12.02.2018 -

Die Wut zu unterdrücken, bis man explodiert, ist sicherlich nicht die beste Alternative. Sofort mit allem, was nicht passt, herauszuplatzen, ist dagegen auch nicht immer förderlich, wenn es um das Pflegen von Netzwerken oder um den Umgang mit Vorgesetzten geht. Wie man den richtigen Ausgleich schafft und dadurch seine Karriere-Chancen sogar erhöht, beschreibt ein Experte, der Diplom-Psychologe Christoph Burger, Autor von „Der Zornkönig”, in einem Interview mit CareerBuilder.

CareerBuilder: Herr Burger, in Ihrem Buch „Der Zornkönig” fordern Sie die Leser auf, sich zu ärgern und zu zürnen. Schadet das nicht der Karriere?

Burger: Richtig, eine impulsive Reaktion hat schon mancher Laufbahn eine neue Wende gegeben. Wüteriche werden durchaus gekündigt. Das ist oft – mit etwas Abstand betrachtet – gut für beide Seiten.

CareerBuilder: Aber eine ungewollte Kündigung zu kassieren, führt zunächst nicht gerade weiter. Wie kommen Sie denn auf die Idee, den Ärger allgemein zu loben?

Burger: Sie dürfen nicht die Haupt- und die Nebenwirkung miteinander verwechseln, sonst kippen Sie das Kind mit dem Bade aus. Ärger funktioniert wie eine Alarmanlage im Gehirn. Er zeigt an, was wichtig ist, wo gehandelt werden muss. Er zeigt Ihnen Reibereien oder Missstände, die Sie nicht länger hinnehmen sollten und liefert zugleich den nötigen Kraftstoff zur Veränderung.

CareerBuilder: Und wer erst noch einen Job sucht?

Burger: Für Jobsuchende ist es auch richtig, nach zwanzig Absagen auf Standardbewerbungen hin die Strategie zu wechseln. Ärger konzentriert Ihre Energie auf das Ärgernis. Wenn Sie daraufhin handeln, ist das erwünscht.

CareerBuilder: Und die Nebenwirkungen?

Burger: Alles, was richtig wirkt, hat auch Nebenwirkungen. Auf Dauer macht Ärger krank. Das relativiert sich aber, denn von einem Wutanfall bekommen Sie keinen Bluthochdruck, genauso wenig, wie Sie von einem Stück Sahnetorte dick werden.

CareerBuilder: Was schlagen Sie vor, um die lästigen Seiten in den Griff zu bekommen?

Burger: Es gibt einen Weg, das Unerwünschte klein zu halten und die wichtige Warnfunktion groß. Wir müssen den Ärger als Signalgeber nutzen. Er fordert uns zum Handeln auf. Wir sollen nicht alles schlucken. Wir sollen nicht sinnlos herumtoben. Wir sollen etwas Produktives tun. Wir sollen verändern, was stört.

CareerBuilder: Ärger motiviert zum Handeln …

Burger: …und genau deshalb ist er der Treibstoff für viele Karrieren. Nicht beim Ärger stehen bleiben, sondern handeln, lautet das Motto. Die Grundvoraussetzung ist die, überhaupt grollen zu können. Diese Fähigkeit ist eine von drei Tugenden erfolgreicher Führungspersönlichkeiten – das behaupten auch die Wirtschaftsvordenker Anja Förster und Peter Kreuz in ihrem Bestseller („Alles, außer gewöhnlich”). Nehmen Sie den Ärger als Stachel. Sagen Sie sich „jetzt erst recht” und schon ist aus der bloß negativen Schmach eine positive Motivation geworden.

CareerBuilder: Ganz einfach?

Burger: Im Prinzip ja. Es hilft natürlich, sich damit ausgiebiger zu beschäftigen, aber dafür gibt es ja viele Beispiele im „Zornkönig”. Das regt an, diese positiven Seiten des Ärgers zu entdecken.

CareerBuilder: Sehen Sie die Zeit für dieses Buch gekommen? Sie schreiben schließlich gegen den Trend des positiven Denkens an.

Burger: Gegen das nur Positive, ja. Wer alles positiv sieht, wurschtelt nur immerzu weiter und das hilft keinem. Natürlich riskiert der Überbringer der schlechten Nachricht immer den eigenen Kopf — aber was wollen Sie dann auf Dauer in einem solchen Unternehmen? Sie werden unterfordert. Die allgemeine Gewohnheit, alles unter den Teppich zu kehren, lässt den Output des ganzen Unternehmens sinken und es gerät in eine Schieflage. Und Ihr Job auch.

CareerBuilder: Ist Erfolg nur mit Ärger möglich?

Burger: Nein, wo alles prima läuft, kann es weiter laufen. Aber meistens sind ja Zwist und unliebsame Situationen nicht weit. Der Wettbewerb schläft nicht und fordert zu eigenen Aktionen auf. Außerdem gibt es Typen, die man „Defensive Pessimisten” nennt, die müssen grübeln und schwarzsehen, sonst bringen sie keine Leistung. Es gibt das systematische Wegducken, das ganze Unternehmen bedroht. Es gibt Chefs, die rücksichtslos toben dürfen, ohne im Kern etwas zu bewegen. Und denen legt man höchstens nahe, dass sie sich ruhiger verhalten sollen. Die gegenteilige Botschaft wäre richtig: „Deine Energie ist klasse, sie muss genutzt werden.” So sichern Sie Ihre Jobs und das eigene Unternehmen.

CareerBuilder: Das heißt: Ärgern ja, aber dann handeln.

Burger: Das ist die Kurzformel. Optimal ist, wenn Sie jeden Ärger mit einer passenden Handlung oder einem neuen Gedanken beantworten und Ihr Verhalten anpassen. Das ist die Grundformel, die Details sind im „Zornkönig” beschrieben.

CareerBuilder: Herr Burger, danke für das Gespräch.

 


Bildquelle: © Standret – Shutterstock.com