Die wahre Ursache für Stress und Burnout

Eine 60-Stunden-Woche kann stressfreier sein, als eine 38-Stunden-Woche

„Tut mir leid, ich habe mich getäuscht. Wir müssen alle Abschied vom Zeitmanagement nehmen, wenn wir wieder Zeit haben wollen.“ Wenn einer so radikal die Grundlage seiner Arbeit (und seines Einkommens!) über den Haufen schmeißt, muss er Gründe haben. Bei Lothar Seiwert heißen diese Gründe Erfahrung, Neugier und Mut. Die Leitfrage für seine Neuorientierung war einfach: Warum gibt es Menschen, die rund um die Uhr im Einsatz sind und dennoch einen völlig entspannten Eindruck vermitteln, während andere bei einem „9 to 5“-Job gestresst bis zum Burn-out sind. Und mehr noch, warum leiden sogar Arbeitslose unter Stress? Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. An der Menge der Arbeit kann es wohl nicht liegen. Bleibt also nur die Art der Arbeit.

Beispiele aus dem Alltag: Meist geht es nicht ums Geld

„Der hat gut reden“. Seiwert kennt die Einwände gegen seine Thesen: Wer erst einmal genügend Geld hat und einen tollen Job, der hat natürlich keinen Stress. Aber schließlich kann nicht jeder sein Hobby zum Beruf machen. Umgekehrt wird ein Schuh draus, sagt Seiwert. Und sein Konter sitzt. Er bringt Beispiele aus der Alltagswelt, die jeder nur allzu gut kennt. Auf der einen Seite der Kellner mit den strahlenden Augen, auf der anderen Seite der Muffel. Hier der Postbote, der zu jedem Paket auch noch den Sonnenschein liefert, dort der gestresste Typ, der nur sein Päckchen „abwirft“. Gleiche Jobs, völlig unterschiedliche Interpretation. Es geht also nicht ums Geld, sondern um die richtige Passung. Wenn die nicht stimmt, helfen weder großzügige Pausenregelungen noch ein riesen Gehalt. Was „Passung“ bedeutet, zeigt Seiwert schön am Beispiel des ehemaligen Schweizer Herzchirurgen, der seinen Job und sein Gehalt an den Nagel hängte, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen, nämlich Lastwagenfahrer zu werden! Es war, wie er rückblickend sagt, seine zweite Geburt.

Wovor haben die Leute eigentlich Angst?       

Das Buch „Ausgetickt. Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert“ ist keine geschlossene Theorie, sondern eine tastende Vorwärtsbewegung mit überraschenden Erkenntnissen. Dabei greift Lothar Seiwert auf drei Quellen zurück: auf persönliche Erfahrung, auf Wissen und auf Intuition. Er traut sich, neue Fragen zu stellen, und er traut sich auch, Antworten zu geben, die nicht zum politischen Mainstream passen. „Wovor haben die Leute eigentlich Angst?“, fragt er. Gemeint ist: Was hält die Leute davon ab, das zu tun, was sie eigentlich tun wollen? Angesichts der Tatsache, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt leben und das auf einem geschichtlich nie zuvor gekannten Wohlstandsniveau, ist das eine wichtige Frage. Fazit: Lothar Seiwert macht sich in seinem neuen Buch „Ausgetickt“ auf den Weg vom Zeitmanagement-Papst zum Lebensphilosoph. Ein Buch voller Denkanregungen, gespickt mit unterhaltsamen Anekdoten und Geschichten, die immer konsequent auf die Grundfrage zusteuern: Wie gelingt es, ein selbstbestimmtes und souveränes Leben zu führen?


Rezension von Wolfgang Hanfstein, Managementbuch.de. Lothar Seiwert: Ausgetickt. Lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert. Abschied vom Zeitmanagement. ISBN: 3424200581 Bildquelle: © Günther Ullmann – Fotolia.com

2 Kommentare

  1. Der falsche Job trägt sicher viel zur Entstehung eines Burnouts bei. Die Frage ist doch aber: Warum wählt jemand einen falschen Job, hält sich jemand jahrelang im falschen Job und findet keinen Ausweg. Diese Fragen lassen sich nur systemisch/psychisch klären.

  2. @Robert: Ich denke, dass es viel mit gesellschaftlichen Druck zu tun hat, z.B. welcher Job ist für mich angemessen? Wer aus einem Akademikerhaushalt kommt, wird sich eher „dem angemessene“ Jobs in Betracht ziehen.

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