Zeitarbeitsbranche

Das Thema Zeitarbeit hat eine Dauerpräsenz auf allen Kanälen und wird auch wild im Wahlkampf diskutiert. Dadurch wird die Wahrnehmung der Branche in der Bevölkerung stark verzerrt. Eine Studie hat jetzt ergeben: Die meisten Deutschen halten den Anteil der über Zeitarbeit Beschäftigten für viel zu groß. Um keinen anderen Wirtschaftszweig gibt es derzeit so viel Wirbel und so dramatische Schlagzeilen. Da verwundert es nicht, dass die starke Mehrheit (rund 93 Prozent) der Arbeitnehmer in Deutschland davon ausgeht, der Anteil der Zeitarbeitnehmer liege mindestens bei 10, wenn nicht sogar bei 35 Prozent. Das Personalunternehmen Orizon hat in der repräsentativen Studie „Arbeitsmarkt 2013 – Perspektive der Arbeitnehmer“ gefragt: „Was glauben Sie, wie hoch ist der Anteil der berufstätigen Menschen in Deutschland, die in der Zeitarbeit beschäftigt sind?“. Die Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung der Menschen nicht auf Tatsachen beruht:

  • Fast 30 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass der Anteil über 35 Prozent liegt.
  • Rund 37 Prozent gehen davon aus, dass mehr als 20 Prozent der knapp 42 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland in der Zeitarbeit beschäftigt sind.
  • Fast 26 Prozent meinen, 10 Prozent wären Zeitarbeitnehmer.
  • Nur rund sieben Prozent liegen mit ihrer Einschätzung richtig: 2 Prozent seien Zeitarbeitnehmer. Zum Stichtag 30. Juni 2013 waren es 2,2 Prozent.
Andere Bereiche hingegen schätzen die Deutschen besser ein. Fragt man: „Was glauben Sie, wie hoch ist der Anteil der berufstätigen Menschen in Deutschland, die selbständig sind?“, sind rund 50 Prozent der Arbeitnehmer sehr gut informiert: Die Selbständigkeit hierzulande liegt bei ca. 10 Prozent.

Mindestlohn: In vielen Branchen schon Realität

In insgesamt elf Branchen gibt es bereits einen tarifvertraglich fixierten Mindestlohn. Der niedrigste liegt bei 7,50 Euro pro Stunde für Wach- und Sicherheitsdienste, der höchste wird mit 11,53 Euro pro Stunde im Bergbau bezahlt. 22 Prozent der Arbeitnehmer schätzen die Mindestlöhne deutlich niedriger ein, als sie sind, jedoch liegen auch 50 Prozent quer durch die Branchen in etwa richtig. Bezogen auf die Zeitarbeit ist die Wahrnehmung wieder weit von der Realität entfernt: Fast 40 Prozent gehen von einem Mindestlohn von 5 Euro pro Stunde aus. Real beträgt er derzeit 8,19 Euro pro Stunde in West- und 7,50 Euro in Ostdeutschland. Zum Januar 2014 steigt der Mindestlohn in der Zeitarbeit auf 8,50 Euro pro Stunde und erfüllt damit exakt die politischen Forderungen. Von den Branchenzuschlägen, die im November 2012 eingeführt wurden, um die Gehälter der Zeitarbeitnehmer an die der Stammbelegschaften anzugleichen, haben 80,5 Prozent der Arbeitnehmer noch nichts gehört.

Ehrliche Kommunikation gefordert

„Es kann nicht sein, dass Zeitarbeit die Feuerwehr für die Wirtschaft ist und dabei die Interessen der Mitarbeiter übersieht“, sagt Dr. Dieter Traub, CEO von Orizon. „Es kann aber auch nicht sein, dass Zeitarbeit als Monster dargestellt wird.“ Es sei an den Personaldienstleistern, interessante Berufsperspektiven zu attraktiven Konditionen anzubieten. Gleichzeitig sei es aber an Politik, Gewerkschaften und Lobbyisten, fair und vor allem ehrlich zu kommunizieren. Bildquelle: Guedo  / pixelio.de]]>

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