Unsere Arbeit prägt unser Leben, egal ob es nun das Entwerfen einer Marketingkampagne, Hausarbeit oder das Schreiben eines Artikels ist. Sie beansprucht viel unserer (Lebens-)Zeit, hat einen erheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden und bestimmt, wie viel Zeit wir für andere Aktivitäten haben.

Bei Umfragen unter Berufstätigen gaben zwei Drittel an, dass sie ihre Hobbys vernachlässigten. Knapp die Hälfte hatte zu wenig Zeit für sich selbst und Freundschaften. Etwa ein Drittel gab an zu wenig Zeit für Familie, Partner, Kinder zu haben und verzichtete auf gesellschaftliche Ereignisse.

Wonach sich vermutlich alle sehnen ist es, Leben und Arbeiten in Einklang zu bringen, sodass keine Bedürfnisse zu kurz kommen. Seit den frühen Neunzigern hat dazu ein Konzept Hochkonjunktur, die so genannte „Work-Life-Balance”. Ein Schlagwort, das als schwer fassbar, als sehr unkonkret gilt. Muss das Verhältnis von Arbeit und Leben zeitlich ausgewogen sein, damit es eine „gute” Balance ist? Was ist überhaupt das Leben, das man mit der Arbeit in Einklang bringen soll?

„Work” ist als berufliche Arbeit zu verstehen, „Life” als das Privatleben. Da aber zum Beispiel auch Hausarbeit Anstrengungen beinhalten können, ist es sinnvoller, zwischen Belastung und Erholung zu unterscheiden – sowohl im Job als auch in der Freizeit. Denn nicht alles, was während der Arbeitszeit passiert muss auch belastend sein – Ein Plausch unter Kollegen beispielsweise, während Abwaschen in der „freien” Zeit wohl meist als ermüdend empfunden wird.

Ziel der Überlegung ist es die „Balance” zwischen allen Ansprüchen in seinem Leben zu finden. Dabei kann sich die Balance sowohl auf die zeitliche Verteilung als auch auf eigene Vorlieben beziehen. Als Hilfsmittel zur Einschätzung wird dazu häufig das „Lebensrad” von Asgodom verwendet. Hierbei wird mithilfe eines Kreisdiagramms der prozentuale Anteil von sechs Bereichen an dem Leben visualisiert: Beruf, Familie, Hobbies, Gesundheit, Weiterbildung und Freunde. Damit wird allerdings auch deutlich, dass es nicht die Patentlösung für die Work-Life-Balance aller Menschen gibt. Was als ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit, hängt stark von den Lebensumständen und Bedürfnissen des Einzelnen ab.

Arbeit kann mehr sein, als „nur” Geldverdienen

Wichtig für eine Einschätzung seines Lebensrades ist auch die Einstellung zur eigenen Arbeit. Wer seinen Beruf weniger als Arbeit sondern nahezu als Erfüllung erlebt, dessen Bedürfnis nach Erholung wird nicht so stark ausgeprägt sein wie etwa bei jemandem, der seine Arbeit als reines Geldverdienen empfindet. Wichtigste Frage hierfür: „Macht mich das was ich tue glücklich? Erfüllt mich meine Arbeit?” Wer dies bejahen kann, für den ist Arbeit viel weniger Belastung als ein Prozess, der ihn aufsaugt und seine Welt ringsum vergessen lässt: „Flow” nannte das der ungarische Psychologe Csikszentmihalyi.

Einen Flow kann man in den verschiedensten Tätigkeiten erleben. Manch einer kennt es vom Joggen, vom Computerspielen oder halt von seiner Arbeit: Plötzlich geht es wie von selbst, man geht völlig in seinem Tun auf und man vergisst die Zeit. Voraussetzung hierfür: Die Tätigkeit ist weder zu leicht noch zu schwierig. Ist sie zu leicht, droht die Gefahr der Langeweile. Ist sie zu schwer, bekommen wir es mit der Angst zu tun.

Wer jetzt bei seiner Arbeit häufiger ein solches Flow-Erleben erreicht, dessen Bedürfnis nach Erholung von der Arbeit wird geringer ausfallen. Er muss nicht so sehr „abschalten” von der anstrengenden Arbeitszeit, da er die Arbeit nicht als Belastung empfindet.
Aber Achtung: Schlaf, Essen und soziale Kontakte braucht man trotzdem…

Was kann ich tun?

– Auf das Recht achten: Es ist vermutlich in ihrem Arbeitsvertrag geregelt, wie Sie mit Überstunden umzugehen haben. Informieren Sie sich. Werden die Überstunden angeordnet, sind sie in der Regel auch zu bezahlen.

– Auf die Arbeit achten: Laugt sie mich aus oder kann ich auch viel von ihr profitieren? Was könnte ich ändern, um an meiner Arbeit mehr Spaß zu haben? Ist es das, was ich will?

– Auf sich selbst achten: Habe ich genug Zeit für mich selbst? Kann ich nach der Arbeit noch abschalten?

– Freizeit bewusst gestalten: Sinken Sie nach Ihrem Arbeitstag nicht nur erschöpft auf die Couch. Darunter leiden auf Dauer Sie, Ihre Gesundheit, Ihr Partner, Ihre Freundschaften.

– Sich Ihrer Wünsche bewusst werden: Wie sieht Ihr „Lebensrad” aus? Und wie sollte es aussehen? Stellen Sie die beiden Versionen einander gegenüber und überlegen Sie, womit Sie zufrieden sind, was Sie gern ändern würden und wie Sie es ändern könnten. Der entscheidende Punkt an der Kreisform: keine Chance für Selbstbetrug. Man kann nicht ganz viel Familie und ganz viel Arbeit zeitgleich in seinem Leben unterbringen – das eine geht immer auf Kosten des anderen.

 


Der Diplom-Kaufmann Sebastian Zenker, Christina Mölders und der Psychologe Niels van Quaquebeke sind Mitglieder der RespectResearchGroup an der Universität Hamburg. Mehr Informationen zu der Forschungsgruppe und den Autoren finden Sie unter http://www.respectresearchgroup.org/

Bildquelle: © granata68 – Fotolia.com