Raus aus der Schule, rein ins Berufsleben. Auf der Suche nach dem richtigen Ausbildungsplatz schreiben viele die erste Bewerbung im Leben. Was angehende Azubis dabei beachten müssen und mit welchen Argumenten sie Personaler überzeugen können, lesen Sie hier.

Ausbildung im Aufwind

Beim ungebrochenen Run auf Deutschlands Hochschulen geriet die Berufsausbildung in letzter Zeit etwas ins Hintertreffen. Völlig zu Unrecht. Denn mit einer Ausbildung in der Tasche lässt sich meist problemlos eine akademische Karriere anschließen. Der große Vorteil: Sie verfügen dann bereits über praktische Berufserfahrung und die ist bekanntlich bei Arbeitgebern heiß begehrt.

Auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland lässt sich daher auch ein vorsichtiger Trend in Richtung Berufsausbildung erkennen. 2016/17 ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge erstmals seit fünf Jahren wieder leicht gestiegen. Unter den angehenden Azubis finden sich immer häufiger Bewerber mit Fachhochschul- oder Hochschulreife. Laut Arbeitsagentur verfügte zuletzt jeder Vierte über eine Hochschulzugangsberechtigung.

Gute Ausbildungsplätze gibt es nicht geschenkt

Die Chancen, nach der Schule einen attraktiven Ausbildungsplatz zu ergattern, stehen nach wie vor gut. Auch im vergangenen Ausbildungsjahr blieben rund 49.000 Lehrstellen unbesetzt, vor allem für Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Köche. Aber lassen Sie sich von den Zahlen nicht täuschen. Trotz dieser seit Jahren bestehenden Azubi-Lücke halten sich das Angebot der Ausbildungsplätze und die Anzahl der Bewerber rein rechnerisch in etwa die Waage: 547.800 Bewerbern standen im abgelaufenen Berufsberatungsjahr 549.800 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber. Um Ihre Traumausbildung zu ergattern, müssen Sie bei Ihrer Bewerbung also alles richtig machen. Hier sind unsere fünf wichtigsten Tipps:

Der frühe Vogel ergattert den Ausbildungsplatz

Geschafft! Mit dem Schulabschluss in der Tasche soll es für Sie nun in die nächste Etappe, die Berufsausbildung, gehen. Wenn Sie sich aber nicht schon vor geraumer Zeit um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, müssen Sie sich auf etwas Wartezeit einstellen. Denn viele Firmen beginnen ihre Bewerbersuche bereits im Vorjahr. Die nächste heiße Phase startet spätestens im September 2018 – dann werden die Ausbildungsplätze für 2019 vergeben.

Generell gilt: Größere Betriebe beginnen eher mit dem Recruiting als kleinere. Auch von Branche zu Branche gibt es Unterschiede. Während der Öffentliche Dienst meist schon im August mit der Azubi-Suche beginnt, werden Firmen im Handwerk oder Baugewerbe erst im November richtig aktiv. Informieren Sie sich also rechtzeitig über die Bewerbungsfristen bei den Firmen ihrer Wahl. Denn hier gilt ganz klar: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Gute Vorbereitung erspart Absagen

Apropos „informieren“: Eine gute Recherche ist das A & O vor jeder Bewerbung. Das gilt auch für Sie als angehender Azubi. Versuchen Sie, das Unternehmen kennenzulernen, für das Sie sich bewerben wollen. Website, Presse und Social Media Kanäle geben Ihnen ein erstes Bild. Eventuell haben Sie auch die Möglichkeit, sich mit aktuellen oder ehemaligen Auszubildenden auszutauschen. So bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie Sie Ihr Bewerbungsschreiben aufsetzen sollten.

Darüber hinaus sollten Sie auch ganz essentielle Bewerbungsvoraussetzungen in Erfahrung bringen: Welcher Schulabschluss ist gefordert? Ist ein Notendurchschnitt in ausbildungsrelevanten Fächern vorgegeben? Wie sieht es mit Altersbeschränkungen und notwendigen Praktika aus? Vergessen Sie dabei nicht, den Namen des Ansprechpartners für Ihr Bewerbungsschreiben zu erfragen.

Flexibel sein mit Plan B

Freie Lehrstellen gibt es immer, aber nicht überall und auch nicht in allen Berufen. Während 2016/17 in Süddeutschland, dem Saarland und in Hamburg sowie Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber gemeldet waren, fehlten Lehrstellen vor allem in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen, aber auch in Sachsen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen. Für Ihre Traumausbildung sollten Sie also unter Umständen bereit für einen Umzug sein.

Auch bei der Wahl des Ausbildungsberufs kann es hilfreich sein, einen Plan B in der Tasche zu haben. Gerade in Büro- und Verwaltungsberufen, in der Kfz-Technik, der Informatik oder in der Zahn-Medizinischen Fachassistenz, aber auch in der Tierpflege, im Sport- und Veranstaltungsmanagement, in der Mediengestaltung oder in der Tischlerei gibt es meist deutlich mehr Bewerber als freie Stellen. Entspannter stellt sich die Situation für Hotel- und Gaststättenberufe sowie für viele Handwerksberufe, in der Orthopädie- und Rehatechnik oder in der Baubranche, in der Fein- und Werkzeugtechnik sowie im Berufskraftverkehr dar.

Die richtigen Argumente im Anschreiben

Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von anderen Bewerbungen. Ihre praktische Berufserfahrung geht gegen Null. Umso wichtiger ist es, die Argumente zu finden, die den Personaler überzeugen. Gute Noten in ausbildungsrelevanten Fächern sind sicher wichtig, für das Anschreiben aber nicht relevant. Stellen Sie stattdessen Ihre persönlichen Stärken und Ihre Motivation für die gewählte Berufsausbildung in den Mittelpunkt. Ihr Anschreiben sollte dem Personaler glaubhafte Antworten auf folgende Fragen liefern: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden? Warum sind gerade Sie für diesen Beruf bestens geeignet und warum möchten Sie Ihre Ausbildung in genau diesem Unternehmen absolvieren?

Lieber das Original als eine Kopie

Das Internet ist voll von Vorlagen für Bewerbungsschreiben. Bleiben Sie standhaft und formulieren Sie Ihr eigenes Anschreiben. Selbst das Kopieren von Textbausteinen erkennen Personaler sofort. Warum? Als angehender Azubi unterscheidet sich Ihr Sprachgebrauch deutlich von den feingeschliffenen und aber häufig nichtssagenden Formulierungen bewerbungserprobter Arbeitnehmer. Personaler wollen Individualität erkennen, um Sie als Bewerber besser einschätzen zu können. Formulieren Sie das Anschreiben also besser mit Ihren eigenen Worten. Bleiben Sie dabei immer höflich und respektvoll. Sie siezen Ihren Ansprechpartner grundsätzlich, auch wenn in der Stellenanzeige für den Ausbildungsplatz das „Du“ verwendet wurde. Und natürlich vermeiden Sie jegliche Rechtschreibfehler.

Wertvolle Tipps zum Aufbau des Anschreibens, zum Lebenslauf und wichtigen Anlagen liefern übrigens Ausbildungsplattformen im Internet wie zum Beispiel ausbildung.de, azubi.de oder azubiyo.de.

 


Quellen:

 https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Ausbildungsmarkt/generische-Publikationen/Blickpunkt-AM-Ausbildungsmarkt.pdf

https://www.azubiyo.de/bewerbung/bewerbungsfrist-ausbildung/

https://www.ausbildung.de/ratgeber/bewerbung/anschreiben/

https://www.azubi.de/beruf/tipps/ausbildungsbewerbung

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