Rund um die Uhr erreichbar

Gefährliche Flexibilität

Laut Studie nutzen 79 Prozent aller Erwerbstätigen für ihre tägliche Arbeit mobile Geräte, also Notebooks, Tablet Computer, Smartphones oder Handies, um eben regelmäßig fernab des Arbeitsplatzes ihren Aufgaben nachzukommen. Doch diese Flexibilität berge auch Gefahren, warnt der BITKOM, denn klare Regelungen für flexible Arbeitsmodelle gäbe es meist nicht. Drei Viertel aller Berufstätigen in Deutschland sind außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kollegen, Vorgesetzte und Kunden per Handy oder E-Mail erreichbar. Ein Drittel sogar rund um die Uhr. Von der Mehrheit der Unternehmen sei diese Erreichbarkeit auch gewünscht.

Klare Absprachen erforderlich

„Viele Berufstätige leiden unter Stress, wenn sie sich in einem dauernden Stand-by-Modus befinden“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Er plädiert für einen bewussten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln und für klare Vereinbarungen über Arbeitszeit und Erreichbarkeit. „Feste Arbeitszeiten und ortsgebundene Arbeitsplätze sind dank neuer Technologien für viele Büro-Jobs nicht mehr zeitgemäß.“ Doch auch wenn Arbeitgeber verstärkt auf flexible Arbeitsmodelle setzen werden, zeigt die Studie auch, dass 62 Prozent von ihnen keinerlei Vorgaben haben, wann Mitarbeiter elektronisch erreichbar sein sollten und wann nicht. Die Folgen sind klar: Statt der angestrebten Work-Life-Balance wird Berufliches und Privates zu stark vermischt und die Mitarbeiter haben das Gefühl, permanent auf zwei Hochzeiten zu tanzen.

BITKOM gibt Handlungsempfehlungen

Damit die Flexibilität nicht zur Belastung wird und beide Seiten von flexiblen Arbeitsmodellen profitieren können, gibt der BITKOM Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Mitarbeiter:

Regeln für Berufstätige

  • Sich selbst managen: Flexible Arbeitsmodelle verlangen ein hohes Maß an Selbstorganisation. Effizientes Arbeiten und Verlässlichkeit sind unabdingbar.
  • Sich selber schützen: Flexible Arbeit darf nicht heißen, dauernd erreichbar zu sein. Gerade engagierte Mitarbeiter setzen Grenzen und halten diese ein.
  • Sichtbar bleiben: Wer seltener im Büro ist, muss darauf achten, dass seine Leistungen und seine soziale Rolle als Teammitglied wahrgenommen werden.
  • Digitale Kommunikation nutzen: Soziale Medien leisten einen wichtigen Beitrag, um mit anderen zu kommunizieren und Arbeitsergebnisse darzustellen.

Regeln für Unternehmen

  • Klare Vereinbarungen treffen: Flexible Arbeitsmodelle erfordern klare Regeln, damit Vertrauen entstehen kann.
  • Mitarbeiterleistung messen: Leistungen sollten möglichst objektiv definiert und gemessen werden. Zielerreichung geht vor Anwesenheit.
  • Moderne Technologien nutzen: Flexible Arbeit sollte durch interne soziale Netzwerke, Blogs oder spezielle Collaboration Tools unterstützt werden.
  • Führung nicht vernachlässigen: Trotz hoher Mobilität der Mitarbeiter darf der Kontakt zur Führungskraft nicht wegfallen.
  • Unternehmenskultur überprüfen: Neue Arbeitsmodelle müssen zur Kultur passen. Veränderungen sollten sorgfältig geplant werden.

Home Office – pro und kontra

Auch Anja Krusel, Finanzchefin bei Microsoft Deutschland hält klare Absprachen für notwendig, wenn Fernarbeit funktionieren soll. In einem Interview mit sueddeutsche.de sagte sie kürzlich: „Nur wenn die Bedingungen transparent und die Ziele eindeutig formuliert sind, kann daraus eine vertrauensvolle neue Arbeitskultur entstehen.“ Im Gegensatz zur Yahoo-Chefin sieht sie flexible Arbeitsmöglichkeiten als wichtigen Wettbewerbsfaktor. „Für viele Bewerber ist das ein entscheidendes Kriterium, um bei uns anzufangen.“ Die Mitarbeiter seien zufriedener und das Unternehmen verbuche weniger Fluktuation und höhere Produktivität. Die BITKOM Studie bescheinigt dem Home Office durchaus positive Auswirkungen: Vier von fünf Berufstätigen seien der Ansicht, dass sich dadurch Arbeit und Familie besser vereinbaren lassen. 56 Prozent meinen, dadurch zufriedener zu sein. Allerdings sind zwei Drittel der Personalverantwortlichen der Meinung, dass die Arbeit von zu Hause die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern hemmt. Ein kurzer Plausch in der Cafeteria oder spontan im Büroflur kann eben meist doch nicht durch eine Videokonferenz ersetzt werden. Persönlicher Kontakt ist wichtig, um Teamgeist und Kreativität zu fördern. Jedoch darf Anwesenheit nicht mit Produktivität gleichgesetzt werden. An manchen Tagen ist das Home Office für viele die bessere Alternative, sofern Arbeitsziel und Erreichbarkeit klar geregelt sind.


Quellen: BITKOM, Süddeutsche Bilderquelle: © rangizzz – fotolia.com

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