Praxisserie - Das Bewerbungsgespräch Teil 1

Da ist sie endlich, die E-Mail mit der Einladung zum Vorstellungsgespräch. Herzlichen Glückwunsch, die erste Hürde haben Sie genommen. Doch das ist noch lange kein Grund, jetzt Däumchen zu drehen und still das steigende Lampenfieber zu pflegen. Nutzen Sie die Zeit bis zu Ihrem Vorstellungstermin, indem Sie sich gut vorbereiten. Das gibt Ihnen Sicherheit und nimmt die Nervosität. Ein wichtiger Punkt, denn ein sicheres Auftreten beim Vorstellungstermin ist schon die halbe Miete. Mit unserem 7-Punkte-Plan sind Sie bestens für den großen Tag gerüstet:

Punkt 1: Wissen, was mich erwartet!

Bestätigen Sie den Vorstellungstermin telefonisch und nutzen Sie den Kontakt, um die Rahmenbedingungen Ihres Gespräches in Erfahrung zu bringen. Mit wem werden Sie das Gespräch führen und welche Funktionen bekleiden Ihre Gesprächspartner? Wird es je ein Gespräch mit dem Personal- und mit dem Fachbereich geben oder wird man gemeinsam am Tisch sitzen? Sind mehrere Gesprächsrunden geplant, kann es also sein, dass Sie zu einem weiteren Termin geladen werden? Diese Informationen können Sie im Vorfeld höflich erfragen. So wissen Sie, was am Tag X auf Sie zukommt, und werden nicht mit unerwarteten Situationen konfrontiert.

Punkt 2: Informiert sein!

Natürlich sollten Sie bestens über das Unternehmen informiert sein, für das Sie künftig arbeiten möchten. Die Homepage ist für Ihre Recherche eine erste gute Adresse. Firmeninhaber bzw. CEO, Mitarbeiterzahl, Firmenstandorte, Vertriebsländer – das alles sind Informationen, die Sie parat haben sollten. Geschäftsberichte und Unternehmensbroschüren können ebenfalls aufschlussreich sein, zeigen das Unternehmen aber nur in einseitigem und meist schmeichelhaftem Licht. Suchmaschinen im Internet können Ihnen darüber hinaus weitere Informationen über das Image der Firma und Akzeptanz der Produkte liefern. Verfolgen Sie auch aufmerksam die Berichterstattung in den Medien, zum Beispiel auf Google News, um über aktuelle Ereignisse und Veränderungen auf dem Laufenden zu sein.

Punkt 3: Auskunft geben können!

Wann genau war noch einmal das Auslandspraktikum? Juli 2003 oder war es doch im August 2004? Peinlich, wenn man sich im eigenen Lebenslauf nicht mehr zurechtfindet. Gehen Sie deshalb Ihre Bewerbungsunterlagen noch einmal genau durch und prägen sich alle wichtigen Daten ein. Gleichzeitig können Sie die Bewerbung auf kritische Punkte prüfen – etwa längere Arbeitspausen oder häufige Jobwechsel – und sich auf eventuelle Nachfragen vorbereiten. Überlegen Sie außerdem, welche zusätzlichen Informationen bezüglich Ihrer Person und Ihren Fähigkeiten für die Gesprächspartner interessant sein könnten, die Sie in der Bewerbung nicht berücksichtigen konnten. Schließlich werden Sie nicht zum Gespräch gebeten, um aus Ihrem Lebenslauf vorzulesen.

Punkt 4: Die richtigen Antworten parat haben!

Es gibt Fragen, die tauchen in einem Bewerbungsgespräch so sicher auf, wie das Amen in der Kirche. Eine davon ist die Frage nach den persönlichen Schwächen. Wer darauf antwortet: „Ich bin zu hilfsbereit“, „Ich arbeite zu viel“, „Ich bin Perfektionist“ oder „Da müssen Sie meine Frau fragen“ wird dem Personaler höchstens ein gequältes Lächeln entlocken. Diese Phrasen werden mittlerweile von Bewerbern so häufig bemüht, dass Personaler heimlich Bullshit-Bingo spielen könnten. Wenn Sie überzeugen wollen, setzen Sie lieber auf Authentizität. Seien Sie ehrlich und geben Sie zu, wenn Sie bei Präsentationen vor großem Publikum nervös werden, oder dass Sie Ihre englische Aussprache nicht perfekt ist und Sie das in Conference Calls unsicher macht. Gleichzeitig sollten Sie aber zeigen, dass Sie an diesen Schwächen arbeiten, indem Sie zum Beispiel erwähnen, ein Rhetorik-Seminar zu besuchen oder an einem Sprachkurs teilzunehmen.

Punkt 5: Beweise liefern!

Beim Bewerbungsgespräch bietet sich oft die Gelegenheit, Arbeitsproben und andere Dokumente zu präsentieren, die Ihre Expertise unterstreichen, für die aber in der Bewerbung kein Platz war. Es ist also empfehlenswert eine entsprechende Mappe sorgfältig vorzubereiten und zum Gesprächstermin mitzunehmen. Sie sollten aber die Beweise Ihrer Begabung nicht unaufgefordert verteilen. Bieten Sie an, wenn sich im Gespräch die Gelegenheit ergibt, die in der Bewerbung angegebenen Qualifikationen durch reale Beispiele zu belegen.

Punkt 6: Den Weg kennen!

Nichts ist peinlicher, als sich zum Vorstellungsgespräch zu verspäten, weil man keinen Parkplatz bekommen oder den Eingang nicht gefunden hat. Planen Sie deshalb Ihre Anreise im Vorfeld. Müssen Sie in eine andere, Ihnen unbekannte Stadt, informieren Sie sich rechtzeitig über Parkmöglichkeiten in der Nähe des Unternehmens oder Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Befindet sich das Unternehmen nicht weit von Ihrem Wohnort, bietet sich die Möglichkeit, zuvor bereits einmal hinzufahren. So wissen Sie, wie lange Sie für die Anfahrt brauchen, wo Sie ggf. parken können und müssen nicht erst am Tag des Gesprächs nach der richtigen Hausnummer suchen.

Punkt 7: Stress in letzter Minute vermeiden!

Wenn Sie bereits abgehetzt und gestresst zum Vorstellungstermin kommen, weil Sie in letzter Minute noch einen Knopf am Hemd annähen mussten, wirkt sich das mit Sicherheit negativ auf Ihre Performance aus. Wer hingegen mit Sicherheit und Gelassenheit zum Gespräch erscheint, strahlt diese Sicherheit auch nach Außen aus. Schlafen Sie in der Nacht vorher ausreichend. Planen Sie außerdem vor dem Termin genügend Zeit ein, um in Ruhe Ihren Kaffee zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen und sich danach für das Gespräch umzuziehen. Die Anprobe haben Sie selbstverständlich schon am Vortag gemacht. So überlassen Sie nichts dem Zufall und können die vor Ihnen liegende Herausforderung entspannt meistern.

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