Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland gehen zusätzlich zu ihrem Hauptjob einer Nebenbeschäftigung nach. Dies geht aus einem Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Oktober 2017 hervor. Die Zahl der Zweitbeschäftigungen ist also in den letzten 15 Jahren um mehr als das Doppelte angestiegen – mit steigender Tendenz.

Je nach Art der Nebentätigkeit gelten für Menschen mit Zweitjob besondere steuerliche Regelungen. Welche Steuern für den Zweitjob anfallen und wann sich eine Mehrfachbeschäftigung tatsächlich lohnen kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist ein Zweitjob?

Bei einem Zweitjob handelt es sich um eine Tätigkeit, die neben der eigentlichen Haupttätigkeit ausgeübt wird. Abhängig vom Umfang der Haupttätigkeit, kann der Zweitjob ein Minijob oder eine Teilzeitbeschäftigung sein.

Wer einen zweiten Job annimmt, muss diesen nach § 38b EStG (Einkommensteuergesetz) natürlich versteuern lassen. Er zahlt also ebenso Abgaben, wie er dies für seinen Hauptjob tut. Dabei gibt es allerdings eine wichtige Ausnahme.

Wie wird ein Zweitjob versteuert?

Für einen zweiten Job gilt zunächst einmal, dass er erst dann versteuert werden muss, wenn der monatliche Lohn höher als 450 Euro liegt. Verdient man 450 Euro oder weniger, gilt man als sogenannter Minijobber und muss selbst keine Steuern zahlen.

Welche Steuerklasse hat man beim Zweitjob?

Für die Zweittätigkeit wird man zudem steuerlich anders eingeordnet, als bei der Haupttätigkeit. Besitzt man für diese, abhängig vom Familienstand, eine Steuerklasse zwischen 1 und 5, so wird einem für den Zweitjob automatisch Steuerklasse 6 zugewiesen.

Nimmt man einen Zweitjob an, ist man fortan also in zwei Steuerklassen gleichzeitig eingeordnet. Für einen Minijob erhält man keine zweite Steuerklasse.

Prinzipiell kann man als Zweitjobber selbst bestimmen, für welche Tätigkeit man in die Steuerklasse 6 eingeordnet wird. Es empfiehlt sich allerdings, immer die Tätigkeit als Zweitjob zu wählen, bei der man weniger verdient.

Dies hängt damit zusammen, dass Steuerklasse 6 am höchsten besteuert wird, weil es folgende Erleichterungen nicht gibt:

  • Grundfreibetrag (9.000 Euro jährlich, Stand 2018)
  • Kinderfreibetrag (7.428 Euro jährlich, Stand 2018)
  • Arbeitnehmerpauschbetrag (1.000 Euro jährlich, Stand 2018)
  • Sonderausgabenpauschbetrag (36 Euro jährlich, Stand 2018)

Weil diese Freibeträge und Pauschalen wegfallen, zahlt man also für jeden verdienten Euro Steuern, wodurch sich die Abgaben automatisch erhöhen und dafür sorgen, dass sich der Nettolohn reduziert.

Wann lohnt sich ein Zweitjob?

Möchten Sie so viel wie möglich dazu verdienen, lohnt sich ein zweiter Job vor allem dann, wenn der Lohn dafür unter 450 Euro liegt. Bei Zweitjobs dieser Art zahlt nur der Arbeitgeber bestimmte Abgaben. Der Arbeitnehmer kann den gesamten Lohn behalten und muss ihn nicht in Steuerklasse 6 versteuern.

Was bei einem Zweitjob zu beachten ist

Wer die Absicht hat, neben der Haupttätigkeit noch einen Zweitjob anzunehmen, der sollte vorher in den Arbeitsvertrag der Haupttätigkeit schauen. Dort gibt es nämlich zumeist Klauseln, die die Aufnahme eines Zweitjobs regeln.

Manche Arbeitgeber wünschen einen schriftlichen Antrag oder knüpfen an die Erlaubnis bestimmte Bedingungen:

  • Hauptjob darf qualitativ nicht leiden
  • Zweitjob darf eine bestimmte Wochenarbeitszeit nicht übersteigen (48 Stunden sind die Obergrenze)
  • Zweitjob darf eine bestimmte Lohngrenze nicht überschreiten
  • Die zweite Tätigkeit muss sich von der Haupttätigkeit unterscheiden (keine Tätigkeit für Konkurrenten)

Mit solchen Regelungen möchte der Arbeitgeber sicherstellen, dass der Arbeitnehmer seiner Haupttätigkeit die Aufmerksamkeit und Kraft widmet, die für eine korrekte Ausübung notwendig sind.

 

Weitere Informationen:

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Steuerklasse 6 einfach erklärt:
https://www.steuerklassen.com/steuerklasse-6/


Quellen:

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