Frühaufsteher

Forschungen belegen, dass Frühaufsteher im Job erfolgreicher sind, schneller Karriere machen und mehr verdienen als Langschläfer. Doch Spätaufstehern haftet häufig zu Unrecht ein schlechtes Image an, denn ob wir zu den Lerchen oder Eulen zählen, ist vor allem genetisch bedingt. Während Sie wie üblich völlig außer Atem, leicht derangiert und eine viertel Stunde zu spät ins Büro stolpern, hat Kollege Müller bereits sein Postfach abgearbeitet und die Kundenpräsentation fertiggestellt. Nun begrüßt er sie gut gelaunt mit seinem Wird-ein-super-Tag-Lächeln. Und das obwohl oder besser weil er bereits seit halb acht hochkonzentriert an seinem Arbeitsplatz sitzt – wie jeden Morgen. Was für Sie als Spätaufsteher unvorstellbar wäre, ist Ihrem Kollegen in die Wiege gelegt. Er ist ein geborener Frühaufsteher und klettert als solcher – glaubt man der Forschung – auch schneller die Karriereleiter hoch, als Sie sich einen Kaffee geholt haben. Denn als Frühaufsteher ist man einfach kompatibler mit dem deutschen Arbeitssystem.

Morgenmenschen gelten als aktiver und optimistischer

Dass der Chronotypus, also der Rhythmus unserer inneren Uhr, unsere Karriere maßgeblich beeinflusst, belegt eine Studie des Biologen Christoph Randler. Demzufolge haben Frühaufsteher die besseren Karten, wenn es um den beruflichen Erfolg geht. Die Argumentationskette Randlers beginnt schon in der Schulzeit: „Meine früheren Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass sie bessere Schulnoten haben, was ihnen Zutritt zu den besseren Universitäten verschafft und wiederum ihre Jobchancen verbessert.“ Darüber hinaus seien Lerchen, wie Morgenmenschen bezeichnet werden, aktiver, gewissenhafter und optimistischer als Eulen, die nur schwer aus den Federn kommen. Laut Randler können sie Probleme besser vorhersehen und lösen, was sich wiederum positiv auf Leistungsvermögen, beruflichen Erfolg und Gehalt auswirkt. Wer so früh aufsteht, dass er bereits morgens Dinge erledigen kann, geht mit einem Erfolgserlebnis zur Arbeit. Dementsprechend motiviert werden die nächsten Aufgaben angepackt. Das setzt im Hirn eine Erfolgskette in Gang, die dazu führt, dass man am nächsten Tag ebenso früh aufsteht, um das positive Erlebnis zu wiederholen. Lerchen fällt das nicht schwer, denn der Chronotyp einer Person ist zu mehr als 50 Prozent genetisch bedingt. Sie wachen von allein früh auf. Im Unterricht und im Job machen sie den Eindruck, leistungsfähiger zu sein, weil unsere gängigen Schul- und Arbeitszeiten auf ihren Chronotyp ausgerichtet sind. „Früh aktiv zu sein, gilt als etwas Positives – das ist tief verwurzelt in den Köpfen“, erklärt Randler. Langschläfern hingegen hafte überall auf der Welt das Image des Faulenzers an.

Spätaufsteher glänzen am Nachmittag

Dabei sind sie nicht weniger motiviert, fleißig oder kompetent als Frühaufsteher. Auch sie haben ihre produktiven Zeiten und sind wesentlich kreativer und humorvoller als die gewissenhaften Lerchen –  nur eben nicht um acht Uhr morgens. Sie glänzen meist erst am Nachmittag, wenn die Frühaufsteher schon langsam in Feierabendstimmung kommen. Dann gilt es, sich nicht ablenken zu lassen und sich wirklich auf die Arbeitsprojekte zu konzentrieren. Das Problem: Weil es die Karriere begünstigt, vor allem morgens aktiv zu sein, sind auch viele Führungsposten mit Lerchen besetzt. Die meisten erwarten von ihren Mitarbeitern im produktiven Gleichschritt durch den Vormittag zu rauschen. Wichtige Meetings, Brainstormings oder Entscheidungen werden vor der Mittagspause abgehandelt, wenn Morgenmenschen bereits zur Hochform auflaufen und die Eulen sich noch warm machen.

Langschläfer anders als Frühaufsteher einsetzen

Experten weisen immer wieder darauf hin, dass den Unternehmen durch starre Arbeitszeiten wertvolles Potenzial verloren geht. Würde man die verschiedenen Leistungshochs und –tiefs der Mitarbeiter besser berücksichtigen und sie entsprechend ihrer Fähigkeiten einsetzen, könnte man zum Beispiel auch das volle kreative Potenzial der Eulen abschöpfen. „Wir müssen nicht mehr arbeiten, weil es acht Uhr morgens ist, sondern wann wir dazu in der Lage und motiviert sind“, erklärt der Zeitforscher Karlheinz Geißler gegenüber Zeit online. Der Mensch funktioniere nicht wie Lichtschalter, Flexibilität sei etwas sehr Menschliches. Häufig fehlen dazu aber die Möglichkeiten und dann muss man als Eulen versuchen, seinen Biorhythmus karrierekompatibel zu machen. Laut Christoph Randler lässt sich der eigene Chronotypus verändern, aber nur in gewissen Grenzen. Frühes Zubettgehen und ausreichend Tageslicht nach dem Aufstehen können helfen, wenn Sie ein wahrer Morgenmuffel sind.


Quellen: Harvard Business Manager, Zeit Online, derstandard.at Bildquelle: © shironosov – iStockphoto.com

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