Negativer Stress im Job ist oft hausgemacht. Und nicht nur das. Oft haben wir eine gute Absicht, doch gehen die Sache falsch ein. Zum Beispiel bei To-do Listen. Wir planen die kommende Woche. Termine, Reisen, Erledigungen, Anrufe, Abgabetermine, Nachfassen etc. Vergleicht man die laut Kalender zur Verfügung stehende Zeit mit der Liste wird schnell klar: Was wir uns vornehmen, ist nicht zu schaffen!

Die 7 Fallen der To-Do-Listen

1. Wir können nie schaffen, was wir uns vornehmen

Unsere Ansprüche und Erwartungen an uns wachsen ins Uferlose, ohne dass wir es bemerken.

2. Wir wollen fertig werden – werden es aber nie

Dieses Denken stammt aus der analogen Welt. Heute gibt es keinen anhaltenden „alles erledigt“-Zustand mehr.

3. Das Gehirn erinnert sich bevorzugt an Unerledigtes

Es kann regelrechten wehtun, wenn am Ende des Tages vor allem das präsent ist, was offen oder unerledigt blieb. Das ist der sogenannte Zeigarnik-Effekt.

4. Wir denken in Zahlen statt in Sinnhaftigkeit

Sinn stellt die Verbindung zu einem größeren Ganzen her und hält uns gesund. Sinnfragen setzen Zeit und Muße zum Nachdenken voraus. Das Denken und Fühlen wird auf andere Zusammenhänge als rein statistische ausgerichtet.

5. Kurzfristiger Erfolg verführt zu falschen Zielen

Auf der Ebene der Immunzellen wirkt das kurzfristige Glück des Streichens einer Aufgabe nicht Stress abbauend. Nur das Glück, was mit einem Sinn im Tun verbunden ist.

6. Wir generieren negativen Stress

Ohne Stress wäre vieles in unserem Leben nicht zu leisten. Stress als solcher macht auch nicht krank. Gefährlich ist anhaltender Stress. Wie bei nicht enden wollenden To-do-Listen.

7. To-do Listen kosten Zeit

Die Idee, in unsere Zeit immer mehr hineinzupacken, führt zu dem Gefühl, immer weniger Zeit zu haben. Um in der „gefühlt“ knapper gewordenen Zeit mehr zu schaffen, schreiben wir To-do-Listen. Ein Teufelskreis.

Macht ein Leben ohne To-do Liste glücklicher: Das Experiment

Ich wollte negativen Stress mit To-do Listen gegen Glück tauschen und beschloss, eine Woche ohne Liste zu arbeiten und leben. Je näher die Woche kam, desto unruhiger – ja sogar ängstlich – wurde ich. Angst, etwas Wichtiges zu übersehen, einen Fehler zu machen.

Am Montagmorgen ging ich unerwartet schwungvoll und bester Laune ins Büro. Konnte ich plötzlich nach Tagesform entscheiden, womit ich beginne. Zuerst tat ich – gar nichts. Sondern schaute aus dem Fenster und freute mich des Lebens. Bis sich gleich darauf meine mentalen Kontrollinstanzen meldeten und sagten: Willst Du Deine Zeit vertrödeln anstatt Wertvolles zu leisten?

Ich vertiefte mich in die erste Aufgabe. Ich war produktiv und hatte Spaß. Genauso erging es mir mit der nächsten. Die Gespräche mit meiner Assistentin verliefen ebenfalls anders. Normalerweise habe ich auch dafür eine Liste mit Prioritäten. Heute musste ich mich erinnern, was mir wichtig ist. Und siehe da – es gelang. Die Themen prägten sich sogar stärker ein, weil ich konzentrierter war.

Eine weitere Sorge tauchte auf: Nicht schnell genug zu arbeiten, nicht genügend zu schaffen. War da doch keine Liste, die mich durch ihre Länge antreiben würde.

Am Ende der Woche stand fest, dass ich umfangreiche Themen bewältigt hatte. Es war nicht mehr allein wichtig, wie viele, sondern – auf welche Weise. Mir wurde klar, dass die Tendenz, Dinge so schnell wie möglich „abzuarbeiten“, uns vom Wunsch, Dinge erledigen zu wollen, entfernt und ebenso vom Finden der besten Lösungen.

Es zeigte sich außerdem, dass das Loslassen von Kontrolle und Sorge dazu führte, dass ich erkannte, wie viele zuverlässige Partner ich um mich habe. Jeder von ihnen lieferte, was vereinbart war. Und war es einmal nicht der Fall, gab es eine andere Lösung.

Begegnen Sie negativem Stress mit To-doListen durch mehr Selbstbestimmung

Es geht niemals um ein entweder – oder. Sondern eher um sowohl als auch. Ab sofort werde ich deshalb in jedem Monat eine Woche ohne To-do-Liste leben und arbeiten. Die freie Entscheidung, Aufgaben zu wählen, erhöht den Spaßfaktor und dieser die Produktivität. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, nämlich öfter auf der Schokoladenseite der Arbeit zu leben.

Ich habe eindringlich erlebt, wie es ist, vom Höher-schneller-weiter“ unserer Zeit angetrieben zu werden, bis manchmal das „Wofür“ oder „Wie“ der Arbeit wegzurutschen drohen. Selbstbestimmt zu arbeiten, eine Wahl zu haben, bringt Wohlbefinden. Die Peitsche wegzuwerfen, mit der ich mich selbst antreibe, um mit dem Erreichten am Ende doch nie zufrieden zu sein, tut gut.

Natürlich ist auch mir das großartige Gefühl, Erledigtes von der To-do-Liste zu streichen, nicht fremd. Die Zufriedenheit wird jedoch oft geschmälert, weil immer wieder Neues hinzukommt.

Laufen nun Menschen, die über wenig Selbstdisziplin verfügen, Gefahr, gar nichts zu beginnen, alles aufzuschieben, wenn sie Prioritäten nicht schriftlich fixieren? Vielleicht. Andererseits schützt auch eine To-do-Liste nicht vor „Verschieberitis“. Nur fühlt man sich damit noch schlechter.

Sie sorgen sich, wie Sie alle Aufgaben, egal ob mit oder ohne to do Liste, bewältigen sollen? Dann testen Sie 10 Tage wie es gelingt, einen positiveren Blick auf die Welt zu entwickeln.

 


Diplom-Psychologin Dr. Ilona Bürgel zählt zu den führenden Vertretern der Positiven Psychologie im deutschsprachigen Raum. Die gefragte Referentin und Buchautorin zeigt Ihnen ganz praktische Wege, wie es auf Dauer möglich ist, Leistung und Wohlbefinden miteinander zu verbinden. Nach 15 Jahren in Führungspositionen der freien Wirtschaft ist sie heute erfolgreiche Referentin, Beraterin, Autorin und Kolumnistin. Sie wurde vom Ministerium für Wirtschaft und Energie als Vorbildunternehmerin ausgezeichnet. Dr. Ilona Bürgel liebt Schokolade und Musik. Dr. Ilona Bürgel meint, was sie sagt, und lebt es authentisch vor. Die bekennende Schokoladenliebhaberin verbreitet selbst stets zuerst eines: Wohlbefinden. .

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