Die Präsentation hat alle überzeugt, der Chef ist zufrieden – nur Sie nicht. Steckt in Ihnen ein Perfektionist, der sich mit „gut“ nie zufrieden gibt? Woran Sie erkennen, ob Sie betroffen sind und wie Sie mit Perfektionismus besser umgehen, erklärt hier die Diplom-Psychologin Nadine Pfeiffer.

Perfektionismus ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das oft im Zusammenhang mit Berufserfolg und Leistungsmotivation genannt wird. Ein Perfektionist stellt hohe Anforderungen an sich selbst. Eigenschaften, die im Beruf sehr geschätzt werden – Disziplin, Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit, Organisiertheit und harte Arbeit- haben für den Perfektionisten aber auch negative Konsequenzen. Zufriedenheit kennt ein Perfektionist nicht.

Perfektionisten werden als Mitarbeiter geschätzt

Perfektionisten arbeiten präzise, durchdringen und planen Arbeitsprozesse detailliert, sodass oft nichts Wichtiges verloren geht oder vergessen wird. Sie legen in Arbeitsvorgängen viel Wert auf Details, um so unerwarteten Überraschungen entgegen zu wirken. Erforderlich für diese klare Zielverfolgung und das daraus resultierende effiziente Arbeiten ist ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Deshalb werden Perfektionisten oftmals als ordentlich, verantwortungsbewusst sowie kompetent wahrgenommen und für ihren hohen Ehrgeiz als Mitarbeiter geschätzt. Als Konsequenz wird Ihnen oft schnell viel Verantwortung übertragen oder sie werden aufgrund Ihrer guten Leistungen befördert.

Dilemma: Erfolgsstreben und Versagensängste

In das Bestreben nach Exzellenz investieren Perfektionisten jedoch viel Zeit und vor allem viel Energie. Dennoch wird das persönliche Optimum selten erreicht, was zu einer dauerhaften Unzufriedenheit und einem geringen Selbstwertgefühl führen kann. Die eigene Selbstachtung wird lediglich vom Erfolg abhängig gemacht. Werden Ziele nicht erreicht, entstehen Enttäuschung, Frust und Ärger. Perfektionisten schwanken somit oft zwischen dem Bedürfnis nach Erfolg und der Angst vor Versagen, was kraftvollen Antrieb und Ehrgeiz schafft. Dieses Dilemma ist vielen leistungsmotivierten Menschen bekannt.

Fünf Anzeichen für Perfektionismus

1. Alles muss perfekt sein
Das Streben nach Erfolg treibt Sie an, mehr Arbeit als andere in ein Projekt zu investieren. Normaler Standard reicht Ihnen nicht, es muss schon das Beste sein. Hohe Ansprüche erwarten Sie nicht nur von sich selbst, sondern auch von anderen.

2. Besonders selbstkritisch
Schon auf die kleinsten Fehler reagieren Sie mit starken Selbstzweifeln und deuten sie als Zeichen für persönliches Versagen. Auch wenn Sie mit Ihrer eigenen Arbeit hart ins Gericht gehen, so können Sie mit Kritik anderer schwer umgehen. Jede Kritik nehmen Sie persönlich. Dabei sind Sie gegenüber anderen ebenfalls kritisch und oftmals wertend. Was Sie bei sich nicht akzeptieren können, kritisieren Sie an anderen.

3. Versagensängste
Nicht nur Streben nach Perfektion, auch Furcht vor Fehlern motiviert Sie zu mehr Arbeit. Vor einer Präsentation gehen Sie Ihren Vortrag lieber noch ein paar Mal durch, um auch wirklich bestmöglich vorbereitet zu sein. Aus Angst vor Versagen vermeiden Sie manchmal Risikosituationen, in denen Sie sich blamieren könnten. Dadurch fühlen Sie sich in Ihrer Kreativität, Innovation und Spontanität stark beeinträchtigt.

4. Schuldgefühle und Selbstvorwürfe
Aufgrund Ihres Perfektionismus haben Sie ein ausgeprägtes Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein. Bei eigenen und sogar bei fremden Missgeschicken fühlen Sie sich schnell verantwortlich.

5. Keine innere Offenheit
Auch in Bezug auf Ihre Gefühle vermeiden Sie gegenüber anderen persönliche Schwächen, Enttäuschungen sowie Ängste. Die innige Verbindung und das Öffnen vor anderen ist ein langer Prozess. Ungeschützt und verletzlich wollen Sie sich selten zeigen. Perfektionisten haben oft das Bedürfnis, sich nach außen hin stark zu präsentieren und die Kontrolle über ihre Gefühle zu haben – so wie über jeden ihrer Lebensbereiche.

Vier Tipps zum besseren Umgang mit Perfektionismus

1. Erkennen Sie Ihre zu hohen Erwartungen
Einsicht ist der erste Weg zu Besserung! Verdeutlichen Sie sich, dass Sie stets nach dem Optimum streben und Mittelmaß (noch) nicht zu Ihrem Selbstbild passt. Halten Sie sich aber vor Augen, dass Ihr Umfeld wahrscheinlich nicht so hohe Anforderungen an Sie stellt wie Sie an sich selbst.

2. Setzen Sie Ihr Ziel nicht zu hoch an
Definieren Sie klare Ziele und kennen Sie Ihre Grenzen. In welchen Bereichen sind Genauigkeit und Qualität nicht so entscheidend? Wo können Sie Ihre Kraft einsparen? Wägen Sie Nutzen und Kosten ab. Überwiegen die Kosten, überdenken Sie noch einmal Ihr Ziel oder den Sinn der Aufgabe.

3. Formulieren Sie einen klaren Zeitrahmen
Achten Sie auf Ihr Energiekonto und legen Sie im Vorfeld fest, wie viel Zeit und Energie Sie jeweils in bestimmte Aufgaben investieren. Halten Sie sich an Deadlines, bis zu denen Sie Ihre Arbeit fertig gestellt und abgegeben haben.

4. Nehmen Sie sich eine Auszeit
Wirken Sie dem Gefühl der Überforderung im Beruf entgegen. Sagen Sie auch einmal Nein, wenn Sie schon mit Arbeit voll ausgelastet sind. Machen Sie Urlaub und erholen Sie sich. Und gönnen Sie sich ab und zu einmal „nur“ das Mittelmaß.


Über die Autorin
Nadine Pfeiffer, Mitglied bei den KarriereExperten.com, ist Diplom-Psychologin, ehemalige Personalleiterin, Karriereberaterin und Business Coach in Köln. Das Finden von beruflichen Perspektiven, Auftritt und Wirkung, Führung, Motivation und alles rund um die Bewerbung sind ihre Schwerpunkte im Coaching. Mehr über ihr Angebot erfahren Sie unter http://www.nadinepfeiffer.de/

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