Überqualifiziert? So zerstreuen Sie die Bedenken des Arbeitgebers

Je qualifizierter, umso besser für den Bewerber, möchte man meinen. Doch zu viel des Guten kann auch ein Nachteil sein. Ist der Kandidat überqualifiziert, wird es schwer die Bedenken und Vorurteile des Arbeitgebers aus dem Weg zu räumen. Wie es trotzdem gelingt, erklären wir Ihnen hier.

Sie glauben vielleicht, je mehr Berufserfahrung Sie vorweisen können, umso leichter finden Sie einen neuen Job. Doch zu viel des Guten kann schnell zu Ihrem Nachteil werden. Nämlich dann, wenn der Arbeitgeber Sie für überqualifiziert hält. Dann befürchtet er womöglich, dass Sie ein zu hohes Gehalt verlangen, in kürzester Zeit eine Beförderung anstreben oder aber sich schnell langweilen und sich nach einem neuen Job umsehen. Wie können Sie den Arbeitgeber davon überzeugen, dass es Ihnen wirklich ernst ist, selbst wenn Sie fachlich qualifizierter sind, als es der Job verlangt? Hier sind einige Tipps.

Prüfen Sie sich selbst

Bevor Sie sich für eine Bewerbung entscheiden, prüfen Sie ehrlich Ihre Absichten und Beweggründe. Sie müssen sich sicher sein, dass dieser Job das ist, was Sie wirklich wollen. Christopher K. Lee, Gründer und Karriereberater bei Purpose Redeemed, empfiehlt, sich selbst die folgenden Fragen zu stellen: „Kann ich Aufgaben erfüllen und in der Position einen besonderen Beitrag leisten? Bin ich mit der Bezahlung zufrieden? Möglicherweise müssen Sie Ihre Gehaltsvorstellungen zurückschrauben. Wie lange werde ich in dieser Position zufrieden sein – vor allem, wenn es so schnell keine Chance zur Beförderung gibt.“ Können Sie diese Fragen für sich positiv beantworten, so stünde laut Lee einer Bewerbung nichts im Wege.

Erläutern Sie im Anschreiben Ihre Motivation

„Erläutern Sie in Ihrem Anschreiben, warum Sie genau in diesem Job arbeiten möchten, auch wenn Sie in Ihrer aktuellen Anstellung deutlich mehr Verantwortung tragen“, rät Kelly Donovan, Chefin bei Kelly Donovan & Associates und schlägt eine mögliche Formulierung vor. „Sie könnten sagen: Obwohl ich stolz auf meine Arbeit als Leiter einer Marketingabteilung bin, möchte ich mich noch einmal auf meinen Lieblingsaspekt in diesem Bereich konzentrieren – die Durchführung digitaler Marketingkampagnen.“

Halten Sie sich im Lebenslauf zurück

In Ihrem Lebenslauf möchten Sie in der Regel alle Highlights Ihres beruflichen Werdegangs hervorheben und sämtliche Qualifikationen und Fähigkeiten auflisten, die Sie erworben haben. Wenn Sie sich aber für eine Position bewerben, für die Sie überqualifiziert sind, sollten Sie sich besser nur auf die Punkte konzentrieren, die für die künftige Stelle auch relevant sind. „Natürlich muss der Lebenslauf die berufliche Entwicklung genau wiedergeben, darüber hinaus haben Sie aber viel Spielraum in Bezug auf die Punkte, die Sie besonders hervorheben möchten“, sagt Kelly Donovan. „Wenn es sich bei der von Ihnen angestrebten Position um eine unterstützende Mitarbeiterstelle handelt, macht es keinen Sinn, im Lebenslauf Ihre Führungsqualitäten hervorzuheben. Beschreiben Sie sich also nicht als Führungskraft, wenn Sie keine leitende Funktion übernehmen wollen.“

Seien Sie vorbereitet auf die Frage nach dem Warum

Auch im Bewerbungsgespräch müssen Sie zuerst mit der Frage rechnen, warum Sie diese Stelle möchten, obwohl Sie deutlich mehr Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringen. „Das ist die erste Frage, die der Arbeitgeber stellen wird und Arbeitnehmer sollten darauf mit einer starken und glaubwürdigen Antwort vorbereitet sein“, sagt Laura MacLeod, HR-Expertin und Beraterin. „Führen Sie sich die Bedenken des Arbeitgebers vor Augen: Sie könnten den Job nur so lange annehmen, bis Sie etwas Besseres gefunden haben. Sie könnten schwer zu führen sein, weil Sie sich den Teammitgliedern und vielleicht sogar den Vorgesetzten überlegen fühlen. Sie könnten eine negative und unmotivierte Arbeitseinstellung zeigen und damit einen schlechten Einfluss auf die Kollegen haben.“

MacLeod rät, die Bedenken des Arbeitgebers zu zerstreuen, indem Sie zunächst anerkennen, überqualifiziert zu sein. Dann sei es wichtig, Gründe aufzuzeigen, warum es für das Unternehmen trotzdem von Vorteil ist, Sie einzustellen. „Zum Beispiel könnten Sie Ihren Kollegen als Mentor zur Seite stehen“, so MacLeod. „Sie sind dank Ihrer Qualifikationen vielfältig einsetzbar und könnten problemlos für andere Mitarbeiter einspringen, die krank oder im Urlaub sind. Außerdem könnten Sie mit Ihrer Erfahrung das Team zu höheren Leistungen beflügeln.“

Zerstreuen Sie Gehaltsbedenken

Die Einbußen beim Gehalt stellen meist das größte Hindernis dar, wenn Sie einen Job anstreben, für den Sie überqualifiziert sind. Den Arbeitgeber zu überzeugen, dass Sie bereit sind, finanziell Abstriche zu machen, wird nicht leicht sein. „Wenn das Unternehmen aus den Bewerbungsunterlagen den Eindruck gewinnt, der Kandidat liegt außerhalb des Gehaltsbereiches, den das Unternehmen zu zahlen bereit ist, muss er bereits in der Bewerbung deutlich machen, dass eine geringere Bezahlung als bisher für ihn akzeptabel ist“, erklärt Erfolgscoach Jennifer Braganza. „Vielleicht möchten Sie aufgrund Ihrer aktuellen Lebenssituation (Nachwuchs, Betreuung von Angehörigen, Eintritt in den Ruhestand) Ihre bisherige Führungsposition zu Gunsten einer besseren Work-Life-Balance aufgeben und suchen deshalb eine Position, in der Sie sich aktiv einbringen können, aber weniger Verantwortung tragen. Machen Sie deutlich, dass Ihnen bewusst ist, in dieser Position auch weniger Geld zu verdienen.“

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