Es schien alles perfekt zu passen – die Arbeit, die Konditionen, die Kollegen. Doch schon nach ein paar Wochen stellen Sie fest: Dieser Job ist nichts für mich. Was nun? Sie können ja nicht gleich wieder kündigen. Doch, können Sie! Warum Sie es unter Umständen auch unbedingt tun sollten, erläutern wir Ihnen in diesem Artikel.

Nachher ist man immer schlauer!

„Ja, ja“, denken Sie nun vielleicht und rollen entnervt mit den Augen. „Wieder so ein kluger Spruch aus dem unerschöpflichen Fundus pauschaler Lebensweisheiten.“ Denn wenn Sie nach nur wenigen Tagen oder Wochen im neuen Job feststellen müssen, dass Sie eine Fehlentscheidung getroffen haben, helfen kluge Sprüche selten weiter. Schließlich stehen Sie gerade vor einem echten Dilemma: Kündigen oder Augen zu und durch? Zum einen ist da dieser Job, der sich nicht wie erhofft als Traumjob entpuppte, sondern Ihnen nun permanent auf den Magen schlägt. Zum anderen erinnert Sie der Blick auf Ihr Konto nachdrücklich daran, dass Sie nicht nur aus Spaß an der Freude jeden Morgen zur Arbeit gehen. Und würden Sie jetzt hinschmeißen, wäre dieses kurze berufliche Intermezzo zudem ein Makel im Lebenslauf. Oder etwa nicht?

Falscher Job, na und?

Zurück zum klugen Spruch, denn in diesem Fall vermag er tatsächlich zu helfen. Wer „nachher“ schlauer ist, hat definitiv keinen Fehler gemacht. Also ärgern Sie sich nicht länger über eine vermeintliche Fehlentscheidung – es war keine! Gerade als Berufsanfänger müssen Sie bei der Jobwahl Risiken eingehen und den einen oder anderen Umweg in Kauf nehmen, ganz einfach weil Ihnen wichtige Erfahrungswerte noch fehlen. Das betrifft sowohl die Rahmenbedingungen im Unternehmen, die Sie für eine grundsätzliche Zufriedenheit benötigen, als auch Ihre ganz persönlichen Motivations- oder Stressfaktoren, die Sie im Laufe Ihres Berufslebens immer besser einschätzen werden. Zu erkennen, dass der aktuelle Arbeitsplatz Sie unzufrieden macht, ist eine wichtige Erfahrung auf dem Weg dorthin.

Gehen Sie Ihrer Unzufriedenheit auf den Grund

Gestehen Sie sich also besser heute als morgen ein, dass Ihnen die Stelle nicht gefällt und unternehmen Sie etwas dagegen. Bedenken Sie, dass es nicht Aufgabe Ihres Arbeitgebers ist, Sie rundum zufriedenzustellen und Ihnen die perfekten Arbeitsbedingungen auf dem Silbertablett zu servieren. Sie müssen wissen, was Sie wollen und selbst dafür einstehen. Das ist oft gar nicht so einfach. Deshalb: Analysieren Sie Ihre Unzufriedenheit ganz genau! Diese Erkenntnisse helfen Ihnen garantiert bei der nächsten Entscheidung für oder gegen eine Stelle.

Bei der Entscheidung Kündigung oder nicht kann es hilfreich sein, sich die folgenden Fragen zu stellen. Nehmen Sie sich genügend Zeit und versuchen Sie die Antworten so konkret wie möglich zu formulieren.

Den Job wechseln? 10 Fragen, die Ihnen bei der Entscheidung helfen können

– Was ärgert mich am meisten oder bereitet mir das größte Unbehagen?

– Besteht das Problem nur vorübergehend oder dauerhaft?

– Könnte ich die Umstände aktiv beeinflussen?

– Gibt es weitere Faktoren, die mir missfallen?

– Wenn ja, welche und lassen sie sich ändern?

– Was gefällt mir an meinem Job am meisten?

– Was mache ich richtig gut und wo kann ich es einsetzen?

– Wie sieht der ideale Job für mich aus? Was suche ich? (Tätigkeit, Verantwortung, Struktur)

– Kann ich diese Vision mittelfristig bei meinem jetzigen Arbeitgeber umsetzen?

– Wenn ja, welche Veränderungen wären nötig?

Nicht jedes Problem ist unüberwindbar

Idealismus in allen Ehren, aber gehen Sie davon aus, dass der perfekte Arbeitsplatz nicht existiert. Kleinere oder größere Hürden werden Sie überall bewältigen müssen. Immer gleich ein Kündigungsschreiben aufzusetzen, wenn es schwierig wird, ist also keine Option. Allerdings ist es ein Unterschied, ob Sie zum Beispiel mit einem konkreten Projekt überfordert sind oder das Betriebsklima Frostbeulen verursacht. Im ersten Fall ist es ratsam die Zähne zusammenzubeißen, sich eventuell Hilfe zu holen und das Problem zu meistern. Werden Sie hingegen weder mit dem Chef noch den Kollegen warm oder finden Sie keinerlei Begeisterung für Tätigkeiten, die Sie tagein tagaus ausüben, hilft oft nur die Flucht nach vorn bzw. zu einem anderen Arbeitgeber.

Schneller Schlussstrich: Kündigen während der Probezeit

Je schneller Sie sich mit Ihrer Lage auseinandersetzen und eine Entscheidung treffen, umso besser. Meist wird mit einem fristlosen Arbeitsvertrag eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Sie dient sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer dazu, herauszufinden, ob die getroffenen Vereinbarungen für beide Seiten passen. Wenn nicht, kann man ohne großen Aufwand wieder getrennte Wege gehen. Denn bis auf einige Ausnahmen (z.B. Schwangere) gilt in der Probezeit kein Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz und beide Seiten können ohne Angabe eines Grundes mit einer Frist von zwei Wochen kündigen – auch noch am letzten Tag der Probezeit. Wenn Sie selbst kündigen oder verhaltensbedingt gekündigt wurden, verhängt das Arbeitsamt in der Regel eine Sperrfrist von bis zu zwölf Wochen und Sie erhalten erst danach finanzielle Unterstützung in Form von Arbeitslosengeld.

Karrieren sind heute nicht mehr geradlinig

Die Hemmungen, einen sicheren Job zu kündigen und sich nach einem neuen umzuschauen, sind typisch deutsch. In anderen Ländern sind Karrierewege weitaus weniger geradlinig als hierzulande. Sehen Sie es doch einmal so: Je mehr Sie ausprobieren, umso reicher an Erfahrungen und damit interessanter für Arbeitgeber werden Sie. Machen Sie sich keine Sorgen, dass eine Kündigung noch während der Probezeit ein Makel in Ihrem Lebenslauf ist (sofern Sie kein extensives Job-Hopping betreiben.) Wenn Sie sich bewusst zu einem schnellen Wechsel entschlossen haben und diesen auch nachvollziehbar begründen können, beweist das, dass Sie wissen, was Sie wollen und sich nicht leichtfertig bei dem neuen Arbeitgeber beworben haben.

 


Quellen:

https://tipps.jobs.de/fehlstart-wenn-die-wahl-daneben-lag/#Gehen_Sie_konstruktiv_mit_Ihren_Fehlern_um_denn_die_macht_jeder

https://www.zeit.de/campus/2015/s1/intuition-entscheidung-vertrauen/komplettansicht

https://www.merkur.de/leben/karriere/kuendigung-in-probezeit-zr-9636364.html

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