Haben Sie auch schon einmal überlegt, komplett Beruf oder Branche zu wechseln? Als so genannter Quereinsteiger haben Sie es nicht leicht , doch wer dies mit der richtigen Strategie angeht und relevante Vorkenntnisse mitbringt, kann in einem komplett neuen Karriereweg durchstarten.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat ergeben, dass jährlich rund drei Prozent aller deutschen Arbeitnehmer ihr Berufsfeld wechseln. „Der Wunsch nach dem Wechsel kann in allen Phasen des beruflichen Lebens geschehen und beginnt oft schon beim Berufseinstieg, wenn Absolventen keinen passenden Beruf in ihrem Bereich finden”, erklärt Helga Krausser-Raether, Karriereberaterin aus Frankfurt.

Sicherlich geschieht so ein Wechsel auch häufig aus der Not heraus, etwa wenn der gesundheitliche Zustand des Arbeitnehmers mit seinem Job nicht mehr vereinbar ist. Doch laut der Studie des IAB wird ein Branchenwechsel mit 54 Prozent etwas häufiger freiwillig als unfreiwillig vorgenommen. „Auch der Wunsch nach mehr Jobzufriedenheit, die Besinnung auf ursprüngliche berufliche Ziele, eine belastende Situation am Arbeitsplatz oder auch eine neue Lebenssituation können auslösende Faktoren sein”, so Krausser-Raether.

Bringen Sie die richtigen Voraussetzungen mit?

„Nur ein Prozent aller Stellenanzeigen sprechen direkt Quereinsteiger an. Um von der Seite einzusteigen, muss der Arbeitnehmer die richtigen Voraussetzungen und relevante Vorkenntnisse mitbringen und auch die Rahmenbedingungen müssen passen”, sagt Helga Krausser-Raether. „Der Wunsch nach einem Quereinstieg und das passende Wissen können zwar vorhanden sein. Die jeweilige Wirtschaftssituation, einzelne Unternehmen oder auch ganze Branchen machen diesen Ideen und Wünschen aber häufig einen Strich durch die Rechnung”, erklärt sie weiter.

Welche Branchen sind aktuell offen für Quereinsteiger?

Da in vielen Branchen in Deutschland Fachkräftemangel besteht, haben dort bei passenden Vorkenntnissen auch Quereinsteiger gute Chancen und werden teilweise sogar gezielt angesprochen. „Die Nachfrage nach Mitarbeitern entscheidet letztendlich über die Möglichkeiten von Quereinsteigern”, so Krausser-Raether.

Um etwa als IT-Berater arbeiten zu können, müssen Sie nicht zwingend Informatiker sein. In Deutschland fehlen immer mehr IT-Fachkräfte, womit auch Nicht-Informatiker mit entsprechenden Vorkenntnissen gute Chancen haben.

Auch Lehrermangel ist in Deutschland ein großes Thema. „Zurzeit sind zum Beispiel Lehrkräfte für die MINT-Fächer sehr gesucht”, weiß auch Helga Krausser-Raether. MINT — das sind die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Karriereberaterin erklärt weiter: „Spezielle Personalberatungen, zum Beispiel der Campuservice an der Goethe-Universität Frankfurt vermitteln hier Quereinsteiger aus der Wirtschaft in Schulen im Rhein-Main-Gebiet.” Für den Quereinstieg in den Lehrerberuf ist eine berufsbegleitende pädagogische Vorbereitung notwendig. Weitere Informationen dazu gibt der Deutsche Bildungsserver.

Im sozialen Bereich sind Quereinsteiger bei Erziehern und in der Altenpflege gern gesehen. Auch Bereiche, die ohnehin die unterschiedlichsten Einstiegsmöglichkeiten bieten, sind offen für Quereinsteiger, wie etwa der Fachjournalismus oder Unternehmensberatungen. Die Grenze für den Quereinstieg ist bei geschützten Berufsbezeichnungen wie Arzt oder Apotheker erreicht.

Die eigenen Kompetenzen auf die neue Aufgabe übertragen

Ist Ihnen klar, wohin Sie wechseln können und wollen, dann recherchieren Sie die entsprechende Branche, und suchen Sie nach Gemeinsamkeiten zu Ihrer jetzigen Aufgabe. „In der Konsequenz sollten sie sich nur auf Positionen bewerben, bei denen genau diese Erfahrungen und Kompetenzen auch gefragt sind”, sagt Krausser-Raether. „Der Quereinstieg gelingt dann, wenn die Schnittmenge zwischen den Anforderungen der neuen Aufgabe und der eigenen Erfahrung sowie den eigenen Wünschen und Plänen so groß wie möglich ist.” Auch mögliche Weiterbildungen sollten Sie dann ins Auge fassen. Erst dann bewerben Sie sich bei Unternehmen.

Im Vorstellungsgespräch selbstbewusst auftreten

Im Vorstellungsgespräch sollten Sie auf jeden Fall selbstbewusst reagieren. „Wenn man entsprechende Vorarbeit geleistet hat, erklärt man es genauso, wie es ist: strukturiert, sachbezogen und offen, für den Gesprächspartner plausibel und mit klaren Antworten auf die Warum-Frage, die hinter einem solchen Wechsel liegen, und klarem Hinweis auf die genannte Schnittmenge zwischen Anforderungen und Qualifikation”, so Krausser-Raether.

 


Bild: © Natasa Adzic  – Shutterstock.com


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