Ihr Vorgesetzter hat zwar das Sagen – doch Sie können ihn dazu bringen, das zu sagen, was Sie hören wollen. Ein neues Projekt, ein schnellerer PC, mehr Eigenverantwortung, der ersehnte Fortbildungskurs oder ein größeres Budget – alles so gut wie genehmigt, wenn Sie unsere Kurzanleitung für Chefs befolgen.

Auch wenn es Ihnen manchmal nicht so erscheint, aber Ihr Chef ist auch bloß ein Mensch. Genau wie wir alle hat er Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen, die Sie mit etwas Menschenkenntnis geschickt für sich nutzen können. Wenn Sie Ihren Boss erfolgreich um den Finger wickeln wollen, finden Sie zunächst heraus, welcher Typ er ist.

Der Ängstliche: Eigentlich hasst er Verantwortung und würde am liebsten gar nichts entscheiden. Als geborene „zweite Geige“ ist er vom stellvertretenden Abteilungsleiter vermutlich nahtlos zum stellvertretenden Geschäftsführer aufgerückt, denn er wird dem Oberhäuptling Ihrer Firma garantiert nie am Stuhlbein sägen.

Vorsicht, gerade weil er alles andere als autoritär wirkt und im Grunde keine Ahnung hat, wird er Ihnen nie verzeihen, wenn Sie seinen Führungsanspruch öffentlich infrage stellen. Machen Sie also nicht den Fehler, ihn eindeutig zu übergehen, aber erwarten Sie auch nicht, dass er Ihr Anliegen für Sie nach oben durchboxt.

Ihre Chef-Strategie: Solange Sie den Schein wahren, ist der Ängstliche eigentlich froh, wenn Sie ohne ihn klarkommen. Bringen Sie wichtige Anliegen also am besten direkt eine Etage höher an. Fragen Sie ihn aber vorher um Erlaubnis. Wenn Sie auf seinen Segen unbedingt angewiesen sind, sprechen Sie möglichst nur unter vier Augen mit ihm und zwingen Sie ihn nicht zu öffentlichen Zugeständnissen.

Der Choleriker:Wie ein HB-Männchen geht er schon bei Kleinigkeiten aus heiterem Himmel in die Luft. Dabei wird er oft sehr laut und ausfallend. Hier kriegt jeder mal sein Fett weg – auch Sie. Genauso schnell ist das Donnerwetter allerdings auch meist wieder vorbei.Vorsicht, wer nach einer Brüllattacke tagelang die beleidigte Leberwurst spielt oder gar in Tränen ausbricht, kommt beim Choleriker auf keinen grünen Zweig. Auch dass Sie vor lauter Angst oder Nervosität Ihr Anliegen nur schüchtern hervor stottern, findet bei ihm leider wenig Verständnis.

Ihre Chef-Strategie: Bleiben Sie ruhig, bewahren Sie Haltung und setzen Sie das Gespräch in sachlichem Ton fort, wenn er seinen Dampf abgelassen hat. Wenn es der Choleriker zu toll treibt, dürfen Sie ihn auch einfach mal stehen lassen und am nächsten Tag nochmal fragen, ob es denn nun mit Ihrem dreitägigen Fortbildungskurs klappt.

Der Chaot: Er vergisst wichtige Termine, verbummelt alles, was Sie ihm geben und informiert Sie meistens erst dann, wenn es viel zu spät ist. Ihre wichtigen E-Mails hat er grundsätzlich nicht erhalten und was im letzten Meeting besprochen wurde, hat er vorher noch nie gehört.

Vorsicht: Sätze wie „Ich habe Ihnen doch schon letzte Woche gesagt, dass ich einen neuen PC brauche“ oder „Der Antrag liegt seit drei Wochen auf Ihrem Schreibtisch …“ kann er in der Regel nicht ausstehen. Denken Sie etwa, er sei unorganisiert?
Ihre Chef-Strategie: Verbünden Sie sich mit seiner Sekretärin. Wenn er keine hat, versuchen Sie möglichst gleich Fakten zu schaffen. „Ich brauche dieses PC-Programm sofort, bitte unterschreiben Sie hier, damit ich den wichtigen Auftrag auch rechtzeitig fertig bekomme.“

Der Knauser: Die Worte Kosten, Ausgaben oder Investitionen verursachen ihm eine Gänsehaut. Wozu brauchen Sie denn nach 150.000 Kilometern schon einen neuen Dienstwagen? Sie möchten einen Spanischkurs machen, weil Sie doch jetzt diesen Großkunden aus Barcelona haben? Gerne, aber im Urlaub und auf Ihre Kosten! Und warum soll er wohl für viel Geld einen zusätzlichen Ingenieur einstellen, wenn Sie schon den Praktikanten ohne Vordiplom zum Nulltarif für Ihr Projekt bekommen haben?

Vorsicht: Beschweren Sie sich nicht über Ihre veraltete Arbeitsausstattung, den chronischen Personalmangel oder die Tatsache, dass Sie seit Ihrer Einstellung noch keinen Tag auf Weiterbildung waren – er wird Sie für faul und kapriziös halten.

Ihre Chef-Strategie: Rechnen Sie ihm seinen Vorteil in Euro und Cent aus. Die neue Maschine kostet nicht 20.000 Euro, sie spart jährlich 30 Prozent Strom und reduziert den Materialverbrauch um die Hälfte. Das Arbeitsamt zahlt einen üppigen Zuschuss für den arbeitslosen Ingenieur und für die Weiterbildung verzichten Sie auf einen Tag Urlaub und nutzen den Frühbucher-Rabatt von 20 Prozent.

 


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