Arbeit

Was erwarten wir von unserem Leben und unserer Arbeit? Was macht uns Freude und spornt uns an, unser Bestes zu geben? Seit Jahrhunderten denken Philosophen und Sozialwissenschaftler über diese Fragen nach. Einer scheint nun eine Antwort gefunden zu haben. Dr. Steven Reiss, Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Ohio State University, kam zu dem Ergebnis, dass sich Glück und Lebenszufriedenheit nicht aus Vergnügen und der Vermeidung von Schmerzen ergeben, sondern aus dem Gefühl, dass unser Leben einen Sinn hat und wir einem größeren Zweck dienen. Er nennt das „auf Werten gegründetes Glück“ und sagt, wir erleben es, wenn wir unsere inhärenten Bedürfnisse befriedigen. Nach der Durchführung von Studien, in denen über 6000 Personen aus allen Lebensbereichen befragt wurden, hat Reiss 16 universale Bedürfnisse identifiziert, die für alles sinnvolle Verhalten verantwortlich sind. Auf der Grundlage dieser Forschungen hat er einen Test entwickelt, das „Reiss-Profile“, anhand dessen sich messen lässt, welchen Wert ein Individuum jedem dieser Bedürfnisse beimisst, und er deckt die Lebensziele, psychologischen Bedürfnisse und Wesenzüge der Persönlichkeit auf. Das Reiss-Profile umfasst über 100 Fragen. Wir verwenden aber diese vereinfachte Version, um Ihnen zu helfen, herauszufinden, was Sie vom Leben und von Ihrer Arbeit erwarten: Lesen Sie die folgenden Aussagen über die einzelnen Grundbedürfnisse. Wenn eine Aussage stark auf Sie zutrifft, kennzeichnen Sie sie mit „+“, trifft sie in etwa zu, verwenden Sie „0“, und wenn sie kaum auf Sie zutrifft, wählen Sie „-„. 1. Neugier. Ich bin wissbegierig. 2. Akzeptanz. Ich kann Kritik nicht gut ertragen. 3. Ordnung. Ich rege mich auf, wenn Dinge nicht an ihrem Platz sind. 4. Körperliche Betätigung. Körperliche Fitness ist für mich sehr wichtig. 5. Ehre. Ich lege großen Wert auf Grundsätze und Loyalität. 6. Macht. Ich strebe oft danach, eine führende Rolle zu übernehmen. 7. Unabhängigkeit. Selbstvertrauen ist für mich wichtig, damit ich glücklich bin. 8. Soziale Kontakte. Man kennt mich als jemanden, mit dem man Spaß haben kann. 9. Familie. An erster Stelle stehen meine Kinder. 10. Status. Mich beeindrucken Leute, die teure Dinge besitzen. 11. Idealismus. Im Vergleich zu den meisten anderen Menschen kümmere ich mich sehr um soziale Belange. 12. Vergeltung. Es ist sehr wichtig für mich, mit jemandem quitt zu werden, der mich verletzt oder beleidigt hat. 13. Liebesaffären. Im Vergleich mit Gleichaltrigen verbringe ich viel mehr Zeit damit, nach Sex zu streben oder Sex zu haben. 14. Essen. Ich esse für mein Leben gern. Essen kommt sogar oft in meinen Fantasien vor. 15. Sparsamkeit. Ich hasse es, Dinge wegzuwerfen. 16. Ruhe. Es macht mir Angst, wenn mein Herz schnell schlägt. Schauen Sie sich nun Ihre „Plus“-Punkte an. Das sind Ihre Prioritäten, und Sie sollten fünf oder sechs davon haben. „Haben Sie Ihre tiefsten Wertvorstellungen erkannt, besteht der beste Weg, glücklicher zu werden, darin, eine Arbeit zu finden, die diese Wertvorstellungen erfüllt,“ sagt Reiss. „Wenn Sie beispielsweise Macht meiden und ungern eine Führungsposition einnehmen, wären Sie unglücklich in einer Position, in der Sie Verantwortung für eine große Zahl von Mitarbeitern haben.“ „Wenn Sie ein starkes Bedürfnis nach Akzeptanz haben, dann suchen Sie sich keinen Job aus, der Sie in hohem Maße Beurteilungen und Kritik aussetzt. Wenn Ordnung für Sie wichtig ist, suchen Sie nach einem Beruf, in dem es möglichst wenig Unklarheiten gibt; und wenn Sie sehr neugierig sind, suchen Sie sich eine Arbeit, bei der Sie viel denken müssen.“ Reiss zeigt auf, dass das Bedürfnis nach Status und Wettbewerb den Antrieb für viele Börsenmakler darstellt. Er meint, dass Sie bei der Beurteilung eines Jobs berücksichtigen sollten, welche Aufgaben Sie den ganzen Tag, die Woche und das Jahr über zu erledigen haben. Vergleichen Sie das mit Ihren wichtigsten Bedürfnissen, und sorgen Sie dafür, dass Sie das, was Sie jeden Tag tun, glücklich macht. Aber er warnt, dass es nicht nur auf die Arbeit selbst ankommt. Idealerweise sollten Ihre Werte zu denen der Branche, des Unternehmens und auch Ihres Vorgesetzten passen. Eine Mitarbeiterin im Verkauf eines größeren Nahrungsmittelherstellers hat beispielsweise erkannt, dass für sie die Bedürfnisse nach Ehre, sozialen Kontakten, Essen, Idealismus und Neugier am wichtigsten sind und war in ihrem Job sehr glücklich, bis sie einen Vorgesetzten bekam, der es aus Gewohnheit mit der Wahrheit nicht so genau nahm und von ihr verlangte, Kunden und Vorgesetzte zu belügen. „Um beruflich erfolgreich zu sein und Freude am Leben zu haben, ist es wichtig, dass der Job und das Arbeitsumfeld mit den eigenen inhärenten Bedürfnissen im Einklang sind,“ schlussfolgert Reiss. „Wenn man immer wieder die Dinge tut, die die eigenen Wertvorstellungen erfüllen, gibt es keine Grenze dafür, wie sinnvoll und glücklich das Leben sein kann.“ Bildquelle: ©-chagin-Fotolia.com

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