Ende Mai einigten sich die Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit VGZ und die IG Metall auf einen neuen Tarifvertrag. Demnach sollen Zeitarbeiter bei Einsätzen in Metall-Betrieben künftig Lohnzuschläge von bis zu 50 Prozent erhalten. „Die Zuschläge sorgen dafür, die Tariflücke zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammbelegschaft in der Metall- und Elektroindustrie zu schließen. Das trägt dazu bei, Zeitarbeit fair und attraktiver zu gestalten“, sagt Dr. Dieter Traub, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Orizon. Die Branchenzuschläge werden, basierend auf den Entgelten des BAP-/iGZ Tarifwerk, prozentual gezahlt und richten sich nach der Einsatzdauer eines Zeitarbeitnehmers im Entleihbetrieb.

Sinkende Chancen für Arbeitsuchende ohne Ausbildung

Kritisch betrachtet Traub dabei die Situation vieler Arbeitsuchender mit mangelnder Ausbildung, die Schwierigkeiten haben, eine passende Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. „Damit wird ein Teil der arbeitsmarktpolitischen Funktion der Zeitarbeit ausgehebelt“, resümiert Traub. „Bisher konnten ungelernte Kräfte über die Zeitarbeit einen Job finden und nach dem Prinzip ‚Learning by Doing’ ihren Ausbildungsstand verbessern. Aufgrund der deutlichen Verteuerung der Zeitarbeit wird die Industrie diese einfachen Jobs zukünftig reduzieren, z.B. durch Automatisierung oder Verlagerung ins Ausland.“, sagt Traub. „Die Frage, wie schlechter ausgebildete Menschen – die einen großen Teil der Rumpfarbeitslosigkeit von drei Millionen bilden – in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen, bleibt unbeantwortet. Diese Menschen wurden bei den Tarifverhandlungen ignoriert.“

Zeitarbeit als Chance für Ingenieure

Wie das Handelsblatt im Anschluss an die Tarifabschlüsse berichtete, wird sich Zeitarbeit stattdessen künftig auf hochqualifizierte Tätigkeiten konzentrieren. Die IG Metall sieht damit Zeitarbeit zunehmend als Chance für Ingenieure. „Die Leiharbeit wird sich wandeln und aus der Schmuddelecke des Billiglohns herauskommen müssen“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann dem Handelsblatt. Ingenieurleistungen und Projektarbeit, bei denen die Lohnkosten meist nicht entscheidend seien, rückten nun in den Vordergrund. Bildquelle: © Oli_ok – Fotolia.com]]>

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