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Das Praktikum – Berufseinstieg unter Wert?

Hagelt es auf die ersten Bewerbungen Absagen und ist ein fester Job weit und breit nicht in Sicht, scheint ein Praktikum oft die naheliegende Alternative, um im Berufsleben Fuß zu fassen. Doch dafür ist es nach dem Studium eigentlich schon zu spät, meinen Experten. Auch das Aneinanderreihen mehrerer Praktika im Anschluss an die Uni wird von vielen Personalern mit Skepsis gesehen. Praktika sollen in erster Linie während der Studienzeit wertvolle Berufserfahrungen bringen. Als qualifizierte Fachkräfte verkaufen sich Absolventen mit einem Praktikum unter Wert. Allerdings lassen Bachelor-Studiengänge kaum Raum für studienbegleitende Praktika. Deshalb entscheiden sich immer mehr Studenten mit dem Bachelor in der Tasche für eine Auszeit, bevor sie mit dem Master-Studiengang beginnen. In diesen Monaten können sie durch das Absolvieren mehrerer Praktika herausfinden, welchen beruflichen Weg sie später einschlagen wollen. Wichtig zu wissen ist, dass Praktikanten keinen grundsätzlichen Anspruch auf Bezahlung haben. Umso größeren Wert sollte man auf die Inhalte des Praktikums legen. Unbezahltes Kaffeekochen und Kopieren bringen Berufseinsteiger nicht voran.

Traineeprogramm und Volontariat – gezielte Förderung

Ein besserer Einstieg ins Berufsleben gelingt mit einer Traineestelle oder einem Volontariat. Als Trainee wird man vom Unternehmen gezielt gefördert und als künftige Führungskraft oder Spezialist gesehen, je nachdem, ob man eine allgemeine oder eine fachspezifische Traineestelle ergattert hat. Ein allgemeines Traineeprogramm führt in der Regel durch alle Unternehmensbereiche. Der Trainee bekommt dadurch in kürzester Zeit einen umfassenden Überblick über das Unternehmen und kann leichter entscheiden, in welchem Bereich er künftig arbeiten möchte. Ergänzt wird das Ganze durch Schulungen und Seminare. Das Gehalt eines Trainees hängt vom Unternehmen ab, ist aber in der Regel vergleichbar mit dem eines Direkteinsteigers. Da Unternehmen sich ein Trainee-Programm einiges kosten lassen, werden die jungen Nachwuchskräfte meist übernommen. Ein Volontariat ist eine zusätzliche Qualifizierung, die hauptsächlich in medienschaffenden Berufen verlangt wird. Wer ein bis zwei Jahre als Volontär gearbeitet hat, kann danach bei einer Zeitung, Zeitschrift, im Rundfunk oder Fernsehen als Redakteur arbeiten. So gesehen haben Volontäre im journalistischen Bereich den Status von Auszubildenden. Auch wenn nicht zwingend gefordert, werden meist Volontäre mit abgeschlossenem Hochschulstudium bevorzugt.

Zeitarbeit – interessante Alternative

Das Wort „Zeitarbeit“ schreckt viele erst einmal ab, ist aber gerade für Hochschulabsolventen, die sich beruflich noch nicht festgelegt haben, eine effektive Methode, um Berufserfahrung zu sammeln und dabei verschiedenste Unternehmen kennenzulernen. Ein nicht unwesentlicher Vorteil: Der Wechsel zwischen den Firmen verläuft immer ohne Kündigung und Lohnausfälle. Auch finanziell ist Zeitarbeit für Akademiker durchaus interessant. Denn gebunden an tarifliche Vereinbarungen entlohnen Zeitarbeitsfirmen ihre Mitarbeiter gemäß ihrer Qualifikation. Durch den Fachkräftemangel haben Akademiker zudem eine gute Verhandlungsposition, denn schließlich ist auch der Zeitarbeitsfirma sehr daran gelegen, qualifizierte Fachkräfte zu vermitteln. Neben der finanziellen Sicherheit und der Möglichkeit, praktische Erfahrung in unterschiedlichen Unternehmen zu sammeln, ist die Übernahme durch ein Kundenunternehmen ein weiteres Argument für das Modell Zeitarbeit. Bei Höherqualifizierten erreicht die Quote bis zu 50 Prozent.

Gap Year – Mut zur Lücke

Statt nach dem Uni-Abschluss beruflich gleich durchzustarten kann man mit einem sogenannten Gap-Year einen kleinen Schlenker im Werdegang einlegen. Viele Absolventen nehmen sich dann bewusst Zeit, für Auslandspraktika, Sprachreisen, Freiwilligendienste oder Weiterbildungen. Auch Work & Travel Angebote, also Reise- und Arbeitsaufenthalte in anderen Ländern, liegen hoch im Kurs. Personalchefs können diesen kreativen Einschüben im Lebenslauf durchaus einiges abgewinnen, sofern der Bewerber seine Erfahrungen im Gap-Year plausibel als Gewinn für sich und das Unternehmen darstellen kann.


Bilderquelle: © Sergey Nivens – fotolia.com (Quellen: Focus online, spiegel online, master-and-more.de, trainee-gefluester.de)

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