Es wird immer mehr Usus, dass Arbeitnehmer gebeten werden ihre Arbeitszeugnisse selbst zu erstellen. Im Folgenden zeigen wir Ihnen, worauf Sie hierbei achten müssen und auf welche Formulierungen es ankommt.

Bei der Jobsuche braucht es für die Vollständigkeit der Bewerbungsunterlagen nicht nur Anschreiben und Lebenslauf, sondern neben Zeugnissen auch Arbeitszeugnisse, welche Ihre bisherigen Arbeitserfahrungen deutlich machen. Vor allem möchte der Personaler sehen, inwiefern Sie in der Vergangenheit gute Arbeitsperformances abgeliefert haben.

Doch haben Sie sich Ihre Arbeitszeugnisse schon einmal genauer angesehen? Welche versteckten Codes stecken darin? Hinzu kommt, dass Vorgesetzte ihre Arbeitnehmer immer häufiger bitten, das Arbeitszeugnis selbst zu formulieren und anschließend nur noch zur Unterschrift vorzulegen. Um sich hierbei angemessen darzustellen, sich also weder übertrieben positiv darzustellen noch die eigenen Leistungen und Fähigkeiten abzuwerten, gilt es die genaue Wortwahl im Auge zu behalten.

Welche Angaben gehören in ein qualifiziertes Arbeitszeugnis?

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis ist von einem einfachen Arbeitszeugnis zu unterscheiden, denn es enthält zusätzlich zu Ihren Personalien und der Art und Dauer ihrer Beschäftigung eine Beurteilung Ihrer Arbeitsleistung.

In Deutschland besteht nach § 630 BGB eine Pflicht zur Zeugniserteilung. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass ein Arbeitszeugnis in elektronischer Ausfertigung keine Gültigkeit besitzt.

Einleitung

In der Einleitung geben Sie einige Eckdaten wie Ihren Namen, Ihr Geburtsdatum samt Geburtsort, ihre Position im Unternehmen sowie den Beschäftigungszeitraum an.

Firmenbeschreibung

Beschreiben Sie kurz das jeweilige Unternehmen. Stellen Sie vor, in welcher Branche die Firma angesiedelt ist und/oder welche Produkte es entwickelt/verkauft etc.

Tätigkeiten

Hier sollen Sie Ihren bisherigen Aufgabenbereich im Unternehmen darstellen. Welche Verantwortungen waren Ihnen übertragen und welche Aufgaben waren Ihnen zugeteilt? Wichtig ist, dass die Angaben mit denen in Ihrem Lebenslauf übereinstimmen!

Leistungsbeurteilung

Bei der Leistungsbeurteilung ist der Umfang Ihres Fachwissens, Ihre Arbeitsweise sowie Arbeitsqualität und Ihre Leistungsbereitschaft gefragt. Zudem ist es wichtig, Ihre Belastungsfähigkeit zu bewerten. Sollten Sie als leitender Angestellter tätig gewesen sein, bedarf es außerdem einer Einschätzung Ihres Führungsstils.

Soziales Verhalten

In punkto Sozialverhalten kommt es darauf an zu zeigen, wie Ihr Verhältnis zu Ihren Vorgesetzten war und auch wie Sie mit Ihren Kollegen zurechtkamen. Austrittsgrund (Kündigung durch Arbeitnehmer, Aufhebung, Kündigung durch Arbeitgeber, betriebsbedingte Kündigung, Frist – z.B. Praktikanten)

Schlussformel

Die Abschiedsformel sollte ein Bedauern über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses enthalten, einen Dank über die bisherige Zusammenarbeit sowie Wünsche für die berufliche und persönliche Zukunft des Arbeitnehmers.

Abschließend dürfen natürlich Ort, Datum und Unterschrift des Arbeitgebers nicht fehlen.

Welche Formulierungen sind zu beachten?

Laut § 109 der Gewerbeordnung sollen Arbeitszeugnisse wohlwollend formuliert sein. Damit sich künftige Arbeitgeber jedoch ein klares Bild über den/die Bewerber/in machen kann, hat sich eine Art Geheimsprache entwickelt. Welche Codes welche konkrete Bedeutung haben, sehen Sie in der folgenden Übersicht:

Prinzipiell besteht das Arbeitszeugnis aus Einzelnoten. Ihre Leistung, Ihr soziales Verhalten, Ihre Arbeitsweise und Ihre Motivation werden durch spezielle Formulierungen gemäß dem Schulnotensystem bewertet. Für eine sehr gute Leistung ist es vonnöten, bestimmte Temporaladverbien zu benutzen. Mit „stets“, „fortwährend“, „immer“, „jederzeit“ zeigen Sie, dass es keinen Leistungsabfall gab. Superlative sind Ausdruck für die Note „sehr gut“.

Haben Sie als Arbeitnehmer also in höchstem Maße den Anforderungen entsprochen, dann nutzen Sie Formulierungen wie „außerordentlich“, „in jeder Hinsicht“, „in allerbester Weise“, „herausragende Arbeitsergebnisse“ oder „außergewöhnliches Engagement“.

Beispiel: „Frau/ Herr X hat die Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.“

Es kommt auf die Feinheiten an. „Volle Zufriedenheit“ „stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität“ „äußerste Sorgfalt und Genauigkeit“ sind „nur“ Ausdruck für eine gute Arbeitsperformance. Steht das Adjektiv „gut“ für sich allein, so beschreibt es lediglich eine ausreichende Leistung.

Neben dem genauen Wortlaut, gibt es einige weitere Aspekte, die beim Schreiben eines Arbeitszeugnisses beachtet werden müssen.

  • Verändern Sie die Reihenfolge gängiger Formulierungen, so kann eine Abwertung der Aussage erfolgen. Denn die Regel lautet: Wichtiges sollte immer vor dem weniger Wichtigen genannt werden.
  • Achten Sie darauf, dass selbstverständliches Verhalten nicht in besonderem Maße hervorgehoben wird. Es darf erwähnt bleiben, aber sollte keinen allzu großen Stellenwert erhalten (bspw. Pünktlichkeit).
  • Doppelte Verneinungen sollten ebenfalls vermieden werden. „Ohne jede Beanstandung“ mag zwar etwas Positives ausdrücken, führt jedoch zugleich auch zu einer Abwertung.
  • Arbeitszeugnisse sollen zwar individuell auf den jeweiligen Arbeitnehmer angepasst sein, doch folgen sie immer einem konkreten Muster, bei dem es zusammengehörige Formulierungen gibt.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Formulierungen weder zu ausschweifend noch zu knapp ausfallen. Ersteres lässt bestimmte Bereiche zu stark hervortreten und wertet somit andere Einschätzungen ab. Zu kurze Aussagen lassen erahnen, dass dem Arbeitnehmer einige Kompetenzen fehlen.
  • Neben den Standardformulieren ist es ratsam, auch zum Arbeitnehmer individuell zugeschnittende Aussagen zu treffen. Dies weist auf ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer hin.
  • Achten Sie darauf, dass sich die einzelnen Aussagen nicht widersprechen. Wurden einige Fähigkeiten als „sehr gut“ bewertet, dürfen diese im nächsten Satz nicht in einem weniger gutem Licht erscheinen.

Es ist in jedem Fall sinnvoll, sich das erhaltene Arbeitszeugnis genau anzusehen. Finden Sie Aussagen, die objektiv gesehen nicht auf Ihre Arbeitsleistung zutreffen, dann haben Sie einen Anspruch auf Berichtigung. Kontaktieren Sie ihren Arbeitgeber binnen eines Jahres nach Erhalt des qualifizierten Arbeitszeugnisses und teilen Sie ihm eventuelle Änderungsanliegen mit.

Sollte es an Ihnen sein, sich in Eigenarbeit ein Arbeitszeugnis anzufertigen, dann achten Sie unbedingt auf die oben genannten Regeln, denn Arbeitszeugnisse spielen schließlich eine entscheidende Rolle im Einstellungsprozess.

 

Mehr Informationen:

http://www.uniturm.de/magazin/bewerbungstipps/formulierungen-arbeitszeugnis-1229

 


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