In dem Artikel “So reagieren Sie schlagfertig – Teil 1” haben Sie 4 mögliche Reaktionen auf verbale Angriffe kennengelernt. In diesem Teil stellen wir Ihnen 7 weitere vor.

Reaktion 5: Den Angreifer absichtlich missverstehen

Vor allem, wenn Sie mit einem zynischen oder ironischen Satz attackiert werden, können Sie dem Angriff ausweichen, indem Sie ihn bewusst falsch verstehen. Lassen Sie Ihr Gegenüber aber merken, dass Sie nicht zu dumm sind, seine Ironie zu verstehen, sondern ihn voller Absicht ins Leere laufenlassen. Wenn zum Beispiel eine Kollegin sich darüber ärgert, dass Sie Ihre Arbeit flott erledigen und Sie als Streberin abqualifizieren will, könnte sie sagen: “Na, Sie sind aber wieder fleißig.” Sie antworten: “Oh, danke für das Kompliment. Ich finde es schön, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin.”
Ein Klassiker ist es, eine direkte Beschimpfung wie “Vollidiot!” zu kontern mit “Angenehm, (Ihr Name).”

Reaktion 6: Ins Absurde abgleiten

Sie können mit Ihrer Antwort das Gespräch natürlich auch ins Absurde ziehen. Dazu picken Sie sich ein Wort oder eine Phrase heraus und verstehen es falsch. Nach diesem Muster funktionieren auch viele Witze, beispielsweise: “Wie fanden Sie das Schnitzel?” — “Ganz zufällig, als ich eine Kartoffel beiseite schob.”

Ein typisches Beispiel: Auf einen Satz wie “Ein guter Rat: Schalten Sie Ihr Hirn ein, bevor Sie sprechen.” könnten Sie reagieren mit: “Ich brauche kein Rad, ich fahre mit dem Bus.”

Reaktion 7: Den Vorwurf umformulieren

Wirft Ihnen jemand eine Unverschämtheit an den Kopf, können Sie ihm durch eine sachliche Umschreibung seiner Aussage den Wind aus den Segeln nehmen. Auf den Angriff  “Sie sollten mal Ihr Gehirn beim Arbeiten einschalten.” könnten Sie zum Beispiel antworten: “Sie finden, ich habe bei meiner Arbeit etwas nicht beachtet.”
Klassische Antworten sind: “Ihnen gefällt mein Vorschlag nicht.” oder “Sie sind verärgert/skeptisch/besorgt.”

Reaktion 8: Den Vorwurf entkräften durch Zustimmung

Ein Vorwurf hat nur dann zerstörende Wirkung auf Sie, wenn Sie das Wertesystem der angreifenden Person annehmen und das als schlecht akzeptieren, was jemand anderes als schlecht definiert. Angenommen, jemand greift Sie an, weil Sie zu alt bzw. zu jung für eine Aufgabe sind. Wenn Sie sich weigern, Ihr Alter bzw. Ihre Jugend schlimm zu finden, dann machen Sie sich unangreifbar. Stehen Sie zu dem, was man Ihnen vorwirft. Schließlich können Sie nichts für Ihr Alter.

Die klassische Antwort ist: “Stimmt genau.” Damit entziehen Sie dem Angriff den Boden. Was der Angreifer als negativ definiert, zerbröselt in dem Augenblick, in dem Sie voll und ganz dazu stehen.

Weitere Reaktionen: “Gut beobachtet!” (am besten, wenn sich der Angriff auf etwas bezieht, das man sehen kann – das Gewicht, die Größe, das Aussehen). “Na klar.” oder “Na klar, tun Sie das nicht?”

Reaktion 9: Den Vorwurf umdeuten

Noch wirkungsvoller wird es natürlich, wenn Sie das, was Ihnen vorgeworfen wird, umdeuten und das Positives das darin steckt, hervorheben.

Zwei Beispiele:
– “Ja, stimmt. Ich bin 20 und erst seit einem halben Jahr in der Firma. Dafür bringe ich frischen Wind in die Abteilung. Und ich bin vom Alter her ganz nahe an unserer Zielgruppe.”
– “Sie haben recht. Ich bin der Älteste in der Abteilung — und derjenige mit der meisten Erfahrung.”

Reaktion 10: Das Kind beim Namen nennen

Eine sehr sachliche Reaktion, mit der Sie vor einem größeren Publikum souverän wirken, ist es, klar auszusprechen, dass das eben ein pauschaler und unsachlicher Angriff war. Damit gehen Sie auf die Meta-Ebene und zeigen, dass Sie sich nicht auf das gleiche Niveau wie der Angreifer begeben wollen. Gleichzeitig eröffnen Sie Ihrem Gegenüber die Möglichkeit, von nun an sachlich mit Ihnen umzugehen. Typische Antworten sind: “Das war jetzt aber unsachlich.” oder “Das ist eine pauschale Unterstellung.”

Reaktion 11: Keine Verteidigung

Beantworten Sie Warum-Fragen nie mit “Weil”. “Weil” klingt nach Rechtfertigung, nach Verteidigung. Lassen Sie das “Weil” einfach weg. Denn dann machen Sie eine Aussage, anstatt sich zu rechtfertigen.

Vergleichen Sie einfach die beiden folgenden Antworten auf die Frage “Warum haben Sie sich nicht gemeldet?”

– “Weil ich am Vormittag eine Besprechung mit der Firma Müller hatte.”

– “Ich hatte am Vormittag eine Besprechung mit der Firma Müller.”
Verzichten Sie auf das „Weil” – das gilt nicht nur für verbale Angriffe, sondern im Grunde bei allen Fragen, ob sie nun Vorwürfe sind oder aus reinem Interesse gestellt wurden.

Üben, üben, üben

Jetzt, da Sie die wichtigsten Reaktionsarten kennen, überlegen Sie sich einige Standardantworten. Schreiben Sie sich dazu am besten typische Angriffe auf, wie Sie sie schon selbst erlebt haben, und suchen Sie gute Konter. Üben Sie mit Kollegen, Freunden oder Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin.


Franz Grieser ist freiberuflicher Autor, Kommunikationstrainer und Personal Coach. Er lebt und arbeitet in München.

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