Viele Arbeitgeber erwarten von ihren Mitarbeiten, dass sie ein großes Netzwerk pflegen. Doch wie geht sinnvolles Networking überhaupt und kann man es lernen? „Auf jeden Fall“, sagen die Anhänger der Working-Out-Loud-Methode. Der USA-Trend findet hierzulande immer mehr Anhänger. Wir erklären, worum es dabei geht.

Auf Ihrem Facebook-Account sammeln sich nur die jährlichen Geburtstagsgrüße, Ihre beiden Instagram-Abonnenten sind Ihre Mutter und Ihr Versicherungsberater und wie Twitter und Snapchat funktionieren, haben Sie ohnehin nie ganz kapiert? Dann zählt Social Media Networking nicht unbedingt zu Ihren Kernkompetenzen. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Sollte es auch, denn erfolgreiches Netzwerken ist mittlerweile für viele Arbeitgeber eine Schlüsselqualifikation. Doch während die einen ihr Leben locker-flockig im digitalen Paralleluniversum zelebrieren, ist den anderen das ständige Posten, Liken und Tweeten höchst suspekt.

Unternehmen wollen gut vernetzte Mitarbeiter

Auch wer außerhalb des Arbeitsplatzes gänzlich auf soziale Plattformen verzichtet, sollte sich im Job ihrer dennoch bedienen können. Warum? Unternehmen setzen darauf, dass Mitarbeiter sich über Netzwerke informale Strukturen schaffen, die ihnen helfen, Aufgaben flexibler und mit mehr unternehmerischer Weitsicht zu erledigen. Denn wer vernetzt arbeitet, blickt über die sorgsam hochgezogenen Abteilungsmauern und lernt, wie man mit den Kollegen auf der anderen Seite bestens zusammenarbeitet. Außerdem sind vernetzte Mitarbeiter hervorragende Botschafter für die eigenen Produkte und natürlich auch für die Arbeitgebermarke. Personaler klatschen vor Freude in die Hände, wenn Mitarbeiter aus ihrem Netzwerk passende Bewerber empfehlen können.

Working Out Loud: Die Kunst, Wissen zu teilen

Eine neue Methode aus den USA soll den Einstieg in die Kunst des Netzwerkens erleichtern. Sie heißt Working-Out-Loud oder kurz WOL, hat aber mit gebrüllten Arbeitsanweisungen nichts zu tun. Vielmehr geht es darum, Arbeitsergebnisse und gewonnenes Wissen fleißig zu teilen. Mit wem? Genau, mit dem eigenen Netzwerk. Denn nur wer bereitwillig sein Wissen weitergibt, um andere dadurch zu unterstützen, statt es eifersüchtig zu bewachen, wird relevant für die Gemeinschaft sein und kann mit deren Hilfe auch seine eigenen Ziele schneller verwirklichen. Soweit die WOL-Philosophie.

Tatsächlich kann dieser Erst-Geben-Dann-Nehmen-Ansatz so manche Hemmschwelle abbauen. Vielen ist es unangenehm, dass nicht rein aus Freundlichkeit „genetzwerkt“, sondern damit meist ein eigennütziges Ziel verfolgt wird. Durch WOL lernt man zunächst, dass man anderen helfen kann – mit Informationen, Kontakten oder auch einfach nur mit einem Like. Das macht es später leichter, selbst um Unterstützung zu bitten.

In zwölf Stunden zum Profi-Networker

Und wie funktioniert das Ganze nun? Der Amerikaner John Stepper hat aus der ursprünglichen Idee eine Lernmethode entwickelt, bei der ein fester WOL-Circle bestehend aus vier bis fünf Personen in zwölf wöchentlich aufeinanderfolgenden Treffen sich durch von Stepper vorgegebene Aufgabenstellungen arbeitet. Die Treffen sollten nicht länger als eine Stunde dauern. Die Guidelines oder Tagesordnungen für alle zwölf Circle-Treffen sind gemäß der Maxime, Wissen zu teilen, im Internet frei verfügbar. Wir haben sie für Euch zusammengefasst:

Woche 1: Schärfe deine Aufmerksamkeit. Das persönliche Ziel definieren und Personen finden, die mit dem Ziel in Verbindung stehen. Eine Beziehungsliste erstellen.

Woche 2: Biete deine ersten Beiträge an. Den Personen auf der Beziehungsliste Aufmerksamkeit widmen. Nach Online-Präsenzen suchen. Großzügigkeitstest absolvieren.

Woche 3: Mach drei kleine Schritte. Eigenes Zeitmanagement mit der Pay-Yourself-first-Methode optimieren. Beziehungsliste durch Netzwerke, Organisationen oder Gruppen ergänzen. Danke sagen.

Woche 4: Erlange Aufmerksamkeit. Eigene Beiträge persönlicher, wertvoller und damit effektiver gestalten. Lernen, empathischer auf Menschen zuzugehen.

Woche 5: Mach es persönlich. Eine Faktenliste über sich selbst erstellen und Anknüpfungspunkte zu den Personen auf Deiner Beziehungsliste finden.

Woche 6: Werde sichtbar. Die eigene Online-Präsenz optimieren und lernen, wie man neue Verbindungen knüpft.

Woche 7: Sei zielgerichtet. Sich das Erreichen des Ziels vorstellen und dazu einen Brief aus der Zukunft schreiben. (Übung zum Visionieren)

Woche 8: Mach es zur Gewohnheit. Methoden lernen, um neue Gewohnheiten zu stärken. Ein Fortschrittsdiagramm entwerfen. Personen miteinander bekannt machen.

Woche 9: Entwickle mehr eigenständige Beiträge. Top Ten Liste von zehn Quellen erstellen, die sich auf das eigene Ziel beziehen. Etwas Gelerntes als Beitrag gestalten.

Woche 10: Werde systematischer. Strukturierte und systematische Netzwerkpflege anhand von Checklisten und Beitragsübersicht bzw. –planung. Üben, richtig um Unterstützung zu bitten.

Woche 11: Stelle dir die Möglichkeiten vor. Lernen, wie man eine eigene Interessensgruppe gründet und organisiert.

Woche 12: Reflektiere und feiere. Resümee ziehen und Veränderungen erkennen. Motivationsbrief an das zukünftige Ich schreiben. Den nächsten Schritt planen.

Für einen WOL-Circle brauchen also nur drei oder vier Gleichgesinnte und die Möglichkeit, sich einmal pro Woche persönlich zu treffen. Alles andere finden Sie im Netz. Geht der Circle nach drei Monaten auseinander, haben Sie im Optimalfall ein größeres, vielfältigeres persönliches Netzwerk und praktische Gewohnheiten entwickelt und eingeübt, mit denen sie es pflegen, erweitern und künftig für das Erreichen Ihrer Ziele nutzen können.

Quellen: http://workingoutloud.com/en/circle-guides/, http://workingoutloud.de/

 


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