Mit dem richtigen Ton die Karriere in Schwung bringen

Stimme muss zum Berufsbild passen

Wir erinnern uns: Irgendwann zwischen erster Klasse und Schulabschluss tauchte sie garantiert auf – die Lehrerin mit der hysterisch schrillen Stimme, die keiner wirklich ernst nahm. Sie hatte es schwer. Nicht etwa, weil wir uns in ihrem Unterricht noch indiskutabler benahmen als sonst. Nein, ihre Stimme war schuld. Denn Untersuchungen belegen: Eine hohe und schrille Stimme zeugt von übermäßiger Hysterie und Inkompetenz. Was hätte sie uns also beibringen können? Ähnlich schwer wird es auch ein Polizist haben, der mit einem sanft gehauchten „Stehenbleiben, Polizei“ für Ordnung sorgen will oder ein Rechtsanwalt, der mit wenig überzeugender Fistelstimme sein Plädoyer hält. Andererseits wird eine Call-Center-Mitarbeiterin mit burschikosem Befehlston beim Kunden kaum Sympathiepunkte für das Unternehmen sammeln. Wenn aber die Stimme zum Berufsbild passt und bewusst eingesetzt wird, kann sie so manchen Weg ebnen.

Stimme ist nicht Schicksal

Wenn Sie nun zu denjenigen gehören, denen die Stimme bislang den beruflichen Erfolg versagt, müssen Sie das nicht schicksalsgegeben hinnehmen. „Stimmeigenschaften sind erlernbar und veränderbar“, sagt Stimmforscher Hartwig Eckert gegenüber Focus Online. „Die Form einer Nase ist angeboren, der Klang einer Stimme nicht.“ Natürlich geben anatomische Gegebenheiten und die natürliche Sprechlage einen gewissen Rahmen vor. Innerhalb dessen aber kann die stimmliche Ausstrahlung trainiert und verbessert werden. Die richtige Haltung, Körpersprache und Artikulation sind dabei wesentliche Faktoren. Ein Stimmtrainer hilft dabei, die individuelle Stimmlage und den optimalen Klang zu finden. Der Begriff „Training“ passt gut, denn wenn wir sprechen, koordinieren wir für jeden Laut 60 verschiedene Muskeln unseres Körpers. Wer also stimmlich zu Höchstform auflaufen will, muss im wahrsten Sinne des Wortes trainieren. Die besten Tipps für ein erstes Do-it-yourself-Training haben wir Ihnen schon einmal zusammengestellt:

10 Tipps für gute Stimmung

  • ERWÄRMUNG: Vor jeder sportlichen Herausforderung muss der Körper erwärmt werden. Auch eine längere Rede ist in gewisser Hinsicht ein Wettkampf. Bringen Sie Ihren Körper also vorher in Schwung, in dem Sie eine Runde um den Block gehen oder im Büro eine Minute in den Knien federn. Danach den Körper locker ausschütteln.
  • ENTSPANNUNG: Sie sind nervös, gestresst – kurzum angespannt. Die Pobacken sind zusammengekniffen, die Schultern hochgezogen und die Halsmuskulatur angespannt. Das drückt auf die für die Stimme wichtigen Organe Kehlkopf und Luftröhre. Es schnürt Ihnen sprichwörtlich die Kehle zu. Wenn Sie vor Ihrem Publikum stehen, entspannen Sie bewusst Ihren Bauch und Ihren Po. Stellen Sie sich hüftbreit hin, lockern Sie Ihre Knie und verlagern Sie das Gewicht auf die Fußballen. Jetzt kann es losgehen.
  • ATMUNG: Die wichtigste Voraussetzung für eine voll klingende Stimme ist ein frei fließender Atem aus dem Bauch heraus. Wer nervös ist, neigt oft zur hektischen Hochatmung. Die Luft schafft es nur bis in den Brustkorb, die Stimme wirkt schrill und brüchig. Legen Sie beide Hände auf den Bauch und atmen Sie so tief ein, dass Sie spüren, wie sich Ihr Bauch nach Außen dehnt und beim Ausatmen wieder dünner wird. Machen Sie so einige tiefe Atemzüge, bevor Sie beginnen zu sprechen.
  • KIEFER LOCKERN: Auch das gehört zur Erwärmung. Mit einer angespannten Kiefermuskulatur verfallen Sie schnell ins Nuscheln und auch Ihre Mimik wird wenig Positives ausstrahlen. Ein wenig Kaugummi kauen hilft, denn dabei werden die gleichen Muskeln gelockert, die Sie auch zum Sprechen brauchen.
  • GÄHNEN: Ausgiebiges Gähnen entspannt die Muskeln im Kopf- und Halsbereich. Öffnen Sie dabei den Mund so weit, wie es Ihnen angenehm ist und gähnen Sie nicht tonlos. Ein herzhaftes „Aaaaa“ tut der Stimme gut.
  • DIE STIMME WECKEN: Um die Stimmbänder aufzuwärmen, gibt es verschiedene Übungen. Sie können zum Beispiel ein leichtes „Mmmmhhh“ oder „Brrrrrr“ brummen. Dieser Laut eine bestimmte Tonhöhe. Versuchen Sie nun die Tonhöhe nach oben und nach unten zu variieren, ohne dabei lauter oder leiser zu werden. Nach kurzer Zeit werden Sie feststellen, dass die Stimmbänder im Hals locker schwingen.
  • PAUSEN MACHEN: Reden Sie nicht ohne Punkt und Komma, sondern gönnen Sie sich und Ihrem Publikum Pausen. Damit geben Sie sich die Chance für ein paar tiefe Atemzüge und Ihrem Publikum die Möglichkeit, das Gehörte zu Verarbeiten. Außerdem bringen Sie so mehr Spannung in Ihren Vortrag.
  • GESTIK: Nur wenn Sie bei einer Rede nicht wie angewurzelt und festgebunden dastehen, kann Ihr Atem entspannt fließen und Ihre Stimme voll tönen. Eine angemessene Gestik unterstreicht nicht nur Ihre Botschaft, durch die Körpersprache kommt Energie und Lebendigkeit in Ihre Stimme.
  • DIE STIMME „ÖLEN“: Plötzlich ist der Mund trocken und der viel zitierte Frosch sitzt im Hals. Jetzt bitte nicht räuspern, denn das strapaziert die Stimmbänder. Besser ist es, ein Schluck Wasser zu trinken, um die Stimme zu ölen.
  • AUSSPRACHE ÜBEN: Eine deutliche Aussprache ist mindestens ebenso wichtig, wie eine klangvolle Stimme. Wirkungsvolle Übungen sind Zungenbrecher wie „Fischers Fritze“ oder ein einfacher Korken. Halten Sie diesen mit den Schneidezähnen fest und lesen Sie dann laut einen Text vor. Sie werden merken, dass Sie gezwungen sind, die Zunge viel bewusster und exakter einzusetzen, um halbwegs verständlich zu sein.

(Quellen: focus-online.de, rp-online.de, 5-sterne-redner.de)

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