In Assessment-Centern, auch Potenzial-Analyse, Management-Audit oder Development-Center genannt, geht es um die Persönlichkeit des Bewerbers. Die Karriereberater Püttjer & Schnierda verraten hier, wie Sie sich am besten darauf vorbereiten. Nicht Ihr Fachwissen, sondern Ihre Soft Skills stehen im Assessment Center im Vordergrund. Beobachtet und bewertet werden Sie in verschiedenen Übungen, die Ähnlichkeiten zum Berufsalltag aufweisen. Doch wie erreichen Sie in diesem Härtetest ein gutes Ergebnis?

Kennen Sie die typischen Übungen?

Zunächst sollten Sie sich einen Überblick über die typischen Assessment-Center-Übungen verschaffen. Fast immer eingesetzt werden Mitarbeitergespräche, Kundengespräche, Vorträge, strukturierte Vorstellungsgespräche und Tests zur Einschätzung der eigenen Persönlichkeit. Dies gilt sowohl für Einzel-Assessment-Center wie auch für Gruppen-Assessment-Center. Bei letzteren gehören natürlich auch Gruppendiskussionen dazu. Hier einige Beispielaufgaben aus Original-Assessment-Centern:

  • Gruppendiskussion: Klären Sie in der Gruppe, wie der Lebensmitteleinzelhandel seine Chancen im Internet – Stichwort „E-Food“ – nutzen kann!
  • Mitarbeitergespräch: Ihr Mitarbeiter surft während der Arbeitszeit im Internet und postet auf Facebook. Bitte stellen Sie dieses Fehlverhalten ab!
  • Kundengespräch: Ein Mitbewerber hat einen Ihrer Schlüsselkunden abgeworben. Holen Sie ihn mit guten Argumenten zurück!
  • Vortrag: Wie können wir als Autohersteller mit unseren neuen Elektromobilen weiter unseren Premiumanspruch gegenüber Kunden verdeutlichen?

Postkorbübungen, in denen in kurzer Zeit viele Schriftstücke beruflicher und privater Natur gesichtet und bewertet werden müssen, werden mittlerweile seltener eingesetzt. Dafür sind Fallstudien und Business-Cases, in denen umfangreiches Zahlenmaterial und wichtige Kennziffern zur Unternehmensentwicklung ausgewertet werden müssen, insbesondere in Assessment-Centern für kaufmännische Führungskräfte, auf dem Vormarsch.

Wissen Sie, was der Firma wichtig ist?

Assessment-Center werden mittlerweile deutlich berufsnäher ausgestaltet. Führungskräfte müssen daher mit einem höheren Anteil an Mitarbeitergesprächen rechnen. Von Berufseinsteigern wird erwartet, dass sie sich für ihre Ideen und Argumente Gehör in Gruppendiskussionen und Vorträgen verschaffen. Und wenn Positionen im Vertrieb besetzt werden sollen, geht es immer darum aufgebrachte Kunden in Reklamationsgesprächen zu besänftigen und neue Kunden in Beratungsgesprächen zu gewinnen. Weiter ist in Assessment-Centern in den letzten Jahren der Trend zu beobachten, dass Kandidatinnen und Kandidaten für negative Entwicklungen Lösungen finden müssen. Rechnen Sie also damit, dass Sie fiktiven Mitarbeitern erklären müssen, warum diese trotz sinkendem Abteilungsbudget mehr leisten sollen oder dass Sie als Unternehmensrepräsentant bei gleichbleibenden Leistungen Preiserhöhungen gegenüber Kunden durchsetzen sollen.

Wir wirken Sie auf andere?

Wenn Sie Ihre Assessment-Center-Vorbereitung strategisch angehen möchten, sollten Sie Ihre Persönlichkeit, damit meinen wir ganz plakativ Ihr persönliches Auftreten in beruflichen Situationen, auch einmal kritisch auf den Prüfstand stellen. Dabei helfen Ihnen diese Fragen:

  • Wie gut bringen Sie Ihre Ideen in Meetings und Konferenzen ein?
  • Wie souverän ist Ihre Körpersprache vor einem Publikum, dass kritische Nachfragen stellt?
  • Wie reagieren Sie auf zögerliche, demotivierte oder dominante Kollegen?
  • Mit welchen Argumenten überzeugen Sie schwierige Kunden?

Sollten Sie hier Handlungsbedarf bei sich sehen, ist es durchaus sinnvoll, gezielt Seminare oder Trainings in den Bereichen Rhetorik, Mitarbeiterführung oder Verkauf zu besuchen und das neue Wissen anschließend im Berufsalltag auszuprobieren und einzusetzen. Vorteil für Sie: Sie fühlen sich danach nicht nur in Ihrem Berufsalltag wohler – sondern auch im Assessment-Center.


Über die Autoren: Christian Püttjer und Uwe Schnierda sind seit 1993 als Bewerbungsberater und Karrierecoaches tätig. Ihre Erfahrungen aus Einzelcoachings und Seminaren rund um die Themen Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch, Arbeitszeugnis und Assessment-Center haben sie in mehr als 70 Praxisratgeber eingebracht und damit schon über einer Million Leserinnen und Lesern weitergeholfen. Püttjer & Schnierda bloggen auf Karriereakademie. Bildquelle: © Africa Studio – Fotolia.com

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