Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft haben viel stärker mit Ihrer Körpersprache zu tun als mit Worten. Der Redner und Trainer Michael Moesslang verdeutlicht in diesem Beitrag zehn nonverbale Fehler, mit denen vielleicht auch Sie Ihre Karrierechancen schmälern.

Marina braucht aus der Produktion noch eine Terminzusage. Sie geht zum zuständigen Team und fragt nach. Sie wird abgewiesen, denn momentan sei so viel zu tun, dass kurzfristige Zusagen unmöglich seien. Am Nachmittag geht Daniela in die Produktion. Sie bekommt für Ihr Projekt direkt die Zusage: „Schon in drei Tagen.“ Marina ist enttäuscht und fragt sich, woran das liegt. Sie fühlt sich doch gemocht und dachte bisher, sie sei beliebter als Daniela.

Wer unsicher wirkt oder mit seiner Gestik und Mimik etwas anderes ausdrückt als die Worte sagen, braucht sich nicht wundern, wenn er weniger ernst genommen wird, nicht überzeugen kann oder in kritischen Situationen gar angegriffen wird.

Das Auftreten von Marina ist sehr unsicher und wirkt weniger selbstsicher als das von Daniela, die sehr bestimmt auftritt und trotzdem dabei höflich bleibt. Menschen, die unsicher wirken oder Anzeichen von Unterwürfigkeit zeigen, werden eher zurückgewiesen, wenn es einen Grund, wie den Zeitdruck in der Produktion, gibt.

Dabei sind es immer wieder die gleichen Signale mit denen Unsicherheit und Schwäche signalisiert werden, oft um diese zu überspielen. Manchmal ist es aber auch einfach das fehlende Wissen, wie bedeutend Körpersprache ist. Haltung, Mimik und Gestik zielen aufs Unterbewusstsein und erzeugen so eine Vielzahl von Eindrücken, die für den Umgang essentiell sind.

Wenn es darum geht selbstbewusst und souverän aufzutreten, sollten Sie die folgenden zehn Fehler bei Mimik und Gestik vermeiden.

1. Zu wenig Blickkontakt

Wer uns nicht in die Augen schaut, wird als desinteressiert, unsicher oder gar unehrlich eingeschätzt. Aber auch Anstarren ist unangenehm. Als Zuhörer blicken Sie Ihrem Gegenüber möglichst in die Augen und ins Gesicht. Als Sprechender dagegen halten Sie den Blick für mindestens ein bis zwei Sekunden, um Kontakt aufzubauen. Nach spätestens vier bis sieben Sekunden wird es meist zu viel. Doch dann schweifen unsere Augen ohnehin für eine kurze Zeit in bestimmte Denkpositionen. Danach nehmen Sie wieder Kontakt auf. Sprechen Sie mit mehreren Personen, wechseln Sie den Blick zu verschiedenen Personen. Auch hier gelten die genannten Zeiten.

2. Eine schlechte Haltung

Beim ersten Eindruck fällt vor allem die Haltung auf. Selbst geringe Abweichungen wie ausgestellte Füße oder hängende Schultern reduzieren Ihre Wirkung deutlich. Viele glauben, sich ständig an etwas anlehnen oder auf etwas abstützen zu müssen, so als könnten sie nicht alleine stehen. Ein aufrechter Rücken mit Körperspannung und dem Gewicht gleichmäßig auf beiden Beinen steht am deutlichsten für Souveränität.

3. Die Hände verbergen

Wer seine Hände versteckt, hat offensichtlich etwas zu verbergen. Ihre Hände sind das wichtigste Instrument Ihrer Kommunikation. Zeigen Sie sie und unterstreichen Sie Ihre Worte mit ihnen. Hände in der Hosentasche oder eingehakte Daumen wirken auf die meisten Menschen sehr unangenehm und oft sogar respektlos.

4. Die Arme einstemmen

Manch einer stemmt seine Hände auch in die Hüften. Das wirkt aggressiv oder trotzig. Sicherheitspersonal und Türsteher nutzen das in Kombination mit einem breiten Stand, denn dann spricht das deutlich: „Ich habe die Macht. An mir kommst Du nicht vorbei!“

5. Selbstberuhigende Gesten

Wer sich unsicher fühlt oder nervös ist, spielt gerne mit den Fingern. Das hat mit überschüssigem Adrenalin zu tun und mit Erinnerungen ans beruhigende Streicheln unserer Eltern. Dazu gehören Berührungen im Gesicht, an den Haaren oder der Kleidung ebenso wie das Spielen der Finger beider Hände miteinander. Selbstsicher wirkt das nicht.

6. Das Spielen mit Gegenständen

Es gibt Menschen, die glauben, wenn sie beispielsweise beim Präsentieren einen Stift in die Hand nehmen, würde sie das beruhigen. Leider fangen sie dann an damit zu spielen, drehen ihn, klicken den Kugelschreiber rein und raus, öffnen und schließen die Kappe oder setzen den Stift gar, gleich einer Waffe, gegen ihr Publikum ein. Jetzt ist die Nervosität deutlich zu erkennen. Auch im Gespräch am Tisch wird der Stift schnell zur Waffe. Nehmen Sie also nichts in die Hand, was Sie nicht unmittelbar benötigen.

7. Der erhobene Zeigefinger

Gelernt in der Kindheit, wenn Eltern oder Lehrer uns ermahnten oder beschuldigten, ist der erhobene ebenso wie der ausgestreckte Zeigefinger stets unangenehm. Achten Sie einmal darauf: Obwohl Sie mit ihm Ihre Worte positiv bestärken wollen, kommt er bei Ihrem Gegenüber alles andere als gut an. Er wirkt streng, böse und dominant.

8. Der abwehrende „Bremsfuß“

Der zum „Bremsfuß“ erhobene Schuh signalisiert in etwa: „Bleib mir bloß vom Leib!“ Er ist kein Signal, das Kommunikation und Kontakt fördert. Füße gehören in den allermeisten Situationen fest auf den Boden. Stehen Sie zu Ihrem Standpunkt!

9. Der Cowboy-Stand

Breit zu stehen gibt Sicherheit. Zu breit zu stehen signalisiert jedoch einen Territorial-Anspruch der über das Normale hinausgeht. In Kombination mit nach außen weisenden Fußspitzen hat das etwas von einem Cowboy. Mag sein, dass der Cowboy zeigen will, wie männlich er ist. Jedoch kommt es selten gut an. Es sei denn er will gerade besonders dominant seine Meinung dem anderen aufdrücken.

10. Die „Pipi-Haltung“

So ziemlich das Gegenteil ist die meist bei jungen Damen zu beobachtende „Pipi-Haltung“: Dabei werden die Beine im Stehen überkreuzt, sodass die Füße sich an den Außenseiten berühren. Das wirkt nicht nur im wahrsten Sinne verklemmt und extrem devot, es erweckt auch den Eindruck, als müsse diese Dame dringend für kleine Mädchen.

Durch bewusstes Verbessern entwickeln Sie schnell eine selbstbewusster und sicherer wirkende Körpersprache. Schon nach kurzer Übung wirken Sie damit authentisch und überzeugen leichter. Probieren Sie es aus, es lohnt sich!

 


Über den Autor
Michael Moesslang (52), der „Hitchcock der Präsentation“, ist einer der gefragtesten Redner und Trainer für Präsentation, Körpersprache und Lampenfieber. Er ist Autor mehrerer Fachbücher und zahlreicher Fachartikel. Bekannt ist er durch Analysen der Körpersprache und Rhetorik von Politikern und Prominenten in TV, Radio und Presse. Seine Expertise hat er aus der Erfahrung von nahezu 1.500 eignen Vorträgen entwickelt. Als Coach begleitet er Vorstände und Führungskräfte zu perfekten Auftritten. Als Lehrbeauftragter ist er an mehreren Hochschulen und Akademien tätig.

Mehr Tipps zur Körpersprache gibt es in seinem aktuellen Buch: „Bessere Körpersprache – mehr erreichen. 52 Tipps für nonverbale Kommunikation“, Broschur, 64 Seiten, € 6,99, ISBN 978-3-7357-1867-9.

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