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Sie werden gerne als „Hoffnungsträger der Nation“ gesehen: Nur die deutsche Ingenieurskunst ist es, die den Standort im globalen Wettbewerb behaupten lässt. Damit eine Ingenieurskarriere aber erfolgreich wird, reicht es nicht, allein das „richtige“ Studienfach gewählt zu haben. Der Berufseinstieg sollte auch unter den Gesichtspunkten der Selbstvermarktung geplant werden – einer Disziplin, die vielen Ingenieuren nicht unbedingt in die Wiege gelegt ist. Der Satz „Deutschland lebt vom Rohstoff Wissen“ wird zuweilen etwas überstrapaziert, doch verliert er dadurch nichts von seiner Gültigkeit. Insbesondere Ingenieure sind hierbei treibende Kräfte, wenn es darum geht, Innovationsmotor für den Standort Deutschland zu sein. Branchen wie Automotive – nicht nur die großen Fahrzeughersteller, sondern in mindestens ebenso starkem Maße deren Zulieferer – oder auch Elektro, Energie, Chemie oder Pharma prägen das industrielle Gesicht Deutschlands und sind nicht selten sogar Weltmarktführer. Dabei muss es sich nicht immer nur um Großkonzerne handeln, auch innovative Mittelständler sind nicht selten führend in ihrem Kernmarkt – man spricht hierbei von hidden champions. Die Entwicklung des Standorts von Unternehmen und Branchen ist stark mit der Innovationskraft der Ingenieurswissenschaften verknüpft.

Brose

Technik beziehungsweise deren Weiterentwicklung determinieren das Zukunftspotenzial von Unternehmen im globalen Wettbewerb – Ingenieure steuern die Innovationen in Forschung und Entwicklung, Konstruktion, Fertigung oder auch Qualitätsmanagement. Beispiel Brose: Das Unternehmen mit Sitz in Coburg beschäftigt etwa 7.500 Mitarbeiter und ist weltweiter Marktführer im Segment Fensterheber (Marktanteil 23 Prozent) oder auch Türsysteme (Marktanteil 36 Prozent). Wachstum und Innovationskraft korrelieren stark mit der Gewinnung herausragender Mitarbeiter. Brose fördert leistungsorientierte und engagierte Nachwuchsingenieure. Hierzu Michael Stoschek, geschäftsführender Gesellschafter der Brose-Gruppe: „Wir suchen die Besten, denn wir haben anspruchsvolle Aufgaben“. Der international tätige Automobilzulieferer unterstützt Studierende der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektro-, Fertigungs- und Fahrzeugtechnik, Mechatronik sowie Wirtschaftsingenieurwesen. Neben der finanziellen Förderung bietet das Unternehmen den angehenden Ingenieuren umfassende Betreuung und studienbegleitende Qualifizierung, Auslandspraktika und Diplomarbeiten. Per anno investiert Brose, dessen Umsatz sich der zwei Milliarden Euro-Marke nähert, mehr als 85.000 Euro in die Stipendiaten-Förderung. Die Stipendienvergabe richtet sich an Studierende, die ihr Vordiplom bereits abgeschlossen haben. Wie innovativ jener hidden champion ist, belegen eine Investitionsquote von acht Prozent sowie die Forschungs- und Entwicklungsquote von sieben Prozent (Zahlen jeweils Prognose für 2003).Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR-Center of Automotive Research an der Fachhochschule Gelsenkirchen, beschreibt die Innovationsstärke und Perspektiven bei Unternehmen der Automobilzulieferindustrie: „Ein junger Daniel Düsentrieb ist in der Entwicklungsabteilung eines großen Zulieferers bestens aufgehoben. Gesucht sind Elektroingenieure und Informatiker sowie alle Berufsgruppen rund um den Maschinenbau. Produktionstechniker werden ebenfalls gesucht und zunehmend auch Wirtschaftsingenieure mit Marketingkenntnissen, die den Endkunden verstehen und die Marktentwicklung im Auge haben.“ Nachwuchsingenieure haben glänzende Perspektiven, auch weil jährlich etwa 20.000 Ingenieur-Absolventen fehlen, wie der VDI ermittelte. VDI-Präsident Hubertus Christ gab zurecht auf dem diesjährigen Deutschen Ingenieurstag zu verstehen, dass die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland mit den Ingenieuren steht und fällt. Ein zentrales Innovationsfeld bildet beispielsweise die Nanoelektronik: Winzige elektronische Bauelemente bestimmen in fast allen technischen Branchen immer stärker den Wettbewerbsvorsprung von Unternehmen am Standort Deutschland. Die Elektronik trägt zu immer größeren Anteilen zur Wertschöpfung im Automobil- und Maschinenbau bei. Ingenieursleistungen auf Weltniveau sichern nachhaltig die Positionen von Firmen am Weltmarkt.

Freudenberg Gruppe

Beispiel Nummer zwei eines hidden champions ist die Freudenberg Gruppe, welche ein diversifiziertes Unternehmen mit Aktivitäten unter anderem in den Bereichen Dichtungs- und Schwingungstechnik, Anlagen- und Werkzeugtechnik sowie IT-Dienstleistungen ist. Im Jahr 2003 erwirtschaftete die Unternehmensgruppe einen Umsatz von vier Milliarden Euro und beschäftigte in 44 Ländern rund 28.000 Mitarbeiter. Das Bekenntnis zur Innovation als unverzichtbarer Beitrag zur Erhaltung und Steigerung des Unternehmenswertes ist dabei evident. Wie Brose ist auch Freudenberg ein Zulieferer in erster Linie, obgleich Freudenberg verschiedene Branchen als Abnehmer aufweist. Zu nennen sind die Kraftfahrzeug-, die Investitionsgüter- sowie die Textilindustrie.

Siemens AG

Der Münchner Konzern Siemens AG bietet Absolventen bevorzugt der Fachrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen und -informatik ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten im In- und Ausland. „Menschen, die engagiert und innovativ Ideen voranbringen“ sind als Bewerber herzlich willkommen. Siemens bietet ein höchst innovatives Umfeld, was die weltweite Spitzenstellung bei Elektrotechnik und Elektronik belegt. Standorte in über 190 Ländern, das vernetzte Wissen von über 400.000 Mitarbeitern in über 200 Business Units sowie unterschiedlichste Tätigkeitsfelder zählen zu den besten Argumenten für einen Berufseinstieg bei Siemens. Ein Blick auf die Webseite www.si-q.com informiert bestens.

Innovation als Wettbewerbsvorteil

Thema Innovationen. Dr. Wilhelm Sittenthaler, Mitglied der Geschäftsführung des Münchner Wackerunternehmens, betont deren Bedeutung: „Deutschland ist ein Standort mit hohen Löhnen, hohen Kosten und hohen Sozialstandards. Und das wird auch in Zukunft so bleiben. Über niedrige Preise werden wir also im weltweiten Wettbewerb auf Dauer nicht gewinnen können. Wir brauchen bessere Produkte als unsere Konkurrenten. Und wir müssen sie schneller auf den Markt bringen. Beides geht nur durch Innovationen. Innovationen sind der Schlüssel zur Erhaltung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit und damit auch zur Erhaltung unseres Wohlstandes und zur Erhaltung unserer Arbeitsplätze. Deshalb sind Innovationen so wichtig – für unsere Unternehmen und für den Standort Deutschland insgesamt.“

Fachkräftemangel im Ingenieurwesen

Die nächsten Jahre werden – so die einhelligen Prognosen – von einer sogenannten Unterversorgung des Arbeitsmarktes mit frischen Ingenieuren von den Hochschulen geprägt sein. Für den Bereich Maschinenbau wird mit einer Unterversorgung ab 2005 gerechnet, der Elektrotechnik werden bis 2005 hingegen 14.000 Ingenieure (und vor allem Ingenieurinnen) fehlen. Der Ersatz- und Neubedarf an Ingenieuren betrug im Jahr 2000 etwa 10.000 Absolventen, wobei mit einer Steigerung auf 16.000 bis zum Jahr 2005 gerechnet wird. Der Mangel an qualifizierten Ingenieuren wird sich einerseits in einem anwachsenden Wettbewerb von Unternehmen um die besten Absolventen ausdrücken, andererseits wird die Innovationsfähigkeit jener Unternehmen gehemmt, die forschungsintensiv arbeiten und auf eine hohe Anzahl an Elektro- oder Maschinenbauingenieuren angewiesen sind. Einer Schätzung zufolge gehen bei rund 3.500 unbesetzten Ingenieursstellen in der Elektrotechnik-Industrie etwa 17.000 weitere Arbeitsplätze verloren, weil ingenieurswissenschaftliche Vorleistungen nicht erbracht werden.

Sehr gute Einstiegschancen für Wirtschaftsingenieure

Weitere Märkte mit Zukunftspotenzial bieten eindeutig die Medizin- und IT-Branche. Auch hier sind wieder Wissen und neue Lösungen von Ingenieuren gefragt. Die Stahlbranche erlebt derzeit ein von der Öffentlichkeit beinahe unbeachtetes Hoch – Grund ist die starke Nachfrage aus China – und bietet hervorragende Einstiegschancen, nicht zuletzt aufgrund der Internationalität des Marktes. Stahl ist weltweit der wichtigste industrielle Werkstoff und wird dies trotz der Konkurrenz von Kunststoffen oder Aluminium als Alternative bleiben. Innovationen sind eine treibende Kraft, da in den nächsten Jahren mindestens ein Drittel des vorhandenen Stahls weiterentwickelt werden wird. Werkstofftechniker oder auch Wirtschaftsingenieure mit Fremdsprachenkenntnissen können sich über sehr gute Einstiegschancen freuen. Traditionell werden Traineeprogramme sehr gerne in der Stahlbranche angeboten, um den Führungskräftenachwuchs an das Unternehmen zu binden. Traineeprogramme sind zuweilen hochwertiger als ein Einstieg on-the-job, da Arbeitgeber in Trainees Zeit und Geld investieren, damit diese dem Unternehmen möglichst langfristig erhalten bleiben: Das Kennenlernen der unterschiedlichen Unternehmensbereiche, Aufenthalte in ausländischen Niederlassungen, Weiterbildungsangebote sowie begleitendes Mentoring bilden wichtige Komponenten eines guten Traineeprogramms. Der Beitrag von Ingenieuren für den Wirtschafts- und Innovationsstandort ist beträchtlich: Global Player benötigen ebenso wie hidden champions aus den Reihen der Mittelständler hervorragend qualifizierten Nachwuchs von den Hochschulen. Abseits der originären Fachkenntnisse sind insbesondere soft skills wie Kommunikations- und Teamfähigkeit gefragt, jedoch zunehmend auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Innovationen müssen schließlich in Produkte umgesetzt werden, die vor dem Kunden präsentiert und vermarktet werden. Innerhalb der Unternehmen ist vernetztes Denken gefragt, da die Bereiche stärker denn je zusammenarbeiten müssen, damit sich die Firma im globalen Wettbewerb – und unter diesem Wettbewerbsdruck agieren „ingenieurs-lastige“ Unternehmen – durchsetzen kann. Die Anzahl von Deutschlands Patenten, die in Europa, den USA und Japan angemeldet wurden, ist in den letzten zehn Jahren um etwa 30 Prozent gestiegen. Der stete Kontakt zu Hochschulen, zu Forschung und Lehre ist Grundlage für eine innovative Wirtschaft. Ingenieure haben zudem durch die steigende Verflechtung von gesellschaftlicher und technologischer Entwicklung einen Bedeutungszuwachs erhalten. Innovationen prägen somit nicht nur den Standort in wirtschaftlicher, sondern eben auch in sozialer Hinsicht. Die Ampeln für Absolventen ingenieurswissenschaftlicher Disziplinen am Arbeitsmarkt stehen – jedenfalls längerfristig – auf grün.


Quelle: Unicompact.de Bildquelle: © Dmitry Kalinovsky – Veer.com

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