Ein Beitrag von Orizon.

Ein einziger fester Arbeitsort, Pendeln mit Bus und Bahn, starre Arbeitszeiten und jeden Tag die gleichen Gesichter im Betrieb – diese Zeiten sind für viele Arbeitnehmer vorbei. Die Flexibilisierung des Arbeitsalltags wird gerade für die jüngere Generation immer selbstverständlicher. Doch man muss kein Techie in einem Start-Up sein, um die neuen Möglichkeiten selbst nutzen zu können. Je nach Branche und konkretem Aufgabengebiet bietet sich für viele Arbeitnehmer die eine oder andere Form der „schönen neuen Arbeitswelt“ an. Wir stellen Ihnen in zwei Teilen die spannendsten Innovationen vor. In Teil 2 lesen Sie: “Nine to Five” war gestern.

Geteilter Job, doppelte Freude

Kinderbetreuung, die Pflege von Angehörigen oder schlicht der Wunsch nach mehr Freizeit lassen die Nachfrage nach weniger als einer Vollzeitstelle steigen. Eine mögliche Option ist hier das Job-Sharing. Im Unterschied zur klassischen Teilzeitstelle, die der Arbeitgeber von vorneherein so anlegt, teilen sich beim Job-Sharing tatsächlich mindestens zwei Arbeitnehmer eine Stelle und damit ein Aufgabenprofil. Theoretisch lassen sich viele Stellen auf mehrere Köpfe verteilen – allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigsten von ihnen? Kommunikation, Organisation und Vertrauen. Job-Sharer müssen viel und offen kommunizieren und sich mit ihrem Job-Partner absprechen. Das erfordert verlässliche und eigenverantwortliche Organisation, die in der Regel nicht vom Arbeitgeber übernommen wird. Und ohne die nötige Portion Vertrauen, dass der jeweils andere auch in der Zeit der eigenen Abwesenheit alle Aufgaben zuverlässig erledigt, funktioniert dieses Modell erst recht nicht. Doch wenn es gelingt und sich die „Richtigen“ finden, können sogar Führungspositionen geteilt werden – im so genannten „Topsharing“.

Experimentierfreude bei der Wochenarbeitszeit

Jenseits von Job-Sharing und klassischer Teilzeit starten immer mehr Unternehmen testweise neue Arbeitszeitmodelle. Die Vorreiter kommen einmal mehr aus Skandinavien: Toyota in Göteborg führte bereits 2003 den 6-Stunden-Tag für die Mitarbeiter ein, 2016 testeten Seniorenheime in Göteborg und Umeå ähnliche Modelle. Das Plus der reduzierten Tagesarbeitszeit: Mitarbeiter sind zufriedener, motivierter und seltener krank. Allerdings müssen Unternehmen bereit sein, sich das Ganze auch etwas kosten zu lassen, denn die Mitarbeiter erhalten für ihren 6-Stunden-Tag das gleiche Gehalt wie vorher.
Neben der täglichen Arbeitszeit lässt sich auch die Zahl der Wochenarbeitstage verringern. Unternehmen, die nach dem 4-Tage Modell operieren, wie zum Beispiel Treehouse aus den USA oder DocCheck aus Köln, berichten Positives. Die Mitarbeiter seien fokussierter und daher produktiver, außerdem erholter und zufriedener. Dies führt auch zu weniger Kündigungen. Innerhalb der 4-Tage-Woche sind verschiedene Modelle denkbar, zum Beispiel ein Fünftel weniger Lohn oder aber auch jeweils 10 Stunden Arbeit an 4 Tagen.

Das Start-up Tandemploy plädiert dafür, überhaupt nicht mehr in Stellen, sondern ausschließlich in Mitarbeitern zu rechnen, die „flexibel zwischen Vollzeit und Teilzeit floaten“ und so viel arbeiten, wie gerade erforderlich ist. Umfragedaten geben den beiden Gründerinnen Recht: Über zwei Drittel der Beschäftigten wünschen sich eine Wochenarbeitszeit von 35 Stunden oder weniger.

Letztlich vereint alle Modelle der „schönen neuen Arbeitswelt“ ein identischer Gedanke: Es kommt nicht primär darauf an, wo und wann gearbeitet wird, sondern darauf, DASS die anstehenden Aufgaben und Projekte zuverlässig und pünktlich erledigt werden. Und auch bei der Flexibilisierung des Arbeitsalltags gilt, wie bei vielen anderen Dingen auch: Die Mischung macht’s.

 

Weiterführende Informationen:

Orizon Karriere-Blog

 


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