Der große Work-Life-Atlas: München, Köln, Düsseldorf oder Hamburg? Wo in Deutschland lässt es sich gut leben und arbeiten? Welche Metropolen bieten ein vielfältiges Arbeitsangebot und überzeugen durch Charme und Lebensqualität? In dieser Folge schnuppern wir frische Meeresluft und lassen uns in Kiel den Wind um die Nase wehen.

5 City Facts

  1. Rush Hour zu Wasser: Der Kiel Canal (Nord-Ostsee-Kanal) ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt.
  2. Kontaktlinsen aus Kiel: An der Förde wurden nicht nur maritime Geräte wie der Kreiselkompass oder das Echolot erfunden, sondern auch wegweisende Neuerungen wie die Kontaktlinse oder das Faxgerät.
  3.  Strandschlafen: Am Hauptstrand von Heikendorf können Sie zu zweit in einem Strandschlafkorb übernachten und sich nach dem spektakulären Sonnenuntergang vom Meeresrauschen in den Schlaf murmeln lassen. Mehr Romantik geht nicht.
  4. Im „Stinkviertel“: wehte Anfang des 20. Jahrhunderts eine wirklich fiese Brise. Eine Firma fertigte aus angelieferten Fäkalien versandfähigen Dünger. Nachdem die Fabrik geschlossen wurde, zogen arme Arbeiterfamilien aus und Studenten ein – der Geruch verflog, der Name blieb.
  5. Weißer Riese: Auf der Plattform im 23. Stock hat man den besten Blick über Kiel und die Förde. Der weiße Riese ist mit 100 m das höchste Wohnhaus in Kiel. Um ihn ranken sich Mythen, Vorurteile, Klischees 

In der Pause an den Strand 

In der Mittagspause raus aus dem Büro und ab an den Strand? Klar, das geht in Barcelona, in Los Angeles, Kapstadt … und in Kiel. Mit 17 Kilometer Strand ist die nördlichste Großstadt Deutschlands ein El Dorado für Wassersportler und Frischluftfans. Von fast jedem Punkt der Stadt aus ist einer der vielen Badestrände in weniger als einer halben Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Kieler Förde, eine schmale Meeresbucht, bringt die Ostsee bis tief in das Herz der Stadt und prägt deren Rhythmus und das Lebensgefühl der Menschen, die hier zuhause sind. Auch ein Kurztrip nach Oslo oder Göteborg ist nichts Ungewöhnliches hier. Der Kieler Hafen schlägt mit seinen Kreuzfahrt- und Fährterminals die Brücke nach Skandinavien und ins Baltikum.

Entspannte Großstadt am Meer

Doch die schmucke Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins bietet mehr als nur maritimes Flair. Die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft genießt hier einen hohen Stellenwert. Auch die hervorragende Infrastruktur samt Hafen und Anbindung an den Nord-Ostsee-Kanal sorgt für eine hohe Standortattraktivität, die immer mehr Arbeitgeber anlockt. Kiel wächst. Das belegen nicht zuletzt die vielen aktuellen Bauvorhaben, in die Stadt, Unternehmen und Institute derzeit investieren. Aber trotz der Kräne und Bagger soll aus der ehemals beschaulichen Kleinstadt keine hektische Metropole werden. Kiel bleibt eine entspannte, überschaubare Großstadt am Meer mit kurzen Wegen und eigener Tradition.

Der Wissenschaft verschrieben

In Kiel gibt es rund zwei Dutzend Hochschulen und Institute. Für eine Stadt dieser Größenordnung ist das erstaunlich viel. Darunter finden sich herausragende wissenschaftliche Forschungseinrichtungen wie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, das renommierte Institut für Weltwirtschaft oder das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, das europaweit zu den führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung zählt. Die wissenschaftlichen Einrichtungen setzen vor allem auf interdisziplinäre Vernetzung – auch mit der Wirtschaft. Selbst der Weg ins Silicon Valley ist – begünstigt durch die Städtepartnerschaft mit San Francisco – von Kiel aus nicht ganz so weit.

Erfolgreicher Mittelstand sorgt für solides Wachstum

Ob Einwohner-, Übernachtungs- oder Beschäftigungszahlen – Kiel wächst in fast allen Bereichen. Für Arbeitnehmer bietet die Landeshauptstadt ein breites Betätigungsfeld. Arbeitsplätze gibt es hier in traditionellen, maritimen und innovativen Branchen genauso wie in der industriellen Produktion und modernen Dienstleistungen. Den einen großen Platzhirsch unter den Arbeitgebern findet man allerdings nicht. An der Förde sind es vielmehr die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die kontinuierlich zum wirtschaftlichen Wachstum und steigender Beschäftigung beitragen.

Dienstleistungen und Industrie stellen den Großteil der Arbeitsplätze

Heute ist Kiel ein Dienstleistungsstandort: 88 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in diesem Sektor, nur zwölf Prozent im Produzierenden Gewerbe. Aber die Kieler Industrie holt auf mit namhaften Unternehmen wie Thyssenkrupp Marine Systems, weltweit führend im U-Boot-Bau, der Bayer-Tochter KVP, dem Pharmaunternehmen Ferring, dem Schiffbauzulieferer J. P. Sauer & Sohn und Thales oder dem Petrochemie-Unternehmen Fuchs Schmierstoffe. Einzig der ehemals bedeutende Bankensektor kriselt an der Förde und sorgte mit massivem Stellenabbau unlängst für negative Schlagzeilen. 

Job and the City: Kiel – Das Leben genießen in Sailing City

Digitalisierung erfordert neue Fachkräfte

Im Bereich Digitalisierung hingegen sind neue Fachkräfte höchst willkommen. Egal ob öffentliche Dienstleister, produzierendes Gewerbe, Handel oder Verkehr – der digitale Wandel erfasst Kieler Unternehmen aus fast allen Branchen. Von motivierten Mitarbeitern und lebendigen Netzwerke, in denen Start-ups, Hochschulen und Unternehmen kooperieren, versprechen sich die Unternehmen deutliche Innovationsschübe. Übrigens: Von landesweit 28 Unternehmen aus dem digitalen Sektor, die sich 2017 in Schleswig-Holstein angesiedelt haben, entschieden sich allein 13 für den Standort Kiel. 

Wohnungsknappheit noch nicht dramatisch

Zwar kenne auch Kiel Wohnungsknappheit, diese sei aber nicht vergleichbar mit der in Metropolen wie Hamburg, Köln, Frankfurt a. M. oder Berlin, heißt es im aktuellen Wirtschaftsbericht der Stadt. Auch die Preise für Mietwohnungen oder Eigenheime seien an der Förde deutlich erschwinglicher. Einfamilienhäuser ließen sich teils zum Preis einer durchschnittlichen Zweizimmerwohnung in der Münchner Innenstadt erwerben. Zudem hat Kiel es sich zum Ziel gesetzt, eine der kinderfreundlichsten Großstädte Deutschlands zu werden. Und das in allen Bereichen – vom Wohnangebot über die Infrastruktur bis zum sozialen Umfeld.

Welthauptstadt des Segelns

In puncto Freizeitwert kann ihr kaum eine andere Stadt das Wasser reichen – im wahrsten Sinne des Wortes. Neben 684 Hektar Wald, zwölf Museen und zwei Botanischen Gärten, Theatern, Galerien und einer vielschichtigen Gastronomie dominiert die Ostsee die Freizeitgestaltung der Kieler. Hier kann man mit dem Fahrrad oder auf Inline-Skates kilometerweit am Kanal und an der Förde entlang fahren. Vor allem aber ist Kiel ein Paradies für Kiter, Windsurfer und natürlich für Segler. Jedes Jahr im Juni strömen über drei Millionen Gäste und 4.000 aktive Segler hierher und feiern zehn Tage lang ein Fest der Superlative. Dann steigt die Kieler Woche, die größte Segelveranstaltung der Welt und das größte Volksfest Nordeuropas. Ist der Trubel vorbei, bleiben der weite Horizont, der Wind und immer wieder das Meer.

 
 
 

Quellen: www.kiel.dewww.wissenschafftzukunft-kiel.dehttps://www.kiwi-kiel.de/standortinfos/arbeiten-in-kielwww.kn-online.dewww.kiel.de 

Bildquelle: © H.W. Jargstorff – Shutterstock.com


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