Downshifting: Bewusster Karriereknick statt Karrierekick

Downshifting legitimiert die Entscheidung gegen die Karriere

Ein möglicher Ansatz, aus dem Teufelskreis aus Stress, Überarbeitung, Demotivation und Frustration auszubrechen ist das Downshifting – zu Deutsch: Herunterschalten. Gemeint ist damit, die eigene berufliche Situation zu hinterfragen, um sich womöglich für weniger Arbeit, weniger Verantwortung und weniger Karriere zu entscheiden. Wie bitte? Ein bewusster Karriereknick – wer macht denn so etwas? Und hier liegt der Hund begraben: Die persönliche Entscheidung, weniger erfolgreich zu sein und damit meist auch weniger zu verdienen, ist in unserem Karrieredenken so abnormal, dass sie einen erklärten „Ansatz“ braucht, um legitimiert zu sein. Schließlich sind lange Arbeitszeiten ein berufliches Statussymbol. Wer freiwillig „nur“ in Teilzeit arbeitet, gehört nicht zu den Leistungsträgern.

Möglichkeit 1: Teilzeit

Beruflich kürzertreten kann man auf verschiedene Weise: Die klassische Teilzeitlösung ist eine Möglichkeit, löst aber nicht automatisch das Problem notorischer Überlastung. Teilzeitarbeitnehmer, die nicht lernen, Nein zu sagen, arbeiten am Ende genauso viel wie vorher, verdienen aber weniger. Alle Arbeitnehmer, die länger als sechs Monate in einem Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern arbeiten, haben übrigens einen Rechtsanspruch auf Teilzeit. Trotzdem sollte man sich einvernehmlich mit dem Chef einigen, in welchem Rahmen man die Arbeitszeit reduzieren kann.

Möglichkeit 2: Sabbatical

Eine zweite Möglichkeit ist das Sabbatical. Auf dieses temporäre Downshifting gibt es keinen generellen Anspruch. Wer sich mit seinem Arbeitgeber einigen möchte, muss in jedem Fall einen Grund für die Auszeit benennen können. Ein Sabbatical kann als unbezahlter Langzeiturlaub angetreten werden. Arbeitnehmer haben aber auch die Möglichkeit, in einer „Ansparphase“ auf einen Teil des Gehaltes zu verzichten, dass dann in der Auszeit ausgezahlt wird.

Möglichkeit 3: Totalausstieg

Und dann gibt es da noch die Totalaussteiger – Menschen, die sich beruflich komplett umorientieren wollen. Sie suchen sich einen neuen Job, der zwar weniger Verantwortung und schlechtere Bezahlung mit sich bringt, dafür aber stressfreier ist und mehr Zeit für andere Dinge lässt. Viele wagen an dieser Stelle den Schritt in die Selbstständigkeit und finden darin auch einen neuen Sinn in ihrer Arbeit. Totalaussteiger, die Angst vor der eigenen Courage bekommen, können sich Hilfe und Unterstützung bei professionellen Coaches holen, die sich auf Downshifting spezialisiert haben. Egal welcher Weg: Wer sich zu einem Downshifting entschließt, muss sich im Klaren darüber sein, welche Konsequenzen dies auch im privaten Leben haben kann. Geld ist noch immer Wohlstandsindikator Nummer eins. Ein hohes Einkommen bedeutet ein schönes, geräumiges Zuhause, Urlaubsreisen, ein großes Auto, gesundheitliche Absicherung, finanzielle Vorsorge im Alter und vieles mehr. Beim Downshifting verzichtet man bewusst auf einen Teil des Gehaltes – entweder temporär oder dauerhaft. Daher bedeutet Downshifting auch, einen Lebensstil zu wählen, der sich bewusst gegen die Zwänge der Konsumgesellschaft richtet. Nicht Besitztümer stehen für Entschlossene im Vordergrund, sondern der Gedanke, die Lebenszeit sinnvoller und erfüllter zu gestalten.


Quellen: wirtschaftsblatt.at, ZEIT ONLINE, arbeitsratgeber.com Bildquelle: © photophonie – Fotolia.com

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