Job and the City: Erfurt

Der große Work-Life-Atlas: Frankfurt, Dresden, Hannover oder Hamburg? Wo in Deutschland lässt es sich gut leben und arbeiten? Welche Metropolen bieten ein vielfältiges Arbeitsangebot und überzeugen durch Charme und Lebensqualität? In dieser Folge erklären wir, warum es immer mehr Menschen nach Erfurt zieht.

5 City Facts

  • Chancenlos: Gegen sie haben die Ponte Vecchio in Florenz und die Rialtobrücke in Venedig keine Chance. Die Krämerbrücke ist die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke in Europa. Und die einzige nördlich der Alpen.
  • Brückenschlag: Die Krämerbrücke ist nicht die einzige in Erfurt. Ca. 240 Brücken überspannen heute die Wasserläufe und Straßen im Stadtgebiet, 37 davon gelten als historisch. Sie brachten der Innenstadt den Beinamen „Klein-Venedig“.
  • Thüringer Dolce Vita: Wer an einem Sommerabend durch die Erfurter Innenstadt flaniert, wähnt sich zuweilen in Italien. Kleine schmale Gässchen mit liebevoll restaurierten Häusern, prächtige Bauwerke und viele italienische Restaurants sorgen für einen Hauch von Dolce Vita.
  • Auf dem Trockenen: Die Landeshauptstadt Thüringens ist im Deutschlandvergleich die Stadt mit dem wenigsten Niederschlag. Gerade mal auf 556,8 Millimeter kommt die Stadt im Mittel pro Jahr. 
  • Völlig Wurst, welche Jahreszeit gerade ist: überall glühen in Erfurt die Holzkohlengrille und darauf brutzelt die Leib- und Magenspeise der Einheimischen – die original Thüringer Rostbratwurst, die immerhin auf eine 600-jährige Tradition verweisen kann.

Erfurt wird chronisch unterschätzt

Erfurt ist wohl so etwas wie ein Geheimtipp und löst jene glückliche Faszination aus, die Urlauber befällt, wenn sie zufällig einen versteckten Traumstrand jenseits der Touristen-Hotspots entdeckt haben. Da gibt es das bekanntere Weimar, den Rennsteig, die Wartburg – sie alle gehören zum Pflichtprogramm auf jeder Thüringen-Rundreise. Für die weniger bekannte Landeshauptstadt wird zwar meist auch ein kurzer Stopp eingeplant, aber eben nur der Vollständigkeit halber. Nach dem Besuch sind die Reaktionen immer die gleichen: Staunen, weil Erfurt alle Erwartungshaltungen übertroffen hat und Bedauern, dass man sich nicht mehr Zeit für diese wunderschöne Stadt mit ihren Türmen, Gässchen und unzähligen Brücken genommen hat.

Schwarmstadt mit starkem Zuzug

Nun sind Urlauber die eine Sache, Einwohner eine ganz andere. Es ist nicht schwer, sich für eine fremde Stadt einen Tag oder auch eine unbeschwerte Woche lang zu begeistern. Dort zufrieden zu leben und zu arbeiten, erfordert aber mehr als hübsche Fachwerk-Fassaden. Doch auch hier scheint Erfurt die Menschen in seinen Bann zu ziehen. Entgegen aller Prognosen – um die Jahrtausendwende wurde Erfurt ein Einwohnerrückgang auf 180.000 Bürger vorausgesagt – zählt die Stadt heute rund 215.000 Einwohner. „Erfurt ist eine Schwarmstadt“, sagte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein gegenüber der Zeit. „Im Saldo wachsen wir um 1.500 Menschen jährlich.“ Der starke Zuzug in den vergangenen Jahren sei ein großes Glück für die Stadt aber gleichzeitig auch eine riesige Herausforderung.

Attraktiv für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Das stetig wachsende Arbeitskräftepotenzial macht Erfurt attraktiv für Arbeitgeber, ebenso wie die hervorragende Infrastruktur. Die Stadt liegt zentral im Mittelpunkt Deutschlands mit besten Anbindungen an das Straßen- und Schienenverkehrsnetz. Das garantiert kurze Wege in alle Himmelsrichtungen. Hinzu kommen die weichen Faktoren: Eine wunderschön sanierte Altstadt als Wohlfühlfaktor in der Innenstadt und der vielfältige Mix aus Flair, Kultur, attraktivem Einzelhandel und Gastronomie garantieren eine hohe Lebensqualität, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu schätzen wissen. Auch wenn das Problem der Arbeitslosigkeit noch nicht vollends gelöst ist, seit Jahren steigt die Anzahl der versicherungspflichtig Beschäftigten und ebenso das Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen.

Vielseitig: Lokaler Arbeitsmarkt bietet Jobs in vielen Branchen

Vor allem das Zusammenspiel von traditionellen und neu aufstrebenden Branchen prägt den Wirtschaftsstandort mit über 14.000 Unternehmen und garantiert Vielfalt – auch auf dem Arbeitsmarkt. Der Maschinen- und Anlagenbau ist in Erfurt stark vertreten, ebenso die Medien- und Kreativwirtschaft, der Gartenbau, die Nahrungsgüterindustrie und die Logistik. Auch als Technologiestandort hat sich Erfurt unter anderem durch die Bereiche Mikrotechnologie, Sensorik und IT einen Namen gemacht. In diesen Wirtschaftsfeldern sind Zalando, die Mediengruppe Thüringen, KNV, X-Fab, Computacenter, Siemens, Schuler, Redcoon, Qundis, Melexis, Ibykus, die Deutsche Post DHL und DMK die mitarbeiterstärksten Unternehmen am Standort.

Die größte Stadt Thüringens ist zugleich Verwaltungs-, Handels- und Dienstleistungszentrum des Freistaates. So ist es nicht verwunderlich, dass das Land Thüringen mit knapp 12.000 Beschäftigten und die Stadtverwaltung Erfurt mit rund 3.500 Mitarbeitern die größten Arbeitgeber im Stadtgebiet sind, gefolgt von der Stadtwerke Erfurt Gruppe und dem Helios Klinikum. Auch weitere Dienstleistungsbereiche wie Call-Center, Arbeitnehmerüberlassung, Banken und natürlich der (Einzel-) Handel sind in Erfurt als Einkaufsstadt mit überregionaler Anziehungskraft stark vertreten.

Wohnen in Erfurt: Villenviertel und Plattenbau

Wie in vielen ostdeutschen Städten tun sich zwischen den verschiedenen Wohngebieten der Stadt breite Gräben auf. Es gibt die hübschen und aufwendig sanierten Altbauwohnungen in der Innenstadt, eindrucksvolle Villen in den historischen Vorstädten wie Brühlervorstadt und es gibt „die Platte“. Die weitläufigen Plattenbausiedlungen aus DDR-Zeit sind das Sorgenkind der Städteplaner. Zwar wurden auch sie weitgehend saniert und bieten guten Wohnkomfort zu sehr günstigen Mietpreisen, aber gerade das macht sie zu Enklaven sozial schwächerer Einwohner, die hier weitgehend unter sich bleiben. Doch das Risiko einer Spaltung der Erfurter in arm und reich wurde erkannt. Umfassende Baumaßnahmen und neue Wohnkonzepte sollen Brücken innerhalb und zwischen den verschiedenen Wohnvierteln schlagen und ein Miteinander aller sozialen Schichten gewährleisten.

Eine Stadt mit besonderem Flair

Gerade dieses Miteinander, eine starke Solidarität, macht die Seele Erfurts aus. Man leidet zusammen und richtet sich gegenseitig wieder auf, wie nach dem furchtbaren Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium. Und ebenso kommt man in Erfurt zum Feiern zusammen; gern und oft. Ob Altstadtfrühling, Töpfermarkt, Domstufenfestspiele, Blumenmarkt, Krämerbrückenfest, Weinfest, Jazzmeile oder Weihnachtsmarkt – die Liste an Stadtfesten ist lang. Und wie die vielen Touristen nach einem Kurzbesuch verlieben sich die Einheimischen jedes Mal aufs Neue in den Marien-Dom, in die beindruckende Severikirche, in die mächtige Zitadelle Petersberg und in die berühmte Krämerbrücke, die sich malerisch mit ihren Galerien, Weinstübchen, Musik- und Antiquitätengeschäften über die Gera spannt. 

Quellen: www.erfurt.de, www.erfurt.ihk.de, www.germany.travel, www.zeit.de, www.mdr.de

Bildquelle: ©  TellyVision – Shutterstock.com

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