Die meisten Stellen werden besetzt, bevor überhaupt Anzeigen geschaltet und Kandidaten gesichtet werden. Wer gutes Selbstmarketing betreibt, ergattert häufig als erstes diese Jobs. Aber wie geht das? Die Karriereberaterin Ute Blindert erklärt es in diesem Beitrag.

Selbstmarketing hat zunächst ganz viel damit zu tun, dass Sie sich Gedanken darüber machen, was genau Sie über sich aussagen möchten. Es geht also erst einmal um Ihre Positionierung. Denn je nachdem, wo Sie arbeiten möchten, sollte „Ihre“ Marke auch darauf zugeschnitten sein. Als Experte für Finanzprodukte werden Sie natürlich anders auftreten als jemand, der im internationalen Marketing arbeitet. Und natürlich kommt es auch darauf an, für welche Branche und welches Unternehmen Sie sich interessieren.

Die Grundlage: Profile in professionellen Netzwerken

Bevor Sie eventuell weitere Maßnahmen überlegen, sollten Sie in den Online-Netzwerken Xing oder Linkedin präsent sein. Wer international arbeiten möchte, ist bei Linkedin gut aufgehoben, in Deutschland spielt Xing weiterhin eine sehr wichtige Rolle, vor allem mit dem neuen Premium-Profil. Bei jedem dieser Profile sollten Sie darauf achten, dass Sie sich so optimal wie möglich präsentieren, also mit einem professionellen Foto und vollständigen Angaben zu Ihren beruflichen Stationen, Abschlüssen, Auszeichnungen, Netzwerken. Wichtig: Die Punkte im Profil, die Sie nicht ausfüllen möchten, stellen Sie einfach auf „nicht sichtbar“.

„Sei gut und rede darüber

(Selbst-)Marketing funktioniert aber vor allem durch Kommunikation, im Sinne von „Sei gut und rede darüber!“ Dafür können Sie weitere Möglichkeiten nutzen wie Netzwerk- oder Branchentreffen, Messen, Konferenzen, Artikel in Fachzeitschriften oder natürlich Online-Angebote wie ein eigenes Blog, Gastbeiträge in Fachblogs, Facebook, Twitter, Google+, Foursquare usw. Wie präsent Sie sein möchten, sollten Sie immer im Sinne Ihrer Positionierung entscheiden. In manchen Branchen ist es wesentlich sinnvoller, gezielt mit einzelnen Personen zu sprechen, in anderen gehört Klappern zum Geschäft.

Aber natürlich möchten Sie potenzielle Interessenten auch nicht verprellen. Daher ist hier Fingerspitzengefühl gefragt: Neuigkeiten aus Ihrer Branche oder interessante Tipps werden gern angenommen. Ständiges Reden darüber, wie toll Sie sind, nehmen die meisten als störend wahr.

Der Plan für Ihr Selbstmarketing

  1. Positionierung: Wo stehen Sie? Was haben Sie bis jetzt gemacht, welche Erfahrungen haben Sie gesammelt? Welche Interessen haben Sie sonst noch, über die Sie gern und kompetent reden?
  2. Zielfindung: Wo möchten Sie hin? Wie könnte Ihre Idealposition aussehen? Welches Unternehmen bzw. welcher Unternehmenstyp spricht Sie an?
  3. Grundlage: Profil(e) bei Xing und/oder Linkedin einrichten.
  4. Ziele identifizieren: Wo treffen Sie die für Sie wichtigen Personen? Wo sind diese präsent? Im „richtigen“ Leben und/oder online – hierhin richten Sie einen Teil Ihrer Aktivitäten aus.
  5. Auswahl weiterer Kanäle: Netzwerke, Berufsverbände, Vereine, Website/Blog, Facebook, Twitter etc.
  6. Kontakte knüpfen: Verbinden Sie sich mit Personen, die Sie aus Ihrem Job, aus dem Studium oder auch über andere Zusammenhänge kennen (Nachbarn, Schule, Fußballverein).
  7. Austauschen, sprechen, fragen: (Selbst-)Marketing ist nichts, was man mal eben so macht. Es braucht Zeit zum Aufbau und auch jeden Tag ein bisschen Zeit, z.B. um einen Blogartikel zu schreiben, diesen öffentlich zu machen, mit Kontakten zu telefonieren oder auch um sich mal zum Lunch zu treffen.
  8. Genießen: Irgendwann werden Sie merken, dass sich Ihre Arbeit und Zeit auszahlt. Über Kontakte lernen Sie Menschen kennen, die Sie sonst nicht wahrgenommen hätten. Sie bekommen Anfragen für Gastartikel in Fachzeitschriften oder Einladungen zu Konferenzen – und wahrscheinlich auch den nächsten Job. Schließlich wird mehr als jede zehnte Stelle über Xing, Linkedin, Facebook & Co. vergeben (ICR Social Media Recruiting Report 2013).

Wenn es Ihnen schwerfällt, Selbstmarketing zu betreiben, liegt das häufig daran, dass Sie den Eindruck haben, Sie könnten „verkäuferisch“ wahrgenommen werden und weil Sie denken, Sie hätten nichts Wichtiges mitzuteilen. Das kommt Ihnen oft nur so vor, weil Sie sich auf Ihrem Fachgebiet so gut auskennen und alles so leicht erscheint.

Selbstmarketing braucht Zeit

Ein weiteres Hindernis sehen viele auch in der mangelnden Zeit. Dazu nur so viel: Die Zeit fürs Selbstmarketing sollten Sie sich nehmen. Folgender Tipp hilft Ihnen weiter: Tragen Sie die Zeiten in Ihren Kalender ein: Lunch mit Kollege X in München, Blogartikel schreiben, Telefonat mit Ex-Kollegin, die jetzt in Kopenhagen arbeitet, Linkedin oder Xing durchstöbern etc. Irgendwann wird es Ihnen immer leichter fallen und dann geht es ganz schnell von der Hand. Viel Erfolg dabei!

Über die Autorin
Ute Blindert bietet als Autorin, Trainerin und Beraterin Unterstützung in Karrierefragen, unter anderem auf den Karriereportalen www.zukx.de und www.businessladys.de sowie bei Trainings und Vorträgen an Universitäten, Hochschulen und in Unternehmen

Bildquelle: © contrastwerkstatt – Fotolia.com


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