Die Emotionale Intelligenz trainieren für die Beförderung

Mitarbeiter mit hohem EQ haben Führungsqualitäten

Emotionale Intelligenz ist nicht gleichzusetzen mit Empathie. Es ist die überaus nützliche Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle korrekt wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Dazu gehört nicht nur, Emotionen im Moment ihres Auftretens erkennen und akzeptieren zu können, sondern auch, sie aktiv zu beeinflussen. Und zwar immer der Situation angemessen. Menschen mit einem hohen EQ dramatisieren oder verharmlosen nicht. Sie können sich selbst und andere beruhigen und negative Gefühle wie Angst, Gereiztheit und Enttäuschung abschwächen, positive hingegen verstärken. So schaffen sie es, Emotionen in Taten umzusetzen und für die Erreichung ihrer Ziele zu nutzen. Zum Beispiel indem sie sich selbst motivieren können oder impulsives Handeln unterdrücken. Ein Beispiel: Ein Projekt droht mit Pauken und Trompeten in die Hose zu gehen. Der Chef ist außer sich und beschimpft in einem Meeting sämtliche Mitarbeiter. Während sich die meisten darüber furchtbar echauffieren und bockig die Arbeit verweigern, erkennt ein emotional intelligenter Mensch die Angst des Chefs vor den wirtschaftlichen und vielleicht auch personellen Folgen eines gescheiterten Auftrags. Darüber hinaus hatte er am Morgen eine überaus nette Begegnung in der U-Bahn und der Gedanke daran bringt die gute Laune sowie den nötigen Arbeitsschwung zurück. Mit seiner Ausstrahlung schafft er es sogar, die gnatzigen Kollegen zu besänftigen und sie zur Weiterarbeit zu motivieren. Klar, dass sich solche Mitarbeiter als Führungskraft empfehlen. Der Nachweis Emotionaler Intelligenz kann also bei einer Beförderung sehr hilfreich sein.

Dem EQ im Personalgespräch auf der Spur

In Bewerbungs- und Mitarbeitergesprächen geben bestimmte Fragen Aufschluss über den EQ des Kandidaten. Was war Ihnen zuletzt peinlich und warum? Wie gut können Sie um Hilfe bitten bzw. Hilfe annehmen? Worüber können Sie herzhaft lachen? Welches sind Ihre nützlichsten Eigenschaften und warum? Vor allem die Frage nach dem Warum zeigt Personalern und Vorgesetzten, ob Sie in der Lage sind, sich Ihre eigenen Empfindungen bewusst zu machen. Denn nur wer sich mit seinem eigenen Gefühlschaos auskennt, kann anderen helfen, ihres zu bewältigen.

Die emotionale Intelligenz selbst trainieren

Wie es um Ihre emotionale Intelligenz steht, finden Sie in einem Selbsttest heraus. Im Internet werden viele kostenlose Tests angeboten. Ist das Ergebnis wenig berauschend, heißt es ab zum Training. Denn ähnlich wie beim Sport lässt sich der EQ mittels bestimmter Übungen trainieren. Hier sind einige Vorschläge:

Schreiben Sie ein Gefühlstagebuch!

Sie waren beim Zahnarzt, haben ein Gespräch mit der Lehrerin Ihres pubertierenden Sohnes geführt und einen neuen Mitarbeiter kennengelernt? Notieren Sie, was Sie dabei gefühlt haben. Vorsicht: „Untrainierte“ gehen schnell dazu über, sich in Situationsbeschreibungen zu verlieren: Der Zahnarzt hatte Mundgeruch, die Lehrerin eine neue Frisur und der nette Mitarbeiter einen Willkommenskuchen dabei. Darum geht es bei dieser Übung nicht. Schreiben Sie auf, was Sie empfunden haben und welche Reaktionen diese Gefühle bei Ihnen ausgelöst haben. So trainieren Sie Ihre Selbstaufmerksamkeit.

Spielen Sie mit Freunden das Spiegelspiel!

Wenn Sie demnächst mal wieder in netter Runde mit Freunden zusammensitzen, können Sie diese gleich für ein EQ-Training „verhaften“, das der korrekten Selbst- und Fremdwahrnehmung dient. Ihre Freunde profitieren ebenfalls davon (nur als kleine Überzeugungshilfe.) Jeder notiert für sich selbst und für die anderen jeweils drei Stärken und drei Schwächen (oder „Verbesserungspotenziale“), die danach mit nicht allzu viel Ernst verglichen werden. So überprüfen Sie, wie gut sie andere und sich selbst einschätzen können.

Werden Sie zum bewussten Beobachter!

Das nächste Meeting kommt bestimmt und mit Sicherheit wird es ähnlich ereignislos wie das letzte. Nutzen Sie diese Zeit, um Ihre Kollegen zu beobachten. Überlegen Sie sich, was diese gerade empfinden. Wer ist aufgeregt und warum? Wie äußert sich das? Wer ist in Gedanken ganz woanders? Können Sie erahnen, was diesen Kollegen beschäftigt? Wer versucht, sich in Szene zu setzen und mit welchen Mitteln. Diese Empathie-Übung macht jedes langweilige Meeting zu einer wertvollen Trainingseinheit.

Führen Sie Selbstgespräche!

Wenn Sie mit sich selbst reden, trainieren Sie gleichzeitig Ihre äußere und innere Wahrnehmung. Denn Sie analysieren automatisch Ihre Empfindungen und müssen Ihre Emotionen in Worte fassen. Geht es bei Ihrem Gespräch um andere Personen, ähnlich wie eingangs im Beispiel, üben Sie sich auch gleichzeitig in der Beobachtung und Einschätzung Ihrer Mitmenschen und erkennen so Ursache-Wirkungszusammenhänge auf emotionaler Ebene. Gute Gespräche sind eben auch für den EQ viel wert.


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