Geheimcodes im Arbeitszeugnis: Das bedeuten die Formulierungen wirklich

„Er stand stets voll hinter seinen Kollegen.“ Hoppla – wenn das so in Ihrem Arbeitszeugnis formuliert ist, sollten Sie schleunigst eine Korrektur verlangen. Denn es bescheinigt Ihnen nicht etwa Teamgeist und Hilfsbereitschaft, sondern ein handfestes Alkoholproblem. Obwohl oder gerade weil solche Doppeldeutigkeiten und versteckte Botschaften im Arbeitszeugnis nicht erlaubt sind, sollten Sie den Zeugnistext genau prüfen. Wir sagen Ihnen, auf welche Formulierungen Sie gerne verzichten können.

Wenig Lob ist Kritik genug

Das Arbeitszeugnis – ein Quell atemberaubender Wortakrobatik. Mit allerhand Superlativen werden höchste Lobpreisungen auf den Arbeitnehmer komponiert oder aber dieser durch spitzfindigen Wortverzicht und Doppeldeutigkeit in die berufliche Verbannung geschickt. Warum so kompliziert? Ganz einfach: Weil so ein Arbeitszeugnis grundsätzlich wohlwollend formuliert sein muss und das wiederum ist gar nicht so einfach. Denn selbst wenn der Chef berechtigte Kritik an der Arbeitsleistung oder dem persönlichen Verhalten seines künftigen Ex-Mitarbeiters anbringen könnte, darf er das schlichtweg nicht. Er kann also nur kritisieren, indem er so wenig überschwänglich wie möglich lobt.

Arbeitgeber dürfen keine Geheimcodes verwenden

Wen wundert es da, dass im Zusammenhang mit dem Arbeitszeugnis der Begriff „Geheimcode“ häufiger fällt als auf den knapp 500 Seiten von Dan Browns „The Da Vinci Code“. Dabei sind geheime Botschaften im Arbeitszeugnis ebenfalls nicht erlaubt. Gemäß der Gewerbeordnung (§ 109 Abs.2, Satz 2 GewO) darf ein Zeugnis keine „Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen“. Vermuten Sie zwischen den Zeugniszeilen trotzdem eine verdeckte Abwertung, können Sie von Ihrem Arbeitgeber eine Änderung verlangen oder notfalls auch auf Zeugnisberichtigung klagen.

Die 15 häufigsten „Geheimcodes“ im Arbeitszeugnis

Allerdings müssen Sie dann das Gericht vom verbotenen negativen Geheimcode überzeugen. Das lässt sich jedoch kaum nachweisen. Gerichtlich anerkannte Geheimcodes wären ja  kaum geheim und würden daher auch keine Verwendung finden. Dennoch kursieren im Netz mittlerweile lange Listen an Formulierungen, denen nachgesagt wird, auf subtile Art und Weise etwas anderes zu meinen, als wortwörtlich geschrieben steht. Selbst wenn das – wir erwähnten es bereits – eigentlich verboten wäre. Wirklich geheim sind sie auch nicht mehr, aber mitunter sehr amüsant. Die schönsten Beispiele möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

  1. „Sie hat alle Aufgaben in ihrem und im Firmeninteresse gelöst“
    Geheimcode für: Die Kollegin hat des Öfteren Firmeneigentum gestohlen
  2. „Er führte mit fester Hand / konsequent / straff demokratisch
    Geheimcode für: Dieser Vorgesetzte ist sicher kein Teamplayer, er bevorzugt den autoritären Führungsstil.
  3. „Wir bestätigen gerne, dass er stets mit Fleiß, Ehrlichkeit und Pünktlichkeit an seine Aufgaben herangegangen ist“
    Geheimcode für: Mehr als das kann man von diesem Mitarbeiter nicht erwarten. Seine fachlichen Qualifikationen sind nicht erwähnenswert.
  4. „Sie bewies Fachwissen und ein gesundes Selbstvertrauen.“
    Geheimcode für: Die Dame neigt zur Überheblichkeit – eine Büro-Diva.
  5. „Er war bei den Kunden überaus beliebt.“
    Geheimcode für: Der Mitarbeiter besitzt keine Verhandlungsstärke. Kein Wunder, dass die Kunden ihn mögen.
  6. „…die ihm gemäßen Aufgaben“
    Geheimcode für: anspruchslose Aufgaben
  7. „Er verfügt über ein sehr gutes Einfühlungsvermögen und konnte sich in die Belange der Belegschaft sehr gut hineinversetzen.“
    Geheimcode für: Kümmert sich besonders in die Belange der weiblichen Belegschaft. Dieser Kollege flirtet heftig und lässt nichts anbrennen.
  8. „Sie zeigte für ihre Arbeit Verständnis und Interesse.“
    Geheimcode für: Motivation oder Leistungsbereitschaft zeigte sie aber nicht.
  9. „Wir wünschen ihm alles Gute und Gesundheit!“
    Geheimcode für: Hat häufig krankheitsbedingt gefehlt.
  10. „Wir lernten Sie als umgängliche Kollegin kennen.“
    Geheimcode für: Bei den Kollegen war sie nicht sonderlich beliebt.
  11. „Er hat sich um ordnungsgemäße Erledigung gekümmert.“
    Geheimcode für: Das deutet auf die Arbeitsweise eines Bürokraten hin.
  12. „Sie hat ihre Aufgaben mit Eifer erledigt.“
    Geheimcode für: Sie war stets bemüht … aber letztendlich erfolglos.
  13. „Seine umfangreiche Bildung machte ihn stets zu einem gesuchten Gesprächspartner.“
    Geheimcode für: Gebildet oder nicht – er war geschwätzig und führte lange Privatgespräche im Dienst.
  14. „Sie war sehr gesellig, was zur Verbesserung des Betriebsklimas beitrug.“
    Geheimcode für: Die Dame ist dem Alkohol nicht abgeneigt.
  15. „Er stand stets voll (!) hinter seinen Kollegen.“
    Geheimcode für: Der Herr hat ein echtes Alkoholproblem.

Quellen: https://www.hensche.de/Zeugnis_Geheimcode_Wann_enthaelt_ein_Zeugnis_einen_Geheimcode_Zeugnis_BAG_9AZR386-10.html#tocitem1
https://www.karrieresprung.de/arbeitszeugnis
https://www.arbeitszeugnisse.de/arbeitszeugnis-formulierungen/geheimcode/beispiele-fuer-formulierungen/

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