Studie: Findet der Wirtschaftsaufschwung nicht statt?

Nicht viel Begeisterung bei Arbeitnehmern

Doch kommt diese Begeisterung auch bei den deutschen Arbeitssuchenden an? Laut der Studie „Arbeitsmarkt 2011 – Perspektive der Arbeitnehmer“ im Auftrag des Personaldienstleistungsunternehmens orizon GmbH ist die Stimmung bei den Leuten durchaus gedämpfter. Insgesamt empfindet fast die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) ihre Chancen als schlecht, jetzt einen neuen Job zu finden. Laut der Studie sehen die Befragten folgende Gründe für die vermeintlich schlechten Jobaussichten:

  • Gut ein Viertel der Befragten (25,4 Prozent) macht dafür die schlechte Arbeitsmarktlage verantwortlich.
  • Über die Hälfte der Befragten (54,1 Prozent) sehen in persönlichen Eigenschaften den Grund für die individuell als schlecht empfundenen Perspektiven. Dazu zählen ein zu hohes Alter, mangelnde Flexibilität, eingeschränkte Mobilität, aber auch Faktoren wie „allein erziehend“ oder „körperliche Einschränkungen“.
  • Lediglich 16,6 Prozent betrachten mangelnde berufliche Qualifikation als Hindernis, eine neue Anstellung zu finden.

Auf die Frage, zu welchen Zugeständnissen sie bereit wären, sagten 88 Prozent, sie würden einen Job annehmen, der unter ihrer beruflichen Qualifikation liegt. Das ist angesichts der wachsenden Herausforderungen im Arbeitsmarkt erstaunlich: Deutsche Unternehmen sind intensiv auf der Suche nach hochqualifizierten Fachkräften, und auch die arbeitsmarkpolitische Diskussion dreht sich in erster Linie um dieses Thema.

Strategische Aus- und Weiterbildung ist notwendig

„Aktuelle Untersuchungen prognostizieren, dass wir im Jahr 2020 einen Fachkräftemangel von bis zu zwei Millionen haben werden“, sagt Dr. Marcus Opitz, Geschäftsführer der orizon GmbH. „Und bereits heute ist klar, dass die berufsspezifische Spezialisierung noch weiter zunehmen wird. Das heißt mit anderen Worten, es gibt schon heute kaum noch Jobs, die mit einer minimalen Schul- und Berufsbildung zu meistern sind. Die heutige Herausforderung, vor der unsere Gesellschaft steht, ist die strategische Aus- und Weiterbildung der offiziell 3,4 Millionen Arbeitslosen sowie der einen Million statistisch bewusst nicht erfasster Arbeitswilliger ohne reguläre Beschäftigung“, führt Opitz aus. Bild oben: © goodluz – Fotolia.com 

2 Kommentare

  1. Interessanter Artikel, der sofort die nächsten Fragen aufwirft: in welcher Statistik tauchen die Hartz IV Empfänger auf? Welche von diesen sind aus ALG I durchgereicht? Wie viele von Hartz IV Empfänger erhalten Hartz IV Ergänzung (insbesondere in den Neuen Bundesländern)?
    Zahlen z.B. hier: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1396/umfrage/leistungsempfaenger-von-arbeitslosengeld-ii-jahresdurchschnittswerte/
    Wenn Spezialisierung das Gebot der Stunde zu sein scheint, wie wird auf die sich ständig verändernde Weltwirtschaftssituation eingegangen, wenn die eine Spezialisierung morgen schon nicht mehr relevant ist?
    Werden Generalisten, die den Überblick für sich gewahrt haben als Bedrohung in den Unternehmen wahrgenommen, da sie ähnlich wie Plato, Seneca (insbesondere seine Rolle in der Oper „L’incoronazione di Poppea“ an der #Semperoper Dresden) die unbequeme Wahrheit aussprechen?
    Wo sind diejenigen im Land, die dies ähnlich sehen? Wann stehen diese auf wie die Bürger der früheren DDR, die 1989 auch auf die Straße gingen?
    In diesem Sinne aufmerksam das Geschehen verfolgend und berichtend, was zu sehen ist (wenn man genauer hinschaut)

  2. Aber auch unter den Arbeitslosen tut sich was: ein österreichischer Student hat anscheinend ein Social Network für Jobsuchende ins Netz gestellt: jobioo.com (interessanterweise schon mit einem Diskussionsforum für die Arbeitsagentur ..?).
    Ulrich

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein