Networking

Familiennetzwerke waren gelebte Vetternwirtschaft

Netzwerke sind die Nachfolgemodelle der früheren Großfamilie. Noch vor hundert Jahren war es üblich, dass Paare fünf bis zehn Kinder zeugten. Setzt man voraus, dass zwei bis drei Generationen immer gleichzeitig am Leben waren, entstanden praktisch drei Netzwerkebenen, in denen sich die Anzahl der Familienmitglieder exponentiell erhöhten. Schnell entstand eine gewaltige Anzahl von verbundenen Personen. Wenn man nur annimmt, dass damals durchschnittlich nur fünf Kinder je Familie heirateten und wieder die gleiche Zahl an Nachkommen zeugten. Dann standen jedem Einzelnen schon allein vierzig Cousins und Cousinen zur Verfügung. Ganz zu schweigen von der gewaltigen Anzahl von Nichten, Neffen, Großcousinen, Großcousins, Tanten und Onkel, Großtanten, Großonkel, etc. Ob bei Altersschwäche, Krankheit, Vermögensverlust oder Wetterextreme, man konnte in der Not auf ein bereits bestehendes, natürlich gewachsenes Netzwerk zurückgreifen. Wurden dann noch berufliche Alternativen gesucht, konnte man sicher sein, dass irgendeiner der zig Cousins an der richtigen Stelle saß. Der Begriff „Vetternwirtschaft“ stammt noch aus dieser Zeit.

Umbrüche im Arbeitsleben vermitteln Unsicherheit

Das Sicherheitsmodell Großfamilie gibt es seit vielen Jahrzehnten nicht mehr. Mit einer Geburtenrate von durchschnittlich ein bis zwei Kindern je Paar ist ein exponentiell wirkender Netzwerkeffekt nicht machbar. Gleichzeitig zollt eine globalisierte Welt ihren Tribut: Viele Menschen haben das Gefühl, drohenden Umbrüchen im Arbeitsleben, aber auch im Alltag hilflos ausgesetzt zu sein. Kürzere Anstellungszeiträume sind zur Normalität geworden. Zudem müssen Angestellte heute jederzeit damit rechnen, dass ihr Brötchengeber in die Insolvenz geht, fusioniert oder an die Konkurrenz verkauft wird. Aber auch, wenn sich der eigene Arbeitgeber im Markt behaupten kann, wird man irgendwann von unangenehmen Rationalisierungsmaßnahmen betroffen sein. In solchen Fällen tut es gut, über berufliche Verbündete bei anderen Arbeitgebern zu verfügen.

Staatliche Absicherung bald nicht mehr möglich

Der Zusammenbruch der Sozialversicherungssysteme trägt sein Weiteres zur allgemeinen Unsicherheit bei. In wenigen Jahren wird das Gros der Gesellschaft aus Rentnern und Pensionären bestehen. Eine ausreichende staatliche Absicherung wird dann nicht mehr möglich sein. Aber auch das Anhäufen von Vermögen bringt keinen echten Schutz mit sich. In Zukunft werden wir uns wohl entscheiden müssen, ob wir entweder Staaten oder Banken pleitegehen lassen möchten. In beiden Fällen ist sich jeder darüber bewusst, was mit Sparguthaben oder dem Wert von Immobilienbesitz passieren wird.

Sicherheit immer mehr in den Händen des Einzelnen

Zu allem Unglück werden noch gewaltigere Kosten als bisher durch Wetterextreme auf uns zukommen. Wird flächendeckend privates Hab und Gut immer öfter beispielsweise durch Hagelschlag oder Dauerregen vernichtet, wird es keine ausreichenden staatlichen Entschädigungszahlungen mehr geben können. Dafür werden die benötigten Finanzmittel zu gewaltig sein. Der Gesetzgeber und soziale Absicherungssysteme, die bisher die Schutzfunktion der ausgestorbenen Großfamilie übernommen hatten, sind an ihre Leistungsgrenzen angelangt. Den Nationalstaat, der sich um sein Volk kümmert, wird es in dieser Form nicht mehr geben können. In Zukunft liegt es überwiegend in unseren eigenen Händen, ob wir uns ausreichende Sicherheit verschaffen. Dabei wird entscheidend sein, wie viele Kontakte, Bekannte und Freunde wir haben, die uns unter die Arme greifen, wenn es privat oder beruflich darauf ankommt.

Soziabilität als neue Schlüsselqualifikation

Verloren gegangene Sicherheiten müssen durch die Rückbesinnung auf das soziale Kollektiv kompensiert werden: Der Einzelkämpfer, der ausschließlich auf Leistung setzt, ist out. Die neue Schlüsselqualifikation lautet Soziabilität: Nur wer in der Lage ist, gute Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, wird über Karriereperspektiven in der Branche Bescheid wissen. Auch am eigenen Arbeitsplatz können gute Kontakte nur helfen. Wie sonst erfahren Sie von internen Aufstiegschancen oder drohenden Kündigungswellen? Wenn Sie gut vernetzt sind, auch innerhalb Ihrer Firma, können Sie schneller handeln und bekommen so mehr Sicherheit. Gut vernetzt zu sein, erleichtert Ihren Alltag in nahezu allen Lebensbereichen. Sie können dynamischen Zeiten nicht nur gelassener entgegentreten, sondern auch schneller Ihre individuellen Lebens- und Karriereziele erreichen.


Dieter L. Schmich, www.bewerbungs-center.com Wollen Sie Ihre Soziabilität verbessern und soziale und berufliche Netzwerke aufbauen? In seinem neuen Buch zeigt Schmich Schritt für Schritt auf, wie wichtige Verbündete entstehen: „Sicherheit und Karriere durch Networking“ bei dielus edition erschienen, Februar 2014, 978-3-9815711-2-7

Bildquelle: © opolja – Fotolia.com

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