Den Job neu denken – Wann und für wen ist Agilität sinnvoll

Das Konzept des agilen Arbeitens sorgt für Wirbel und in vielen Unternehmen bereits für tiefgreifende Veränderungen. Top-Down-Hierarchien, Nine-to-Five-Jobs, Office-Rules – alles Gewohnte wird in Frage gestellt und im Sinne von flexibleren und wendigen Strukturen neu erdacht. In unserer Serie erklären wir Ihnen, was es mit agiler Arbeit auf sich hat, welche Vor- und Nachteile die neue Form des Teamwork bringt und für wen sie besonders geeignet ist.

Agil – die neue Art zu arbeiten

Statt „agil im Alter“ heißt es immer häufiger „agil arbeiten“. Ob auf Karriereblogs, Unternehmenswebsites oder auch in Stellenanzeigen: Überall ist von „agilem Arbeiten“ die Rede. Doch nicht jeder weiß mit dem Begriff etwas anzufangen. Auf den Aufzug zu verzichten und in der Mittagspause mit der Bürolaufgruppe eine Runde um den Block zu drehen, ist in dem Zusammenhang mit Agilität sicherlich nicht gemeint. Vielmehr bezieht sich die Bedeutung des Wortes „agil“, nämlich beweglich sein, wendig und auch clever, auf eine neue Art der Zusammenarbeit. Dass die vier harmlosen Buchstaben die Struktur und Kultur von Unternehmen umkrempeln und völlig neu definieren können, glaubt man kaum.

Marktdynamik und New-Work-Bewegung erfordern Umdenken

Zwei Entwicklungen haben dazu geführt, dass die klassisch hierarchischen Top-Down-Strukturen zunehmend in Frage gestellt werden. Zum einen sind Innovations- und Produktzyklen heute kürzer denn je. Die Märkte sind inzwischen so schnelllebig, dass Veränderung die einzige Konstante ist, die Unternehmen noch fest einplanen können. Gerade große Konzerne mit ihren starren Verwaltungsapparaten sind gezwungen, weniger behäbig und träge – alles in allem also agiler – zu reagieren. Zum anderen haben Arbeitnehmer heute ein neues Selbstverständnis von ihrem beruflichen Tun. Arbeit gegen Lohn ist nicht mehr die Maxime. Mit der New-Work-Bewegung haben Selbstbestimmung sowie eigenständiges und eigenverantwortliches Handeln in Arbeitsalltag Einzug gehalten. Wer möchte seine Arbeitsbedingungen nicht in größerem Rahmen selbst gestalten dürfen? Agiles Arbeiten ist eine Entwicklung, die bestens zu den Anforderungen des New-Work-Begriffs passt.

Agiles Arbeiten stellt herkömmliche Strukturen buchstäblich auf den Kopf

Denn die Idee des agilen Arbeitens verlagert die Verantwortung und Entscheidungen weg vom Management hin zu den Arbeitsteams und somit zum einzelnen Mitarbeiter. Damit stellt das Konzept die klassische Arbeitsweise eines Unternehmens völlig auf den Kopf, im wahrsten Sinne des Wortes. Stellen Sie sich vor, Sie und ihre Kollegen treffen alle Entscheidungen eigenständig – im Team, ohne einen Chef. Sie allein sind dafür verantwortlich, dass Ziele – die Sie im Übrigen selbst formuliert haben – erreicht und Kunden glücklich gemacht werden. Das Team übernimmt die Verantwortung für sein eigenes Handeln. Das beinhaltet auch die Kontrolle der Leistungen, die nun nicht mehr länger beim Vorgesetzten liegt. Der wiederum füllt nun die Rolle eines Coaches aus, der Team-Building-Prozesse begleitet, Mitarbeiter unterstützt und ermutigt und ihnen die Rahmenbedingungen für erfolgreiches agiles Arbeiten sichert.

Management Frameworks bewahren vor Chaos

Nun kann agiles Arbeiten nicht heute von der Unternehmensleitung verordnet und morgen von den Mitarbeitern umgesetzt werden. Arbeitsabläufe, Freigabeprozesse, Kommunikationswege – alles was Ihnen womöglich bereits in Fleisch und Arbeitnehmerblut übergegangen ist, verliert seine Gültigkeit. Solche grundlegenden Veränderungen brauchen Zeit. Auch agiles Arbeiten will gelernt sein, sonst enden Sie und Ihre Kollegen schnell im Chaos. Dabei hilfreich sind sogenannte agile Management-Frameworks wie Scrum oder Kanban. Das sind Vorgehensmodelle, die Ihnen beim agilen Arbeiten als organisatorische Hilfsmittel dienen. Durch bestimmte Methoden und Techniken lassen sich Prozesse und Projekte sinnvoll und nur so weit wie unbedingt nötig strukturieren, ohne dabei vollständig durchgeplant zu werden. Das bindet zum einen nicht unnötig Ressourcen für Planungen, Planänderungen, Reporting usw., zum anderen bleibt das Team flexibel und kann jederzeit schnell auf Veränderungen reagieren.

Agile Methoden – kurz erklärt:

Scrum: Teilt die Projektlaufzeit in genau terminierte Etappen, sogenannte „Sprints“ ein. Am Ende jedes Sprints muss das Team dem Kunden ein funktionsfähiges Zwischenprodukt vorlegen. Auf der Basis des Kundenfeedbacks startet der nächste Sprint. Der langfristige Plan wird so kontinuierlich angepasst und verbessert. Das Produkt als auch die Planung entwickeln sich stetig weiter.

Kanban: Der bestehende Workflow wird auf einem einfachen Whiteboard mit Post-Its visualisiert. Jede Notiz repräsentiert dabei eine Aufgabe und sorgt für mehr Transparenz und effizientere Arbeitsteilung.

Design Thinking: Die grundlegenden drei Merkmale sind ein multidisziplinäres, vielseitiges Team, ein flexibles Raumkonzept mit viel Platz für Stehtische, Whiteboards und Materialien sowie das kreative Arbeiten mit striktem Anwenderfokus. Produkte werden anhand stark vereinfachter Prototypen direkt am Kunden getestet.

(https://www.sueddeutsche.de/karriere/agiles-arbeiten-kritik-ing-1.4571035?print=true)

Wann macht Agilität Sinn?

Eine allgemeingültige Anleitung für agiles Arbeiten gibt es nicht. Das würde ja auch dem Kerngedanken des Ganzen widersprechen. Zudem profitieren verschiedene Berufe, Tätigkeiten und Unternehmen unterschiedlich stark von den neuen Arbeitsstrukturen. Als  Bäcker müssen Sie Ihre Brötchen nicht unbedingt agiler backen, um Ihre Stammkundschaft glücklich zu machen. In einer Großbäckerei mit vielen Filialen hingegen kann sich die Arbeit in interdisziplinären Teams und agilen Strukturen durchaus positiv auf die Produktentwicklung und damit die Kundenzufriedenheit auswirken. Je komplexer die Situation ist, je kleinteiliger das Projekt oder je unsicherer die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung, umso eher profitieren Unternehmen von einer hohen Agilität, bei der die Mitarbeiter aufgefordert sind,  flexibel und lösungsorientiert zu reagieren und eigenverantwortlich über den Tellerrand zu schauen.

Quellen: https://www.sueddeutsche.de/karriere/agiles-arbeiten-kritik-ing-1.4571035?print=true

https://digitaler-mittelstand.de/business/ratgeber/agiles-arbeiten-was-ist-das-49878

https://www.wiwo.de/erfolg/management/agiles-arbeiten-wer-nicht-aufpasst-dem-fliegt-das-projekt-um-die-ohren/19988386-all.html

https://www.stern.de/wirtschaft/job/new-work-und-agile-arbeit–aber-ich-will-doch-nur-meinen-job-machen–8918940.html

Bildquelle: © NicoElNino

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