Das ist leichter gesagt als getan. Ganz tief in unserem Herzen – oder besser in unserem Gehirn – sind wir Gewohnheitstiere, die sich mit Neuerungen eher unwohl fühlen. Meistens bedarf es einschneidender Erlebnisse um mit alten Gewohnheiten zu brechen. Wir sagen Ihnen, wie Sie auch ohne kleine Katastrophen Veränderungen herbeiführen.

Die ersten Wochen im neuen Arbeitsjahr liegen hinter Ihnen. Zeit, die guten Vorsätze auf den Prüfstand zu stellen. Konnten Sie tatsächlich etwas in Ihrem Sinne verändern oder ist der anfängliche Tatendrang nach und nach den alten Gewohnheiten gewichen? Diese sind in der Regel ganz schön hartnäckig und nur schwer zu brechen. Gehen Sie daher nicht so streng mit sich ins Gericht. Forscher gehen davon aus, dass 30 bis 50 Prozent unseres Handelns auf Gewohnheiten basiert und nicht auf bewussten Entscheidungen. Das ist auch gut so, sonst wäre unser Gehirn spätestens beim Zähneputzen überfordert.

Alte Gewohnheiten lassen sich nur schwer ablegen

Stattdessen: Routine beim Aufstehen, Kaffee kochen, Anziehen, Zähneputzen, zur Arbeit gehen. Die Prozesse laufen nach Schema F und das Gehirn spart wertvolle mentale Energie für andere Dinge. Gewohnheiten ermöglichen es unserem Gehirn also, auch in Gefahren- oder Stresssituationen genügend Energiereserven zu mobilisieren, um handlungsfähig zu bleiben. Allerdings hindern uns Gewohnheiten auch daran, Dinge zu ändern oder zu optimieren. Haben sich bestimmte Verhaltensmuster erst einmal eingeschliffen, lassen sie sich nur mit großer Anstrengung ändern. Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier, dem es im Übrigen leichter fällt, sich neue Gewohnheiten anzueignen als alte aufzugeben.

Das Gehirn liebt Vertrautes

Das erklärt auch, warum wir uns zwar immer aufs Neue vornehmen, Dinge zu ändern, diese Veränderungen aber nur in den seltensten Fällen tatsächlich umsetzen. Statt zu radeln, nehmen wir doch wieder das Auto und statt der Treppe den Aufzug. Wollten wir nicht längst die Termine für die Weiterbildungen festgelegt, die E-Mail-Flut besser im Griff und das überfällige Gehaltsgespräch geführt haben? „Nur wenige Menschen haben Freude an Neuerungen“, erklärt Dr. Ilona Bürgel, Diplom-Psychologin und Expertin für den Wirtschaftsfaktor Wohlbefinden. „Häufig werden sie verschoben, ignoriert oder umgangen. Unser Gehirn liebt Vertrautes. Der sogenannte Neulandinstinkt führt dazu, dass wir uns zunächst in allen neuen Situationen etwas unwohl fühlen.“

Belohnen Sie Ihr neues Verhalten – immer wieder

Wie es doch gelingt, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen, erläutert sie in ihrem Buch „Die Kunst, die Arbeit zu genießen“. Ganz wichtig dabei: Das geänderte Verhalten muss mit einem Auslösereiz gekoppelt und dann durch eine Belohnung verstärkt werden. Der Auslösereiz kann zum Beispiel die morgendliche Terminerinnerung sein, in der nächsten halben Stunde das E-Mail-Postfach aufzuräumen. Die Belohnung – nämlich das gute Gefühl, den Überblick zu behalten – stellt sich in diesem Fall ganz automatisch ein und sorgt dafür, dass wir zu Wiederholungstätern werden. Wolfram Schultz, Professor für Neurowissenschaften an der University of Cambridge sagt gegenüber ZEIT online: „Wenn wir die Erfahrung machen, dass ein bestimmtes Verhalten zu einer Belohnung führt, wiederholen wir es möglichst oft.“ Doch auch Mut wird vom Gehirn belohnt, weiß Dr. Ilona Bürgel. „Der Wohlfühl- und Glücksbotenstoff Dopamin wird immer dann ausgeschüttet, wenn wir etwas tun, was einen Überraschungseffekt hat, neu ist.“

Kleine Hilfen zur Selbsthilfe

Die Expertin rät zu Klarheit. „Schreiben Sie auf, was Sie bewahren und was Sie verändern wollen und wie Sie es umsetzen möchten. Das Aufschreiben hilft zu Konkretisieren. Dann haben Sie klare Vorgaben für den Alltag.“ Große Veränderungen sind dabei oft einschüchternd. „Beginnen Sie deshalb klein. Zerlegen Sie große Vorhaben in kleine, und zwar so lange, bis Sie sofort anfangen können. Sie wollen schon lang das ganze Büro ausräumen? Fangen Sie mit dem Schreibtisch an.“ Bürgel empfiehlt auch, die investierte Zeit zu beschränken – vor allem bei unangenehmen Aufgaben. „Setzen Sie sich ein Zeitlimit für die Beschäftigung mit Unangenehmem, und es wird viel einfacher.“ Auch Listen sind ein einfaches aber wirksames Instrument, um am Ball zu bleiben. Setzen Sie jedes Mal einen Haken, wenn Sie es schaffen, in der Mittagspause einen Spaziergang an der frischen Luft zu machen. Nach zehn Häkchen belohnen Sie sich – zum Beispiel mit einem Blumenstrauß für Ihren Schreibtisch.

In vier Schritten Gewohnheiten ändern

  1. Entscheiden Sie sich für die Veränderung. Kein „Ich versuch’s mal“, kein „Mal sehen“. Sondern ein klares „Von nun an nur noch so“.
  2. Fragen Sie sich öfter nach den Vorteilen einer Veränderung. Das Gehirn macht eine klare Kosten-Nutzen-Rechnung auf. Das Sammeln und Aufschreiben von attraktiven Vorteilen machen eine Veränderung leichter.
  3. Fangen Sie an, legen Sie einfach los. Dann entstehen kleine Erfolgserlebnisse, und das Gehirn gewöhnt sich an die neue Situation. Mindestens 30 Tage sind nötig, damit etwas Neues vertraut wird.
  4. Belohnen Sie sich. Locken Sie sich mit kleinen Belohnungen, damit es leichter wird, die neuen Vorhaben umzusetzen oder sich anders zu verhalten.

Bürgel empfiehlt diese vier Schritte zu verinnerlichen, um eine wesentliche Veränderung herbeizuführen. Eine Sache liegt ihr dabei besonders am Herzen: „Haben Sie Spaß. Finden Sie bei allem, was Sie tun, einen angenehmen Aspekt, auf den Sie sich konzentrieren. Das bringt Ihr Gehirn in Bestform und Schwieriges oder Ungewohntes gelingt leichter.“

(Quellen: http://www.ilonabuergel.de/ , „Die Kunst, die Arbeit zu genießen: Erfolg und Lebensfreude im Job“, Ilona Bürgel, Kreuz Verlag

ZEIT online, http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/02/Psychologie-Gewohnheiten/komplettansicht


Bildquelle: © Minerva Studio – Shutterstock.com


pornplaybb.com siteripdownload.com macromastiavideo.com shemalevids.org