Ein Gastbeitrag von Romy Fischer.

Eine lange To-Do-Liste, unbeantwortete E-mails, die sich im Postfach sammeln oder eine Aufgabe, die kurzfristig erledigt werden muss – und was ist Ihre Reaktion? Sich erst einmal Trost und Verständnis bei den Kollegen holen, vielleicht noch eine Tasse Kaffee machen, bevor Sie sich in die Arbeit stürzen?

Aufschieberitis: Die Top 3-Lieblingsaktivitäten der Deutschen

Damit sind Sie nicht allein. Laut einer Umfrage des Büromittellieferanten Viking reagiert die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer ähnlich und schieben ihre Arbeit auf, anstatt sie umgehend zu erledigen. Unangefochtene Lieblingsbeschäftigung der Befragten ist das Quatschen mit Kollegen, 51 Prozent der Befragten gaben dies als Lieblingsaktivität, um zu prokrastinieren an. Auf dem zweiten Platz landet bei 40 Prozent der Befragten, das Zubereiten von Kaffee oder Tee außerhalb der Mittagspause, dicht gefolgt von 38 Prozent der Personen, die angaben, Social Media oder anderen Online-Aktivitäten nachzugehen, statt ihre Aufgaben zu erledigen.

Warum wir Aufgaben aufschieben

Das Phänomen, die Arbeit aufzuschieben, ist auch unter dem Fachbegriff Prokrastination bekannt. Diese Aufschieberitis sollten Vorgesetze jedoch nicht voreilig mit Faulheit gleichsetzen und verurteilen. Denn die Gründe fürs Prokrastinieren können sehr unterschiedlich sein. Diese können laut Arbeitspsychologin Mag. Veronika Jakl organisatorische Gründe sein, die von Unklarheit in der Zielsetzung bis hin zu einem zu hohen Arbeitsvolumen, welches theoretisch gleichzeitig erledigt werden müsste, reichen. Als andere Faktoren, die zur Prokrastination am Arbeitsplatz führen können, so die Expertin für psychologische Belastung, sind persönliche Gründe. Man traut sich die Aufgabe nicht zu oder hat innerlich gar schon gekündigt und ist gar nicht motiviert, die Aufgabe überhaupt zu erledigen.

Was die Expertin weiß, spiegelt sich auch in der Umfrage wieder. Ein Viertel der Befragten (25,8 Prozent) gaben an, zu prokrastinieren, weil die zu erledigende Aufgabe ihnen unangenehm ist. Frauen tendieren eher dazu, Tätigkeiten aufzuschieben, wenn sie sich vom Arbeitspensum überwältig fühlen und Männer gaben als Hauptgrund Langeweile an.

Prokrastination und ihre Konsequenzen

Ungefähr eine Dreiviertelstunde Arbeitszeit täglich verplempert der Durchschnittsarbeitnehmer mit anderen Dingen, als denen, die er eigentlich tun müsste. Doch was passiert mit dieser Zeit? Immerhin jeder zweite Befragte gab an, die Arbeit am Wochenende zu Hause oder durch länger bleiben nachzuholen. Jeder Zehnte holt die Arbeit jedoch nicht nach. Auch wenn die Aufschieberitis oftmals vor dem Chef verborgen bleibt – 64,3 Prozent gaben an, niemals erwischt worden zu sein – 15,8 Prozent gaben zu, dass ihre Arbeit unter der Prokrastination leiden würde. Einige wenige Personen (7,3 Prozent) haben bereits eine Abmahnung vom Vorgesetzten erhalten.

Prokrastination in Zahlen

Doch wie heißt es so schön? Zeit ist Geld. Das Statistische Bundesamt gibt an,das durchschnittliche Monatsgehalt der Deutschen im Jahr 2017 in einer 40-Stunden Woche beträgt 3.771 Euro. Ausgehend von 47 Minuten täglicher Prokrastinationszeit, die in der Viking-Umfrage angegeben wurden, verdienen die Deutschen circa 369 Euro mit süßem Nichtstun. Die oben genannten Lieblingsaktivitäten bringen demnach einen Verdienst von 25,43 Euro fürs Quatschen, 23,56 Euro fürs Kaffeekochen und 25,43 Euro für die Nutzung sozialer Medien. Die Unterbrechung der Arbeit für den Gang zur Toilette bringt Ihnen mit 25,81 Euro ähnlich viel ein wie die beliebte Raucherpause mit 24,63 Euro. Am wenigstens lukrativ ist demnach das Prokrastinieren, wenn der Schreibtisch aufgeräumt wird, denn damit verdienen Sie vergleichsweise nur 17,20 Euro. Betrachten Sie den Verdienst Dank Aufschieberitis jedoch aus der Perspektive der deutschen Arbeitgeber, summiert sich die Nichterledigung von Aufgaben, hochgerechnet auf das ganze Land, auf ganze 783,7 Millionen pro Jahr.

Wie Führungskräfte Prokrastinieren entgegenwirken können

„Führungskräfte sind ein Schlüsselfaktor für motivierende Arbeitsbedingungen und die ganzen organisatorischen Hindernisse zu entfernen, ist Führungsverantwortung“, erklärt Arbeitspsychologin Jakl. Essentiell ist für Führungskräfte jedoch ihre „MitarbeiterInnen gut zu kennen und ihnen die passenden Aufgaben zu geben. Wenn ich sie über- oder unterfordere brauche ich mich nicht zu wundern, wenn das Ergebnis nicht optimal ist.“

 


Romy Fischer ist International Digital Marketing Executive in Großbritannien. Sie verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit internationalen Kunden. Als Content Creator führt sie zusammen mit ihren Kollegen einen Blog für Büroartikel-Lieferant Viking Deutschland.

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