Wann Sie im Vorstellungsgespräch lügen dürfen

Bei Bewerbungen sollte man grundsätzlich bei der Wahrheit bleiben. Das heißt aber nicht, dass Sie im Vorstellungsgespräch auf jede Frage antworten müssen. Erfahren Sie hier, wann Sie tatsächlich zu einer Lüge greifen dürfen. Neben den gängigen Fragen werden im Vorstellungsgespräch häufig auch solche gestellt, die den Bewerber gründlich beleuchten sollen, etwa um Lücken im Lebenslauf aufzudecken. Wenn Sie sich dann zu einer Lüge hinreißen lassen, holt Sie früher oder später die Wahrheit ein, weil der Arbeitgeber misstrauisch wird oder Sie sich selbst verhaspeln.

Das Privatleben gehört nicht ins Vorstellungsgespräch

Allerdings gibt es auch eine Reihe an Fragen, auf die Sie sich nicht einlassen müssen. Grundsätzlich unzulässig sind im Vorstellungsgespräch alle Fragen, die den Privatbereich des Bewerbers betreffen und nichts mit der eigentlichen Aufgabe zu tun haben. Hier greifen der Schutz des Persönlichkeitsrechts und das Recht auf Gleichbehandlung. Laut des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) darf niemand aufgrund der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, Religion, Weltanschauung, der sexuellen Identität, einer Behinderung oder des Alters benachteiligt werden. Offiziell können Sie also bei Fragen zu den folgenden Themen frei heraus lügen oder gar nicht antworten:

  • Private Pläne (z.B. Heirat oder Familienplanung)
  • Bestehende Schwangerschaft
  • Gesundheit, Krankheit, Behinderung
  • Beruf des Lebenspartners, der Eltern, Geschwister etc.
  • Gewerkschafts-, Partei- oder Religionszugehörigkeit
  • Austritts- oder Kündigungsgrund im früheren Unternehmen
  • Öffentliche Ämter und Ehrenämter
  • Mitgliedschaft in Vereinen, Organisationen und Verbänden
  • Private Vermögensverhältnisse
  • Vorstrafen
  • Frühere Arbeitsvergütungen (da diese dazu dienen könnten, Lohnansprüche des Bewerbers zu senken)

Ausnahmen bestehen jedoch, wenn diese Themen unmittelbar mit der zu besetzenden Stelle zusammenhängen. Ein paar Beispiele:

  • Wenn Sie sich bei einer Bank bewerben, ist die Frage nach Vorstrafen oder die Bitte um Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses erlaubt.
  • Eine Schwangere muss Auskunft über ihren Umstand geben, wenn bei dem Job ein mutterschutzrechtliches Beschäftigungsverbot besteht (z.B. bei schwerer körperlicher Arbeit, Infektionsgefahr, Tätigkeiten mit erhöhter Unfallgefahr oder Kontakt mit gesundheitsgefährdenden Stoffen).
  • Leiden Sie unter einer Krankheit, die die Ausübung der beruflichen Tätigkeit beeinträchtigt oder Personen im Arbeitsumfeld gefährdet, müssen Sie Ihren Zustand dem Arbeitgeber gegenüber offenlegen.
  • Wenn Sie bei einer kirchlichen Organisation arbeiten möchten, müssen Sie mit der Frage nach der Religionszugehörigkeit rechnen und diese dann auch wahrheitsgemäß beantworten.
  • Die Frage nach einer Schwerbehinderung ist nur dann zulässig, wenn der Arbeitgeber aufgrund der stellenbezogenen Anforderungen ein besonderes Informationsbedürfnis hat. Hier sind auch gesetzliche Vorschriften zu beachten.

Unzulässige Fragen kommen häufig aus Interesse

Wird dann also kein Personaler mehr die Klassikerfrage „Sind Sie schwanger?“ stellen? Nein, unerlaubte Fragen werden Ihnen immer wieder gestellt werden. Unzulässige Fragen werden oft nicht aus Unwissenheit oder mangelnder Sensibilität gestellt, sondern zeugen von Interesse an Ihrer Person, wie Carolin Lüdemann und Heiko Lüdemann in ihrem Ratgeber „Die 111 wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch“ erklären. Interesse an Ihrer Person hat nur, wer sich vorstellen kann Sie einzustellen, also möchte man Sie näher kennenlernen. Eine unzulässige Frage ist daher häufig nicht ein Zeichen von mangelnder Wertschätzung.

Und wenn so eine Frage gestellt wird?

Falls Ihnen eine solche Frage gestellt wird, sollten Sie sich vorher genau überlegen, wie Sie damit umgehen würden. Besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zur Stelle, haben Sie als Bewerber offiziell das Recht zu lügen oder die Antwort zu verweigern. Ist das aber die schlaueste Taktik? Experten empfehlen, souverän und freundlich mit unerlaubten Fragen umzugehen. Also nicht die Antwort verweigern, sondern dem Wunsch nachkommen, Sie etwas besser kennenzulernen. Antwortet also eine angehende Erzieherin auf die Frage nach der Familienplanung, dass sie selbst auf keinen Fall Kinder will, wirft das direkt Zweifel auf. Zwar haben Sie bei dieser Frage das Recht zu lügen, tun sich damit aber vielleicht trotzdem keinen Gefallen. Besser ist dann eine ausweichende Antwort, wie etwa: „Nach Studium und Ausbildung möchte ich erst einmal beruflich Fuß fassen. Auf lange Sicht schließen mein Mann und ich eine Familiengründung aber nicht aus.“


Quelle: „Die 111 wichtigsten Fragen im Vorstellungsgespräch“, Carolin Lüdemann, Heiko Lüdemann, Redline Verlag, ISBN 978-3-86881-012-7 Bildquelle: © Stephen Coburn – Fotolia.com

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