Fremdsprachen

Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren

Rund drei Millionen Deutsche werden jedes Jahr als „Expatriates“ von deutschen Arbeitgebern ins Ausland entsandt, so die Schätzungen des Bund der Auslands-Erwerbstätigen. Neben den Erfahrungswerten über die Denk- und Arbeitsweise in anderen Kulturen ist es vor allem der besondere Grad an Belastbarkeit sowie Anpassungs- und Durchsetzungsfähigkeit, die Arbeitgeber an Grenzgängern so schätzen. Dass sich diese Soft-Skills gewinnbringend im Unternehmen einsetzen lassen, ist sicher einer der Gründe, warum immer mehr Firmen in ein recht kostenintensives Expatriate Management investieren. Dieses steuert alle finanziellen, organisatorischen und vertraglichen Belange rund um das Entsenden von Angestellten ins Ausland. Darüber hinaus soll es auch die reibungslose Wiedereingliederung des Mitarbeiters nach der Rückkehr ins Heimatland gewährleisten.  Doch der Ruf der Ferne lockt nicht nur im Job: Auch im Rahmen von Studium und Ausbildung werden immer mehr Austauschprogramme angeboten, über die auch Berufsanfänger erste Auslandserfahrungen sammeln können.

Chancen und Risiken abwägen

Trotzdem: Nur etwa ein Drittel der Deutschen würde für zwei bis drei Jahre eine Vollzeitstelle im Ausland annehmen – selbst mit einer Gehaltserhöhung von zehn Prozent. Das ist das  Ergebnis einer in 24 Ländern durchgeführten Ipsos-Studie für das Canadian Employee Relocation Council. Damit hält sich die deutsche Begeisterung im globalen Vergleich eher in Grenzen. In Brasilien, Indien oder Saudi-Arabien nähmen fast doppelt so viele Befragte ein solches Angebot an. Wiegen für deutsche Arbeitnehmer die Risiken letztendlich doch stärker als die Chancen? Dass es Risiken und Unsicherheiten gibt, lässt sich nicht bestreiten. Gerade zu Beginn eines längeren Auslandsaufenthaltes läuft nicht immer alles nach Plan. Kulturelle und betriebliche Unterschiede, Heimweh, soziale Isolation und häufig auch Probleme in der Partnerschaft verlangen Expats einiges ab. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Scheidungs- bzw. Trennungsrate bei Auslandseinsätzen relativ hoch ist. Hinzu kommen die hohen Erwartungen seitens des Arbeitgebers. Schließlich hat dieser einiges investiert, um den Mitarbeiter an einen Standort ins Ausland zu entsenden.

Dienstleister helfen bei der Vorbereitung

Um die Risiken zu minimieren und alles in allem eine positive Grenzerfahrung zu erleben, ist eine umfassende Vorbereitung das A und O. Das gilt übrigens nicht nur für die Ausreise sondern ebenso für die Rückkehr in die Heimat. Einer der größten privaten Anbieter von Vorbereitungskursen in Deutschland ist das Institut für Interkulturelles Management (IFIM). Es bietet unter anderem Ausreiseseminare für mehr als 30 Länder an. Darin sollen die Seminarteilnehmer ihre Fähigkeiten zur sozialen Interaktion mit Angehörigen anderer Kulturen verbessern – nicht nur im geschäftlichen Bereich. Die Kurse werden in der Regel von einem Trainer aus Deutschland und aus dem jeweiligen Zielland geleitet. In rechtlichen und organisatorischen Dingen helfen sogenannte Relocation-Agenturen bei der Vorbereitung. Sie unterstützen bei der Wohnungssuche, erledigen notwendige Behördengänge in Deutschland und im Zielland oder suchen nach geeigneten Schulen für die Kinder. Unternehmen, die häufiger Expats entsenden, arbeiten meist mit einer solchen Agentur zusammen und übernehmen auch deren Kosten.

Bei der Ankunft schon an die Rückkehr denken

Dass man nach dem Auslandsaufenthalt wieder schnell und problemlos in einer adäquaten Position beim heimischen Arbeitgeber einsteigen kann, ist nicht immer möglich. Häufig fehlt es an entsprechenden Vakanzen. Da ist Geduld gefragt. Experten raten deshalb, schon nach der Ankunft im Ausland die Rückkehr nach Deutschland vorzubereiten. Dazu gehört auch, das heimische Netzwerk zu pflegen und während der Heimaturlaube alte Kollegen und Vorgesetzte aufzusuchen, um sich über aktuelle Projekte auszutauschen. Auch im Entsendungsvertrag sollte die Rückkehr genau geregelt sein, damit der interkulturelle Austausch nicht im Frust endet.

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