11.12.2013 -

Noch immer wird die Frage nach den Schwächen viel gefürchtet. Doch fragen Arbeitgeber im persönlichen Erstkontakt überhaupt noch nach „drei Stärken und drei Schwächen“? Die Bewerbungsexperten Christian Püttjer und Uwe Schnierda gehen der Frage hier nach.

Ab einer gewissen Lebenserfahrung sollte jedem und jeder klar sein, dass der Faktor Mensch weder im Arbeits- noch im Privatleben ausgeblendet werden kann. Im Gegenteil, wer besser einschätzen kann, wie Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden auf Ideen, Wünsche oder gar Kritik reagieren, wird seine beruflichen Vorstellungen besser durchsetzen können.

Und diese wichtige Einschätzung von Vorlieben und Abneigungen gilt nicht nur für den Umgang mit anderen, sondern ebenso für einen besseren Umgang mit sich selbst. Daher ist eine ungefähre Beantwortung der Frage „Wo liegen meine Stärken und wo meine Schwächen?“ durchaus sinnvoll.

Unbeliebt: Das „Ritual Vorstellungsgespräch“

In Vorstellungsgesprächen ist allerdings kein Platz für eine echte und reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Hier geht es häufig eher darum, ein von Bewerberinnen und Bewerbern ungeliebtes Ritual hinter sich zu bringen.

Die Frage nach persönlichen Stärken lässt sich dabei meist noch gut beantworten. Beispielsweise bieten sich für Tätigkeiten im Vertrieb, Marketing und Service Eigenschaften wie „Kommunikationsstärke“, „Überzeugungsfähigkeit“ oder „Lösungsorientierung“ an. Gestalten Sie den hier wichtigen zweiten Schritt dann so, wie wir es in unserer Coachingpraxis empfehlen: Belegen Sie Ihre persönlichen Stärken immer mit passenden Beispielen aus Ihrer Berufspraxis, dann sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Und meine Schwächen?

Ganz so leicht wie bei den Stärken ist es bei den Schwächen nicht. Da Personalverantwortliche und die an der Einstellungsentscheidung beteiligten Führungskräfte hier aus den oft sehr sorgfältig vorbereiteten und diplomatisch formulierten Antworten wenig Erkenntnisgewinn ziehen können, wird neuerdings häufig indirekt gefragt.

Die Frage lautet also nicht mehr: „Können Sie mir drei Ihrer Schwächen nennen?“, sondern stattdessen „Was würde Ihr letzter Vorgesetzter an Ihnen kritisieren?“ oder „Wenn wir Ihre Kollegen fragen würden: Was mögen diese an Ihnen – und was stört sie?“

Hilfreich: Von „früher“, „gelegentlich“ oder „manchmal“ berichten

Bei der Beantwortung der indirekten Fragen nach Schwächen hilft der Rückgriff auf Wörter wie „früher“, „gelegentlich“ und „manchmal“. Auf diese einschränkende Weise können Sie glaubwürdig darstellen, dass Sie im stressigen Berufsalltag auch einmal „Nerven zeigen“, aber dennoch immer zurück zu einer lösungsorientierten Grundhaltung finden.

Sie könnten dann beispielsweise so antworten: „Mein Chef würde vielleicht anmerken, dass ich mich früher in Meetings zu stark zurückgehalten habe und zu abwartend war. Ich hatte damals aber noch nicht so viel Erfahrung wie heute und habe mich auf die Meinung der anderen komplett verlassen. Heute bin ich nicht mehr so abwartend. Wenn absehbar ist, dass Veränderungen in den Arbeitsabläufen notwendig sind, äußere ich meine Vorstellungen in Meetings deutlich und liefere auch gute Argumente dafür. Letztendlich profitieren dann ja auch alle davon.“


Über die Autoren:
Christian Püttjer und Uwe Schnierda sind seit 1993 als Bewerbungsberater und Karrierecoaches tätig. Ihre Erfahrungen aus Einzelcoachings und Seminaren rund um die Themen Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch, Arbeitszeugnis und Assessment-Center haben sie in mehr als 70 Praxisratgeber eingebracht und damit schon über einer Million Leserinnen und Lesern weitergeholfen. Püttjer & Schnierda bloggen auf Karriereakademie.

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