Bei andauernder Unzufriedenheit im Job ist der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung groß. Viele wissen aber nicht, wie sie diese angehen sollen. Wie Sie es schaffen, erklärt hier der Karriere-Coach Tom Diesbrock.

Jetzt Traumjobs in Ihrer Nähe finden.

Einen Sinn in der eigenen beruflichen Tätigkeit zu finden und sich selbst im Job zu verwirklichen wird vielen Arbeitnehmern immer wichtiger. Erscheint der eigene Job sinnlos und unbefriedigend, wird nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht.

Die jährliche Gallup-Studie beweist eine seit Jahren schwindende emotionale Bindung zum eigenen Job. Der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung macht sich dann oft bemerkbar, aber viele wissen einfach nicht, wie sie diese angehen sollen.

Suche nach beruflicher Erfüllung: Alles andere als einfach

„Viele Menschen haben die Vorstellung, dass der Job ihrer Selbstverwirklichung dienen sollte und sind dann frustriert, wenn sie an dieser hohen Messlatte scheitern“, sagt der Psychologe, Autor und Karriere-Coach Tom Diesbrock. „Einige Think-positive-Propheten verkaufen ja die Idee, dass jeder ganz leicht seinen Traumjob finden kann, wenn er wirklich will. Kein Wunder, wenn manche sich als Versager fühlen, weil sie einfach nicht wissen, wie ihr Traumjob aussehen könnte.“

Dass es alles andere als einfach ist, eine wirklich erfüllende Beschäftigung zu finden, weiß Tom Diesbrock aus eigener Erfahrung. Berufliche Neuorientierung ist in seiner Beratung ein zentrales Thema und das liegt wohl auch an seinem eigenen kurvenreichen Weg. Nach einem Medizinstudium, Arbeit in Krankenhaus und Pflege, mit Jugendlichen und der Leitung eines Popmusikprojekts folgte der Job als Redakteur, schließlich ein Psychologiestudium und die eigene Praxis. So wurde er auch zum Karriere-Coach und Buchautor.

Wann ist die Zeit reif für eine Veränderung?

Es gibt sicher keinen Arbeitnehmer, der nicht mal eine schlechte Phase im Job hat. Doch wenn diese Phase immer länger wird, sollte man etwas ändern.

„Wenn man ab und zu den Montagmorgen-Blues hat oder mal eine Phase der Lustlosigkeit von ein paar Wochen, ist das sicherlich noch kein Grund seine Kündigung zu schreiben“, meint Tom Diesbrock. „Anders sieht es aus, wenn die Unzufriedenheit über Monate anhält, konstant hoch ist oder gar immer größer wird. Vor allem wenn sich jemand darüber im Klaren ist, dass sein Job nicht oder nicht mehr zu ihm passt.“

Auf folgende Alarmsignale sollten Sie achten: Wachsende Energielosigkeit, anhaltende Stimmungstiefs bis zu Niedergeschlagenheit, Ohnmachtsgefühlen und Depression. „Manche Menschen realisieren den Veränderungsdruck erst, wenn sie mit körperlichen Symptomen konfrontiert werden“, so Tom Diesbrock.

Klug mit Zweifeln umgehen

Ist der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung da, muss er aber noch in die Tat umgesetzt werden. Und dabei stellen sich in der Regel viele Zweifel in den Weg.

„So einfach wird man seine Zweifel nicht los, und das ist auch gut so, denn sie sind immer Ausdruck von Ängsten. Es ist nur wichtig, klug mit den eigenen Zweifeln umzugehen“, erklärt Tom Diesbrock. Er empfiehlt, alle Zweifel aufzuschreiben und zu untersuchen und dann zu überlegen, wie man am klügsten mit ihnen umgeht.

„Erst einmal sollte man Zweifel daraufhin untersuchen, ob sie Ausdruck differenzierter Überlegungen sind oder dahinter negative Glaubenssätze und ganz alte Ängste stehen. Wenn mich meine Zweifel daran erinnern, dass ich eine Familie zu ernähren habe und daher besser nicht allzu hohe Risiken eingehe, ist das sicherlich konstruktiv“, erklärt er. „Aber Zweifel wie ‚Das schaffst du nie‘, ‚Dazu bist du viel zu alt‘ oder „Die werden jemanden wie dich doch niemals einstellen‘ haben bestimmt herzlich wenig mit Ihrer Realität zu tun!“, so der Experte für Neuorientierung.

Der Weg zur neuen beruflichen Aufgabe

Viele stehen bei dem Wunsch nach Veränderung auch vor der großen Frage, wie eine neue, zufriedenstellende Aufgabe für sie aussehen könnte.

„Diesen Menschen rate ich, sich genug Zeit zu nehmen, um es herauszufinden. Am Anfang steht die Beschäftigung mit dem eigenen Interessenprofil. Erst wenn Sie wissen, was Ihnen wichtig ist und was zu Ihrer Persönlichkeit passt, können Sie passende Job-Ideen finden“, erklärt Tom Diesbrock. „Man sollte sich dabei nicht zu schnell an Profilen orientieren. Wenn ich gern Prozesse organisiere, wäre es ein Schnellschuss zu denken, Event-Manager werden zu müssen.“

Der Berater schlägt eine klügere Strategie vor: „Überlegen Sie sich genau, welche Tätigkeiten, Branchen und Felder optimal wären. Also besser erst einmal einen Job stricken und dann schauen, wo Sie ihn finden und wie Sie ihn erreichen können.“

Meist bringen schon kleine Veränderungen mehr Zufriedenheit

Tom Diesbrock möchte mit dem weit verbreiteten Vorurteil aufräumen, dass Neuorientierungen immer riesengroße Veränderungen bedeuten müssen. „Das ist nur bei einer kleinen Gruppe so. Ich habe eine Managerin begleitet, die sich dafür entschied, sich als Tierpsychologin selbstständig zu machen. Ein anderer Klient von mir hat tatsächlich ein Guesthouse in Asien eröffnet“, erzählt er.

Der Karriere-Coach verdeutlicht aber, dass die meisten Entscheidungen oft weniger spektakulär sind: „Jemand bleibt bei seinem Tätigkeitsprofil, wechselt aber in eine Branche, die ihm mehr am Herzen liegt. Oder jemand war bisher Journalist und arbeitet jetzt als PR-Mensch für eine NGO. Und immer öfter wollen Menschen mehr Gestaltungsfreiheit über ihr Berufsleben und machen sich selbstständig.“

Jetzt Traumjobs in Ihrer Nähe finden.

 


Tom Diesbrock ist Psychologe, Autor und Karriere-Coach in Hamburg. Sein neues Buch „Jetzt mal Butter bei die Fische!“ Ein Selbstcoaching-Programm für Ihre berufliche Neuorientierung ist gerade im Campus Verlag erschienen. www.tomdiesbrock.de

Bildquelle: © tschumi97, Shutterstock.com