Gefeuert! So erklären Sie im Bewerbungsgespräch eine Kündigung

Im besten Fall sind Bewerbungsgespräche einfach nur stressig. Wenn Sie zudem gerade eine Kündigung verarbeiten müssen, liegen Ihre Nerven wahrscheinlich blank. Erst recht, wenn Sie im Interview mit der Frage konfrontiert werden, warum man Sie entlassen hat. Lesen Sie hier, wie Sie sich ideal auf die heikle Frage vorbereiten können.

So wie Sie sich im Vorfeld eines Bewerbungsgespräches bereits Antworten auf andere häufig gestellte Interviewfragen zurechtlegen, sollten Sie auch eine Antwort auf Frage parat haben, warum Sie entlassen wurden. Prägen Sie sich ein paar allgemeine Formulierungen ein. Das wird Ihnen helfen, während des Interviews professionell auf die heikle Frage zu antworten. Hier sind einige Tipps, die helfen, einem potenziellen Arbeitgeber eine Kündigung zu erklären:

Ehrlich währt am längsten

Versuchen Sie, möglichst neutral die Umstände Ihrer Kündigung zu betrachten. Wurden sie aufgrund eines Konflikts mit einem Kollegen entlassen? Dann bewerten Sie sachlich Ihre Position in dieser Auseinandersetzung. Haben Sie die geforderten Ziele nicht erreicht? Beurteilen Sie, ob es an Ihrer mangelnden Anstrengung oder Motivation lag. Bevor Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber eine ehrliche Antwort geben können, müssen Sie sich selbst sachlich mit den Ursachen auseinandersetzen. Sollte der Personaler auf Ihre Kündigung zu sprechen kommen, versuchen Sie nicht, sie lapidar als Arbeitspause oder ähnliches zu verharmlosen. Denn selbst wenn Sie für einen Neuanfang in eine neue Stadt gezogen sind, wird er Ihre Angaben überprüfen können. Eine ehrliche und wenn nötig selbstkritische Antwort spricht dann für Sie.

Nicht über den alten Chef herziehen

Im Bewerbungsgespräch wollen Sie zeigen, dass Sie für das neue Team und das Unternehmen eine wertvolle Ergänzung sind. Genau das Gegenteil erreichen Sie aber, wenn Sie sich negativ über Ihren letzten Arbeitgeber äußern. Kritisieren Sie Ihren alten Chef nicht vor dem Neuen. Noch wichtiger: Tratschen Sie nicht über Ihren letzten Vorgesetzten, Ihre Kollegen oder die Firma, für die Sie gearbeitet haben. Abgesehen davon, dass man Ihnen mangelnde Reife und Diskretion unterstellt, werden Sie mit diesem Verhalten den Eindruck vermitteln, Sie seien ein Mitarbeiter, der das Team spaltet.

Keine Schuldzuweisungen

Nicht nur Kritik und Tratsch auch Schuldzuweisungen sollten Sie im Bewerbungsgespräch nicht äußern. Ihr potenzieller Arbeitgeber erwartet, dass Sie sowohl für Ihre bisherigen Handlungen als auch für Ihre Leistung am Arbeitsplatz Verantwortung übernehmen. Egal wie ungerecht Sie sich in Ihrem alten Job vielleicht behandelt fühlen, schlussendlich müssen Sie die Kündigung akzeptieren. Das heißt nicht, dass Sie dem Personaler detailliert erläutern sollen, warum Sie die Erwartungen Ihres Chefs nicht erfüllen konnten. Aber Sie müssen in der Lage sein, die Verantwortung dafür zu übernehmen und wieder nach vorn zu schauen.

Bringen Sie die Sache auf den Punkt

Viele Kandidaten verlieren sich in weitschweifenden Erklärungen, wenn sie versuchen, die Fragen nach dem Warum zu beantworten. Sie müssen nicht minutenlang die Umstände rund um Ihre Kündigung erläutern. Bringen Sie die Fakten möglichst einfach und schnell auf den Punkt. Berichten Sie also nicht lang und breit über Ihre kranke Oma, Ihre Chiropraktiker-Termine oder andere Ereignisse, die dazu geführt haben, dass Sie unpünktlich waren. Stellen Sie stattdessen klar: „Ich habe in Kauf genommen, dass persönliche Umstände meine Anwesenheit am Arbeitsplatz beeinträchtigt haben. Meine private Situation ist jetzt aber stabil und wird sich nicht negativ auf meine Arbeitszeit auswirken.“

Nicht verbittert sein

Wirken Sie aufgrund der Kündigung verbittert oder niedergeschlagen, macht Sie das in den Augen eines neuen Arbeitgebers unattraktiv. Selbst wenn Sie überzeugt sind, dass es ein Fehler war, sie gehen zu lassen, stehen Ihnen Wut und Enttäuschung über die Entscheidung Ihres alten Arbeitgebers schlecht zu Gesicht. Betonen Sie nicht ständig Ihr Scheitern, sondern versuchen Sie die persönlichen Auswirkungen der Kündigung im Gespräch zu minimieren.

Aus Fehlern lernen

Vermitteln Sie in Ihrer Antwort auch, was Sie aus der Kündigung gelernt haben. Das zeigt dem potentiellen Arbeitgeber, dass Sie lernfähig sind und Ihre Verhaltensweisen reflektieren. So ziehen Sie aus einer negativen Erfahrung einen positiven Nutzen. Mit der Fähigkeit, sich den eigenen Schwächen bewusst zu werden und aus Fehlern zu lernen, beweisen Sie dem Interviewer Ihre Offenheit und Reife.

Stellen Sie Ihr Können in den Vordergrund

Es ist nicht einfach, in einem Gespräch über die Kündigung gleichzeitig Ihre Fähigkeiten und Qualifikationen zu präsentieren. Wenn Sie aber in der Lage sind, die Diskussion elegant auf Ihren Wert für das Unternehmen zu lenken, können Sie das Bewerbungsgespräch auf einem positiven Kurs halten. Etwa so: „Es tut mir leid, die Firma X zu verlassen. Ich habe dort sehr viel über den Application Development Lifecycle gelernt. Deshalb denke ich, dass ich für die Position in Ihren Unternehmen sehr gut geeignet bin.“

Übung macht den Meister

Gekündigt zu werden ist eine emotionale Erfahrung. Auch noch Wochen oder Monate danach fällt es vielen schwer, objektiv und ruhig darüber zu sprechen. Durch das Üben einer Antwort, lassen sich die Emotionen in Schach halten und Sie verhindern, dass Ihnen das Bewerbungsgespräch entgleist. Schreiben Sie Ihre Antwort auf die Frage, warum Sie entlassen wurden, zunächst auf und legen Sie sie weg. Lesen Sie die Begründung am nächsten Tag erneut. Wenn Sie mit Ihrer schriftlichen Antwort zufrieden sind, probieren Sie sie an einem objektiven Freund oder Familienmitglied aus. Überdenken Sie deren Feedback und überarbeiten Sie gegebenenfalls Ihre Antwort noch einmal. Wenn Sie vollständig zufrieden sind, können Sie sich die Sätze einprägen und vor einem Spiegel üben. Sobald Sie Ihre Antwort voll und ganz verinnerlicht haben, sind Sie in der Lage, offen über Ihre Kündigung zu sprechen.


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