Betriebliche Fehltage wegen Burnout steigen drastisch an

Moderne Arbeitswelt birgt Risiken für psychische Erkrankungen

Die Ursachen für psychische Erkrankungen liegen häufig in der Arbeitswelt. „Auch die moderne Arbeitswelt der Dienstleistungen und Konkurrenz kennt eine Art Fließbandarbeit. Zeitdruck und zu geringe Kontrolle über die Arbeitsabläufe sind Risikofaktoren für psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz“, erklärt Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK). „Krankmachend ist, wenn gefährdete oder erkrankte Arbeitnehmer keinen Weg zur Veränderung finden.“ Die Unternehmen können dazu beitragen, dass über psychische Belastungen offen gesprochen werden kann. Wer sich überfordert fühlt, gibt sich häufig selbst die Schuld. Die Erfolgsgeschichten der anderen scheinen dann zu belegen, dass mit der eigenen Leistungsfähigkeit etwas nicht stimmt. „In solchen Situationen reichen Angebote zum Zeit- und Stressmanagement nicht aus“, stellt der BPtK-Präsident fest.

Hinter Burnout steckt meist eine psychische oder körperliche Erkrankung

Aktuell gibt es keine allgemein anerkannte Definition, was unter Burnout zu verstehen ist. Häufig genannte Symptome des „Burnouts“ oder des „Ausgebranntseins“ treten auch bei einer Reihe psychischer Erkrankungen auf: u.a. Antriebsschwäche, gedrückte Stimmung, Reizbarkeit, Erschöpfung. „Im Gespräch mit dem Arzt schildern viele Arbeitnehmer Erschöpfung oder Stress“, erklärt BPtK-Präsident Richter. Solche Schilderungen von Burnout-Symptomen sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, weil dahinter meist psychische Erkrankungen stecken.“ Bei 85 Prozent der Krankschreibungen wegen Burnout diagnostizierte der Arzt zusätzlich eine psychische (z. B. Depression, Angststörung) oder körperliche Erkrankung (z. B. Rückenschmerzen). Nur 15 Prozent der Burnout-Krankschreibungen erfolgen ohne eine weitere Diagnose. Auch dann kann Burnout jedoch ein Hinweis auf eine entstehende psychische oder auch körperliche Erkrankung sein.

Belastete Arbeitnehmer brauchen Beratung und schnelle Diagnose

„So belastete Arbeitnehmer brauchen professionelle Beratung und Unterstützung, bevor sich eine seelische Krankheit entwickelt“, empfiehlt Richter. „Nicht jedes Problem bei der Lebensbewältigung  erfordert eine Behandlung. Wichtig ist jedoch eine schnelle diagnostische Abklärung, ob eine Krankheit vorliegt. Nur so kann einer Chronifizierung vorgebeugt werden.“ Aber auch dann, wenn noch keine Erkrankung vorliegt, benötigt der Gefährdete eine qualifizierte Beratung und Anleitung zur Selbsthilfe, die eine Verschlimmerung verhindert. „Die menschliche Psyche hat eine erhebliche Selbstheilungskraft.“, betont BPtK-Präsident Richter. „Die Selbsthilfepotenziale der Menschen werden bisher nicht ausreichend genutzt. Wir brauchen dringend eine Präventionsstrategie, die insbesondere den psychosozialen Belastungen der modernen Gesellschaft gerecht wird.“

Studie belegt: Berufstätig sein wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus

Psychische Erkrankungen haben ihre Ursachen aber nicht nur in der Arbeitswelt. Arbeit kann sogar ein wichtiger Faktor für psychische Gesundheit sein. Berufstätige Frauen erkranken deutlich seltener an einer Depression. Arbeitslose Menschen leiden bei Weitem häufiger an psychischen Erkrankungen als Erwerbstätige. Nach Berechnungen der BPtK erkrankt fast jede fünfte nicht berufstätige Frau ohne minderjährige Kinder im Haushalt an einer Depression (19,5 Prozent), aber nur jede achte berufstätige Frau mit Kindern (12,8 Prozent). Am gesündesten sind berufstätige Frauen ohne Kinder (9,6 Prozent). Arbeitslose sind drei- bis viermal so häufig psychisch krank wie Erwerbstätige. Arbeitslose werden häufiger aufgrund psychischer Erkrankungen stationär behandelt und arbeitslose Männer erhalten außerdem fast dreimal so häufig Antidepressiva verordnet wie Erwerbstätige. Bildquelle: © RRF – Fotolia.com

1 Kommentar

  1. Hallo,
    ich erlebe es nicht nur bei mir, sondern auch in meinem Bekanntenkreis wie dort immer mehr der Burnout um sich greift.
    Der Stress und der hohe Leistungsanspruch sind oftmals die Ursachen für diese Erkrankung.
    Ich selber habe die Erkrankung zweimal erlebt und arbeite wahrscheinlich auf Nummer drei hin.
    Leider hätte ich ansonsten nur die Möglichkeit der Arbeitslosigkeit, was das ganze erfahrungsgemäß um ein Vielfaches verschlimmern wird.
    Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig als irgendwie durchzuhalten und zu hoffen, dass es besser wird.
    Für meine Rückenschmerzen, die oft mit der Erkrankung einhergehen, habe ich inzwischen eine guten Arzt und eine gute Klinik gefunden, aber in Sachen Burnout tappe ich leider immer noch im Dunkeln.
    Liebe Grüße aus Berlin

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