19.03.2018 -

Wenn ein Bewerbungsgespräch ansteht, ist es wichtig, die häufigsten Fallen zu vermeiden. Kommen Sie nicht auf den Punkt? Sind Sie ein schlechter Zuhörer oder ein Aufschneider?

Janet Davies, Beraterin für die Weiterbildung von Führungskräften, ehemalige Marketingleiterin bei Credit Suisse und Vizepräsidentin von American Express, geht davon aus, dass Fehlverhalten bei Vorstellungsgesprächen üblicherweise in eine der folgenden fünf Kategorien fällt.

1. Schlechte Vorbereitung

Davies: “Nicht genug über die angestrebte Position zu wissen, ist ein unverzeihlicher Fehler – umso mehr, da so viele Informationen über das Internet zugänglich sind. Im Vorstellungsgespräch geht es in erster Linie um die Frage, ob beide Seiten zueinander passen. Das ist sowohl für den Personalchef als auch für den Bewerber ein heikler Prozess. Wenn Sie kein Interesse an dem Unternehmen vermitteln, wird das Ihre Motivation für die Bewerbung in Frage stellen. Man wird auch herauszufinden versuchen, ob Sie die erforderliche Begeisterungsfähigkeit und Leidenschaft für die angestrebte Tätigkeit mitbringen.”

“Wenn Sie sich nicht gründlich vorbereiten, verschenken Sie dadurch möglicherweise die Chance, Ihre Eignung für den Job unter Beweis zu stellen und die Stelle zu bekommen.”

2. Schlechte Antworten

Fragen schlecht zu beantworten kann heißen, zu lange zu reden – oder nicht lange genug. Dazu kann es kommen, wenn Sie nicht genau zugehört haben oder den Gesprächspartner nicht gebeten haben, die Frage zu präzisieren. Natürlich kann es auch an der Aufregung liegen oder an fehlender Erfahrung mit Vorstellungsgesprächen… Doch manchmal ist es einfach nur Überheblichkeit.

Davies: “Natürlich müssen Sie die Angaben machen, die Ihnen die Stelle verschaffen. Bewerbungsberater können dabei helfen. Sie können Ihnen Ratschläge geben und mit Ihnen die Gesprächssituationen simulieren, wenn sie den Eindruck haben, Sie hätten die Spielregeln nicht verstanden. In ähnlicher Weise sollten unerfahrene Produktlinienmanager von Mitarbeitern der Personalabteilung geschult werden. Denn bringen sie schlechte Leistungen, kann das die Marke schädigen und zu falschen Personalentscheidungen führen.”

3. Unwahrheiten

Diese reichen hier von kleinen Übertreibungen – sich mehr Verdienst an einem Erfolg zuschreiben als gerechtfertigt wäre – bis zu frei erfundenen Geschichten. Das kann Ihre Krankengeschichte betreffen oder die Gründe für die Aufgabe einer Stelle. “Gelogen wird übrigens auf beiden Seiten”, so Davies. “Gesprächspartner geben möglicherweise nicht preis, wie es um die Stabilität der Firma bestellt ist, oder nennen eine zu geringe Stundenzahl, wenn es um die Frage geht, wie lange gearbeitet werden muss.”

“So oder so”, sagt sie, “Lügen haben kurze Beine. Spätere Überprüfungen können der Integrität des Bewerbers und dem notwendigen gegenseitigen Vertrauen schaden. Dies ist ein todsicherer Weg, ein Stellenangebot aufs Spiel zu setzen und die Zeit und Energie aller Beteiligten zu verschwenden.” Es gab schon Fälle, in denen Bewerber und Arbeitgeber sich direkt nach Arbeitsantritt des Bewerbers wieder getrennt haben”, sagt Davies. “Und je später eine Lüge aufgedeckt wird, umso gravierender sind die Konsequenzen.”

4. Einen schlechten ersten Eindruck hinterlassen

Der erste Eindruck zählt. Zuspätkommen, sich für Verspätung nicht entschuldigen, nicht angemessen gekleidet sein, Kaugummi kauen, nach Alkohol oder Zigaretten riechen, das Handy nicht ausschalten, ein Händedruck wie ein toter Fisch, beim Warten ein Brötchen essen oder einfach das vollständige Fehlen sozialer Kompetenz – all das sind Verhaltensweisen, die Bewerber erstaunlich häufig an den Tag legen.

Davies sagt: “Für wie objektiv und professionell wir uns auch halten mögen, das Bild, das wir uns von einem Menschen machen, entsteht binnen Sekunden. Ein schlechter erster Eindruck oder eine Reihe, häufig nonverbaler, Signale kann auf beiden Seiten von Anfang an zu Misstrauen und Antipathie führen. Dann besteht das restliche Vorstellungsgespräch nur noch darin, den ersten Eindruck und die Vorurteile zu bestätigen. Manchmal führen beide Parteien das Gespräch auch noch eine Weile pro forma fort, bis der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sie sich höflich verabschieden können.”

5. Einen guten ersten Eindruck verspielen

Bleiben Sie im gesamten Gespräch positiv. Sprechen Sie also nicht schlecht über frühere Arbeitgeber, und geben Sie keine unangebrachten Informationen preis – wie etwa einen Trinkrekord in Ihrer Stammkneipe. Wenn Sie auf die Frage nach Belegen für Ihre Erfolge gereizt und abwehrend reagieren, kann sich das ebenfalls zu Ihrem Nachteil auswirken. Achten Sie auch darauf, sich bei den Gründen für die Aufgabe einer Stelle nicht zu widersprechen.

Davies: “Gesprächsleiter möchten den Bewerber mit den besten Qualifikationen und der meisten Erfahrung einstellen. Sie suchen allerdings auch jemanden, der zur Firmenkultur passt, der den Job wirklich will und der darauf brennt, seine Fähigkeiten im Unternehmen gewinnbringend einzusetzen. Wenn Sie diese Qualitäten nicht vermitteln können, hat das in der Regel zur Folge, dass ein anderer Bewerber ausgewählt wird, der über diese Fähigkeit verfügt – auch wenn das bedeutet, auf anderen Gebieten Kompromisse zu machen.”

 


Bildquelle: © fizkes – Shutterstock.com