19.06.2018 -

Die Welt erscheint immer kleiner und die Globalisierung schreitet unaufhörlich voran. Umso wichtiger ist es heutzutage, sich mit fremden Kulturen und deren Sitten und Gebräuchen noch mehr vertraut zu machen, um eine gute Kommunikationsebene sowohl im privaten wie auch beruflichen Bereich von Anfang an aufzubauen.

Eine Testfrage: Sie stehen in einem Fahrstuhl und betrachten die Nummern der Stockwerke. Alle Zahlen sind vorhanden, aber es fehlt die „vier”. In welchem Land könnten Sie sich befinden? Mit großer Sicherheit sind Sie in einem Gebäude in Japan oder China, denn dort ist die Zahl „vier” eine absolute Unglückszahl, da sie phonetisch gleichklingend ist mit dem Wort für „Tod”. Hätten Sie es gewusst?

Andere Länder, andere Sitten – auf die man sich auf einer Auslandreise früh genug einstellen und vorbereiten sollte, um keine Überraschungen zu erleben. Aber Vorsicht: Fettnäpfchen lauern natürlich überall! Und dies vor allem in weit entlegenen asiatischen Ländern, deren Kultur uns oft so fern ist.

Hier zur ersten Information die wichtigsten Do’s und Dont’s für einen Besuch in Japan:

Geschäftliches:

– Der Ranghöchste wird immer zuerst begrüßt.
– Bei der Begrüßung gibt es meistens kein Händeschütteln sondern eine leichte Verbeugung von etwa 15 Prozent.
– Als neutrale Anrede wird an den Nachnamen meistens ein „San” angehängt, z. B. „Yamoto-San”. Dies entspricht damit „Herr/Frau” im Deutschen.
– Visitenkarten (am besten auch auf einer Seite in Landessprache bedruckt) haben eine höhere Bedeutung als bei uns und werden mit beiden Händen und einer leichten Verbeugung überreicht (Achtung: keine geknickten Ecken oder Notizen darauf vermerken). Nach der Übergabe werden sie sehr aufmerksam gelesen, um seine Wertschätzung zu signalisieren. Durch die meistens aufwendig gestaltete Visitenkarte bekommt der Japaner ein „Gesicht” und eine Identität.

Kommunikation:

– Das Wort „Nein” bitte komplett aus dem Wortschatz streichen. Ein Anliegen wird stets dezent formuliert.
– Nie direkt kritisieren, sondern das Gesicht des anderen wahren.
– Mit einem bestätigenden „Hai” (Ja) Aufmerksamkeit beim Gespräch signalisieren.
– Nicht mit dem Finger auf eine Person zeigen, sondern mit der ganzen Hand.
– Wildes Gestikulieren erwirkt unangenehmes Aufsehen.

Essen und Trinken:

– Das typische japanische Frühstück besteht aus einer Schale Reis, einer Schale Miso-Suppe, einem Omelett (oder einfach rohem Ei), Algen und eingelegtem Gemüse.
– Das Schlürfen von Suppen wird als Kompliment verstanden.
– Niemals mit den Stäbchen auf eine Person zeigen.
– Man schenkt sich nie selbst nach, sondern nur dem Tischnachbarn. Folglich schenkt dieser dann einem selbst nach.
– Nase putzen sowie Essen in der Öffentlichkeit sind ein großer Fauxpas. Niesen sollte unterdrückt werden.
– Trinkgelder sind in Japan nicht üblich.

Geschenke:

– Geschenke sollten in einer schönen und aufwändigen Verpackung übergeben werden. Aber Achtung!: Kein weißes und schwarzes Papier, keine weiße Blumen (Weiß ist die Farbe der Trauer!) und keine Schleifen.
– Typisch deutsche Geschenke (Meissner Porzellan, Schwarzwälder Kuckucksuhr, Faber-Castell, Erzgebirge-Produkte, Pralinen …) werden gerne gesehen und geschätzt.
– Das Geschenk wird ebenfalls mit beiden Händen gleichzeitig übergeben, wenn man mit dem Gastgeber alleine ist.

Besuche und Feiern:

– Unpünktlichkeit ist ein Tabu, ebenso wie zu forsches Auftreten.
– Bei Besuch in einer Wohnung grundsätzlich die Schuhe ausziehen.
– Alkohol auf „ex” trinken und Karaoke-Singen gehören abends zum guten Geschäftskontakt (nur für Männer).
– Nie mit den Schuhsohlen auf jemanden zeigen.

Diese Do’s and Dont’s gelten für China:

Geschäftliches und Begegnungen:

– Begrüßung durch leichten, weichen Handschlag ist hier schon üblich.
– Harmonie und das Waren der Form haben immer Priorität.
– Respekt vor der Stellung und dem Alter des Gesprächspartners.
– Es gelten Geduld, Bescheidenheit und Gleichmut.
– Ungeduld und lautes Auftreten vermeiden.
– Unverzichtbare Visitenkarten mit beiden Händen überreichen.
– Fragen nach Wohlbefinden von Frau und Kindern signalisiert Interesse an seinem Gegenüber (es werden gerne Familienfotos gezeigt).
– Zeigen Sie Interesse an China, um eine angenehme Stimmung zu schaffen.
– Ein eigener, erfahrener Übersetzer kann sinnvoll sein.
– Verschenken Sie keine Uhren, Messer oder Schirme, da es Unglück bringt.
– Geschenke werden nicht sofort bei der Übergabe ausgepackt.

Kommunikation:

– Lachen kann auch ein Ausdruck von Betroffenheit sein.
– Kein direkter Blickkontakt, insbesondere zu ranghöheren Personen.
– Mit Zuhören, Fragen und Schweigen besser ins Gespräch kommen.
– Gemeinsamkeiten betonen, um eine harmonische Gesprächsatmosphäre herzustellen.

Essen und Trinken:

– „Rülpsen” ist ein Ausdruck der Zufriedenheit des guten Essens, Schneuzen und das Benutzen von Zahnstochern ist unappetitlich.
– Jeder isst von allen Gerichten, eine Drehplatte steht meistens in der Mitte des Tisches.
– Typisches chinesisches Frühstück: Reis- oder Nudelsuppe, Fladenbrot, Sojamilch, Teigstangen, Salzgemüse und andere warme Speisen

Unsicher beim Asien-Besuch?

Wenn Sie sich im Umgang mit asiatischen Menschen unsicher ist, sollten Sie die folgenden leichten Regeln beachten:

– Beobachten Sie die Verhaltensweisen Ihres Gesprächspartners genau und übernehmen Sie diese am besten. Agieren Sie immer mit viel Fingerspitzengefühl.
– Die persönliche Beziehung steht immer über der geschäftlichen.
– Bringen Sie Zeit mit — sehr viel Zeit!
– Mimik und Gestik sind bei Verhandlungen wichtiger als das gesprochene Wort.
– Probleme eher behutsam und am Ende von Verhandlungen ansprechen.
– Berücksichtigen Sie stets die Hierarchien.

Es wird immer bedeutender, interkulturell kompetent zu sein, um eine erfolgreiche und fruchtbare (Geschäfts-)Beziehung aufbauen zu können. Daher sollte man frei von Vorurteilen sein, und sein Gegenüber nicht gleich in die berühmte „Schublade stecken”. Informationen über die Kultur- und Begrüßungsrituale im Ausland gewährleisten einen zufriedenstellenden und respektvollen Umgang miteinander. Empathie, Fairness, Toleranz, Respekt und Akzeptanz sowie eine ehrliche Hilfsbereitschaft sind daher wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Kommunikation.

 


Tanja Bögner wurde 2006 beim LEITZ-Wettbewerb als „Deutschlands beste
Sekretärin” ausgezeichnet. Darüber hinaus hält sie Vorträge auf Assistenz-Fachtagungen und ist Fachbuchautorin beim Eichborn Verlag, Frankfurt/Main. Weitere Informationen unter: www.tanjaboegner.de

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