Der Fall Amazon brachte eine ganze Branche in Misskredit. Arbeitnehmer sind verunsichert und Zeitarbeitsunternehmen verärgert. Im JobScout24-Interview erklärt Isabel Arent, welche Vorteile dieses flexible Arbeitsmodell bringt und wie Arbeitnehmer ein seriöses Unternehmen erkennen.

Hungerlöhne, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und illegale Machenschaften – mit diesen Negativschlagzeilen in Zusammenhang mit Zeitarbeitern brachte der Internetriese Amazon erst kürzlich eine ganze Branche in Misskredit. Zu Unrecht, denn Zeitarbeit ist ein elementarer Bestandteil des deutschen Arbeitsmarktes. Laut dem Interessenverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ) arbeiten 872.000 Menschen in Deutschland in der Zeitarbeit (Stand 31. Dezember 2011). Wir sprachen mit Isabel Arent, Pressereferentin der Orizon GmbH, über das Thema „faire Zeitarbeit“.

Frau Arent, wie sehr schaden Einzelfälle wie der Fall Amazon der gesamten Branche?

„Leider immer noch sehr. In der Regel wird von einem Einzelfall auf die gesamte Branche geschlossen ohne zu differenzieren. Sofort stehen alle Unternehmen, die Zeitarbeit nutzen sowie alle Personaldienstleister unter dem Generalverdacht, die Mitarbeiter auszubeuten. Dabei bietet der überwiegende Teil der Personaldienstleister ausschließlich Jobs zu wirklich fairen und attraktiven Bedingungen an.“

Die Orizon GmbH verspricht „Faire Zeitarbeit“ – wie setzen Sie dieses Versprechen um?

„Mit attraktiven Services für unsere Kunden und aussichtsreichen Jobperspektiven für unsere Mitarbeiter. Die Zahlen bestätigen unser Konzept: Über 20 Prozent der ca. 10.000 Angestellten sind länger als zwei Jahre bei uns. Das ist eine echte Ausnahme in der Zeitarbeitsbranche. Unsere Niederlassungsteams stehen allen Angestellten als Berater persönlich zur Seite. Das schließt sowohl eine individuelle Karrierebetreuung ein als auch Rat und Tat bei anderen alltäglichen Dingen. Darüber hinaus verpflichten wir uns gegenüber jedem Arbeitnehmer zu umfassenden Zusatzleistungen wie einem Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge, einem kostenlosen Girokonto oder einer umfassenden, deutschlandweiten Gesundheitsfürsorge. Zeitarbeit ist ein ‚people‘s business‘. Das heißt, dass wir als Arbeitgeber Verantwortung für unsere Angestellten tragen.“

Für wen ist Zeitarbeit besonders interessant?

„Zeitarbeit ist vor allem für Langzeitarbeitslose und Menschen mit ungenügender Ausbildung zum Sprungbrett in den Arbeitsmarkt geworden. Über Zeitarbeit kommen diese Bewerber mit einem geregelten Job in Kontakt, bauen ihre fachlichen Fähigkeiten aus, lernen Neues und empfehlen sich damit für ihren nächsten Einsatz. Interessant ist Zeitarbeit aber auch für Berufseinsteiger: Sie können in der sicheren Festanstellung beim Personalunternehmen verschiedene Aufgaben in unterschiedlichen Firmen übernehmen, lernen so die Arbeitsbereiche kennen und können sich einen praktischen Eindruck des Berufsbildes machen. Häufig werden diese Mitarbeiter nach einer Weile direkt vom Kunden übernommen. Aber auch für gut qualifizierte Fachkräfte bietet die Flexibilität in der Zeitarbeit eine interessante Alternative zur regulären Festanstellung. Und nicht zuletzt bietet Zeitarbeit attraktive Perspektiven für Eltern, insbesondere Mütter, die nach einer Familienpause den Weg zurück in den Job suchen, aber nicht Vollzeit arbeiten können oder wollen. Hier gibt es interessante Modelle.“

Wie sieht es mit dem häufig kritisierten Lohnniveau aus?

„Das viel diskutierte Lohngefälle zwischen Zeitarbeitnehmern und Mitarbeitern der jeweiligen Stammbelegschaft ist deutlich zurückgegangen. Zum einen wurden im gut und hoch qualifizierten Bereich schon lange deutlich übertarifliche Löhne gezahlt, zum anderen ist durch die seit November 2012 geltenden Branchenzuschläge eine tarifliche Basis für die stufenweise Angleichung der Gehälter gefunden worden. Als Zeitarbeitnehmer auf die Dauer mit niedrigerem Lohn zurechtkommen zu müssen, gehört bereits jetzt der Vergangenheit an.“

Woran erkennt der Bewerber ein seriöses Zeitarbeitsunternehmen?

„Jedes der ca. 17.000 Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland muss über eine Lizenz der Agentur für Arbeit zur Überlassung und Vermittlung von Personal verfügen. Diese muss auf Wunsch jedem Bewerber vorgelegt werden. Das sichert ein Mindestmaß an Seriosität, ist aber noch keine Garantie für „faire Zeitarbeit“.
Das Unternehmen sollte in einem der beiden großen Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit organisiert sein: dem Interessensverband deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) oder dem Bundesverband der Personaldienstleister (BAP). Damit ist eine Bezahlung gemäß DGB-Zeitarbeitstarifvertrag gewährleistet. Außerdem definieren die Verbände Verhaltenskodizes, zu denen sich die Mitgliedsunternehmen verpflichten. Hellhörig werden sollten Bewerber wenn Personaldienstleister über längere Zeiträume immer wieder 20, 50 und mehr Jobs in einer Anzeige ausschreiben. Dann sollte genauer nachgefragt werden: Laufen die Mitarbeiter ständig wieder weg? Außerdem kann es hilfreich sein, die Berichterstattung über lokale Arbeitsgerichtsurteile zu verfolgen: Welches Zeitarbeitsunternehmen wird häufig vor den Richter zitiert? Auch das Internet bietet Möglichkeiten, sich zu informieren: Auf Arbeitgeberbewertungsportalen wie Kununu können Mitarbeiter, Auszubildende und Bewerber den Unternehmen Plus- oder Minuspunkte geben und ihre persönliche Beurteilung veröffentlichen.“

Wie bewirbt man sich und worauf sollte in der Bewerbung Wert gelegt werden?

„Jedes Zeitarbeits- oder Personalunternehmen schreibt auf der eigenen Homepage die offenen Stellen aus. In der Regel besteht hier die Möglichkeit, sich direkt über das Portal zu bewerben. Parallel wird auch die jeweils betreuende Niederlassung genannt, an die man sich direkt wenden kann, um die Bewerbung anschließend an einen persönlichen Ansprechpartner zu schicken. Die meisten Personalunternehmen nehmen auch Initiativbewerbungen gerne an. Wichtig dabei ist, dass man die infrage kommenden Positionen, für die man qualifiziert ist, direkt im Anschreiben benennt. Wie bei jeder anderen Bewerbung auch, sollte man auf einen gut strukturierten Lebenslauf achten, der allen Formalien entspricht: Persönliche Daten, aktuelle Kontaktdaten, Stationen der Schul- und Ausbildung sowie des bisherigen Berufswegs. Hilfreich ist auch, wenn Bewerber angeben, ob und in welchem Umfang sie Pendelstrecken zum Arbeitsplatz in Kauf nehmen können.“


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