Brainteaser: Knobeln im Bewerbungsgespräch

Kleine Aufgabe mit großer Wirkung

Mit den ersten beiden Varianten wird Herr Müller beim Personaler kaum punkten. Dieser hat ihm diese kleine Denksportaufgabe nämlich nicht ohne Grund gestellt. Mit sogenannten Brainteasern wollen Unternehmen in Bewerbungsgesprächen das analytisch-logische Denkvermögen der Bewerber testen und deren Fähigkeit, unerwartete Probleme zu lösen. Gleichzeitig können sie sehen, wie ein Bewerber unter Stress mit einer schwierigen, nicht alltäglichen Aufgabe umgeht. Nicht zuletzt zeigen sich die Kommunikationsstärken oder -schwächen eines Bewerbers, denn nun soll laut gedacht werden.

Der Weg ist das Ziel

Natürlich gibt es für jeden Brainteaser auch die passende Lösung, aber die ist beruhigender Weise erst einmal zweitrangig. Viel aufschlussreicher für den Personaler ist hingegen die Strategie, mit der Herr Müller zu seiner Lösung gelangt. Deshalb gilt unbedingt, nicht minutelang still vor sich hin zu rätseln, sondern die eigenen Gedankengänge zu kommentieren. Papier und Stift sind dabei oft nützlich. Zum Beispiel wenn man die Frage beantworten soll, wie viele Eier ein Huhn an einem Tag legt, wenn davon auszugehen ist, das eineinhalb Hühner an eineinhalb Tagen eineinhalb Eier legen. „Na ein Ei“ kitzelt als vermeintlich logische Antwort schon auf der Zunge, doch das wäre zu kurz gedacht. Nur wer sich in dieser Situation auf den Dreisatz besinnt und sich die entsprechende Gleichung notiert, wird dem Personaler die richtige Antwort präsentieren können. Wie viele Smarties passen in einen Smart? Oder wie schwer ist Manhatten gehören sicherlich zu den prominentesten Brainteaser-Beispielen. Überhaupt greifen viele dieser Brainteaser mathematisches Grundwissen auf. Es ist daher von Vorteil zu wissen, wie man Flächen und Volumen berechnet oder Gleichungen mit einer oder zwei Unbekannten löst. Meist bedarf es auch Kreativität und Querdenkerpotenzial, um die Aufgaben zu lösen. Wie bei diesem Rätsel: Was ist mächtiger als Gott, noch böser als der Teufel? Die Armen haben es, die Reichen brauchen es. Und wer es isst, stirbt daran. Die Antwort darauf ist so einfach, dass viele sie in einem Bewerbungsgespräch gar nicht in Betracht ziehen.

Bloß nicht verwirren lassen

Wichtig ist, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Als erstes muss die Aufgabenstellung sorgfältig durchgelesen, die relevanten Informationen herausgefiltert und die Aufgabe bei Bedarf in Teilschritte zerlegt werden. Ein einfacher Brainteaser kann schrecklich kompliziert klingen – allein aus dem Grund, den Bewerber zu verwirren. Ein Beispiel: Monika hat verschlafen und muss sich beeilen, denn sie hat um 9:36 Uhr ein wichtiges Vorstellungsgespräch. Zu allem Überfluss ist es in ihrem Schlafzimmer stockdunkel, die Glühbirne ist kaputt. Monika ist nicht sehr ordentlich und hat ihre Socken alle einzeln in einem Wäschekorb liegen, 52 schwarze und 46 weiße. Wie viele Socken muss sie im Dunkeln herausziehen, um sicher ein Paar gleichfarbige Socken zu erhalten? Der erste Satz enthält keine für die Lösung relevanten Informationen, suggeriert aber allein durch die Formulierung, man stünde unter Zeitdruck. Auch die Anzahl der Socken hat in diesem Fall nichts mit der Lösung zu tun.

Übung macht den Meister

Wer in seiner Freizeit versucht, den einen oder anderen Brainteaser zu lösen – im Internet und in diversen Büchern findet man eine Fülle an Beispielen – wird sich im Bewerbungsgespräch nicht so leicht aus der Bahn werfen lassen, denn die Herangehensweise ist immer ähnlich und man lernt mit der Zeit auf wesentliche Aspekte in der Aufgabenstellung zu achten. Trotzdem sollte man nicht versuchen, die Lösungen für so viele Brainteaser wie möglich auswendig zu lernen, denn es geht dem Personaler ja um den Lösungsweg. Wer im Ernstfall einen Brainteaser schon kennt, sollte deshalb um einen neuen bitten – oder schauspielerisch überzeugen können.

Die Lösungen:

  • Ein Huhn würde an einem Tag 2/3 Eier legen – zumindest theoretisch, nach der praktischen Umsetzbarkeit ist ja auch nicht gefragt worden.
  • „Nichts“ lautet die simple Antwort. In einer Umfrage haben über 80 Prozent der Kindergärtnerinnen, aber nur 16 Prozent der Uni-Absolventen dieses Rätsel gelöst
  • Entscheidend bei dieser Aufgabe ist allein die Tatsache, dass es nur schwarze und weiße Socken gibt. Monika muss also mindestens 3 Socken aus dem Korb ziehen, um ganz sicher zwei der gleichen Farbe zu erwischen.
  • Und wie spät es auf der Uhr des Personalers ist, müssen Herr Müller und Sie ganz allein herausfinden…

(Quellen: squeaker.net, sz-online, spiegel-online)

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