziele übersetzt werden. Je präziser ein Ziel definiert wird, desto klarer offenbart sich der Weg dorthin. Den meisten Zielsetzungen fehlt jedoch die Struktur und sie bleiben zu vage. Probieren Sie es aus: Notieren Sie sich die fünf wichtigsten Ziele, die Ihnen in den Sinn kommen. Nun stellen Sie sich bei jedem Ziel die Frage nach dem Warum und leiten daraus ein übergeordnetes Ziel, eine Vision, ab. Möchten Sie abnehmen, um gesünder und attraktiver zu sein? Möchten sie beruflich vorankommen, um mehr Geld zu verdienen und sorgenfrei leben zu können? Danach formulieren Sie je drei konkrete Einzelschritte als Unterziele, die Ihnen helfen, ihr mittel- und langfristiges Ziel zu erreichen. So lassen sich Visionen in kleine Etappen einteilen, die Sie leichter bewältigen können, weil Ihnen klar ist, welchen Schritt Sie als nächstes gehen müssen. Die erreichten Etappenziele motivieren Sie dabei, am Ball zu bleiben.

Die besten Durchhaltetipps

Die größte Gefahr für den Erfolg der neuen Vorhaben lauert freilich in alten Gewohnheiten. Über viele Jahre erprobte Verhaltensmuster kleben an uns wie der Kaugummi unter der Schuhsohle. Hier kann es helfen, sich selbst das gewünschte Verhalten zu erleichtern und das unerwünschte zu erschweren. Ersetzen Sie die Schokoriegel in der Schublade durch einen Obstkorb auf dem Schreibtisch. So greifen Sie bei Hunger eher zu einem Apfel als zur Kalorienbombe. Verbannen Sie das Smartphone während der Arbeitszeit aus Sichtfeld und direkter Reichweite oder löschen Sie rigoros alle Apps, die Sie immer wieder zu Arbeitsunterbrechungen verleiten. Auch sozialer Druck kann für mehr Beständigkeit bei neuen Vorhaben sorgen. Kommunizieren Sie Ihre Ziele gegenüber den Kollegen und  legen Sie persönliche Sanktionen fest, sollten Sie auf halber Strecke aufgeben.

Klotzen, nicht kleckern: Nur große Ziele haben genügend Motivationskraft

Keineswegs sollten Sie aber Ihre Ziele zu klein Stecken, aus Angst zu scheitern und dann frustriert zu sein. Für viele Menschen sind kurioser Weise nur kleine Ziele realistisch und große dagegen unrealistisch. Dabei sind es die großen, anspruchsvollen Ziele, die echte Motivationskraft entfalten. Schüchternheit ist hier ebenso fehl am Platz, wie die Angst vor Fehlern. „Wenn dir alles gelingt, was du versuchst, dann versuchst du nicht genug“, so Intel-Mitbegründer Gordon Moore. Auch Zitelmann empfiehlt: Setzen Sie sich hohe Ziele und haben Sie keine Angst, wenn Sie ein Ziel nicht ganz erreichen, denn schon auf dem Weg dorthin werden Sie ungeheuer viel erhalten.

Quellen:
https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/neues-jahr-neues-glueck-mit-diesen-vier-tricks-erreichen-sie-2020-ihre-ziele/25374902.html
https://de.statista.com/infografik/20341/umfrage-beliebteste-vorsaetze-fuer-2020/
https://www.focus.de/finanzen/karriere/gastbeitrag-von-rainer-zitelmann-setzen-sie-sich-dieses-silvester-groessere-ziele-fuer-2020_id_11497713.html

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