Arbeitszeugniss

Arbeitszeugnisse sind fester Bestandteil bei der Personalauswahl in deutschen Unternehmen. Doch geben die darin enthaltenen Bewertungen realistisch Aufschluss über einen Bewerber? Eine aktuelle Studie geht der Frage auf den Grund und ruft zur Teilnahme auf. Vielleicht wurden Sie in Ihrem letzten Arbeitszeugnis negativ bewertet und wissen gar nichts davon. Laien sind nämlich aufgrund der spezifischen Zeugnissprache meist nicht in der Lage, negative Bewertungen zu erkennen. Häufig erfährt man davon erst durch kritische Nachfragen im Vorstellungsgespräch und gerät dann in Erklärungsnot. Doch inwieweit geben Arbeitszeugnisse Aufschluss über das bisherige Arbeitsverhalten, ganz gleich ob darin gelobt oder getadelt wird? Stellt das Arbeitszeugnis wirklich eine individuelle Bewertung dar und urteilt es realistisch über persönliche Stärken und Schwächen?

Studie gleicht Zeugnisse mit Selbsteinschätzungen ab

Um das herauszufinden, führt der Lehrstuhl für Wirtschaftspsychologie der Universität Erlangen-Nürnberg derzeit eine Untersuchung zur Aussagekraft von Arbeitszeugnissen durch. In der Studie werden die Aussagen in den Zeugnissen mit Selbsteinschätzungen des Zeugnisinhabers abgeglichen und – sofern möglich – auch Urteile ehemaliger Kollegen einbezogen. Zudem wird das Zeugnis vor dem Hintergrund vergleichbarer Zeugnisse interpretiert. Diese Form der Untersuchung von Arbeitszeugnissen ist einzigartig, da bisherige Studien lediglich deskriptive Auswertungen der Zeugnisinhalte vornehmen.

Langwierige Arbeitsgerichtsprozesse vermeiden

Mit ihrer Studie wollen die Autoren die in Zeugnisratgebern getroffenen Aussagen über Arbeitszeugnisse überprüfen und den Wert von Arbeitszeugnissen für Bewerber und Personaler beurteilen. Eine verbesserte Informationsbasis soll dazu beitragen, langwierige arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Zeugnisaussteller und Zeugnisinhaber zu vermeiden. „Aus unserer Sicht besteht gerade im Hinblick von Arbeitsgerichtsprozessen akuter Handlungsbedarf, da die Gerichte zum großen Teil ihre Urteile auf den Ergebnissen einer Studie aus dem Jahr 1994 begründen und sich seitdem Einiges in der Arbeitszeugnispraxis geändert hat“, sagt Cynthia Sende, Leiterin der Arbeitszeugnisstudie.

Arbeitszeugnisse einschicken und kostenlose Zeugnisanalyse erhalten

Arbeitnehmer und Bewerber können im Rahmen der Studie ihre Arbeitszeugnisse analysieren lassen und erhalten anschließend kostenloses Feedback zu ihren Beurteilungen. Unter folgenden Voraussetzungen können Sie an der Studie teilnehmen:

  • Sie verfügen über zwei, idealerweise drei Arbeitszeugnisse.
  • Das aktuellste dieser Arbeitszeugnisse ist nicht älter als 5 Jahre.
  • Die Arbeitszeugnisse, die Sie einreichen, sind über Tätigkeiten ausgestellt, die Sie jeweils mindestens 6 Monate lang ausgeübt haben.
  • Maximal eines der eingereichten Zeugnisse ist ein Praktikums-, Ausbildungs- oder Zwischenzeugnis.

Nachdem Sie Ihre Arbeitszeugnisse eingereicht haben, werden diese mit einem persönlichen Code versehen und anonymisiert (falls Sie das noch nicht getan haben). Nach ein bis drei Werktagen erhalten Sie einen Link zu einem Online-Fragebogen. Idealerweise leiten Sie einen weiteren Kurzfragebogen an zwei Kollegen weiter. Mit diesen Informationen wird dann die Arbeitszeugnisstudie durchgeführt.

Persönliches Feedback nach Abschluss der Studie

Die Studie wird voraussichtlich Ende Januar 2014 abgeschlossen und dann erhalten Sie einen Link zu Ihrer persönlichen Auswertung. Ihr Feedback stellt keine Rechtsberatung dar, informiert aber über enthaltene Bewertungskomponenten, „übersetzt“ die Zeugnissprache in Schulnoten und vergleicht Ihre Gesamtbewertung (Durchschnittsnote) mit einer passenden Bezugsgruppe. Bildquelle: © Marco2811 – Fotolia.com

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